Überzeugte Elektrosensible in Not allein gelassen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 05.12.2015, 19:43 (vor 1418 Tagen) @ H. Lamarr

Am 17. November brachte die Badische Zeitung einen Bericht über eine angeblich schwer elektrosensible Frau, die in dem Beitrag Nikola Neukirch genannt wird. Frau Neukirch soll sich laut Bericht wegen Empfindlichkeit gegenüber Funkwellen in ein Funkloch im Hotzenwald zurück gezogen haben. Am Schluss heißt es in dem Bericht: Sie wünscht sich mitfühlende Menschen, die ihr bei der Suche nach strahlenarmen Wohnräumen behilflich sein können oder die ihr zumindest für die nahende Winterzeit ein Wohnmobil zur Verfügung stellen würden. Eine E-Mail-Anfrage des IZgMF an die Redaktion der Badischen, die Kontaktaufnahme mit dem Autor des Berichts (Wolfgang Adam) zu ermöglichen, blieb unbeantwortet.

Die Kommentare unter dem Beitrag sind in der überwiegenden Mehrzahl vernichtend. Bis am 23.11.2015 die Kommentatorin Barbara Knobloch für Frau Neukirch eine Lanze bricht:

Angesichts der ganzen Spekulationen hier, was der Artikel hier ausdrücken soll, möchte ich das nochmal klar verdeutlichen und zwar aus Sicht von Frau Neukirch, die persönlich kenne und zu der schon lange im Kontakt stehe.
Dieser Artikel ist ein konkreter Hilferuf. Er soll ihre Situation erklären und Menschen aktivieren, die irgendwo abgelegen, strahlungsarm oder -frei wohnen und bereit sind, sie gegen Miete und oder Mithilfe für Tage, Wochen oder Monate aufnehmen. Ab Frühjahr hat sie eine feste Bleibe. Bis dahin muss sie über den Winter kommen.
Es geht darum, dass es gerade arschkalt ist, sie im Auto lebt, nicht weiß, wohin sie soll und kaum Infrastruktur besitzt, um kommunizieren zu können.
In´s Blaue nach Spanien oder Portugal zu fahren, ohne dort jemanden zu kennen und ohne zu wissen, ob sie dort eine Unterkunft findet, ganz abgesehen vom Spritgeld und dem Verlust ihrer Kontakte im Hotzenwald, ist gerade ganz abwegig.
Wenn Sie eine Möglichkeit sehen, zu helfen, wenden Sie sich gerne an die Zeitung, mit der Bitte, Ihre Nachricht weiter zu leiten.
Danke

Grundsätzlich gibt es an der Hilfestellung von Frau Knobloch nichts auszusetzen, es ist ehrenhaft, sich für eine Person in Not einzusetzen. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn "Elektrosensibilität" ist keine Krankheit, die einen unerwartet befällt, sondern eine Phobie, die sich die Betroffenen aus unterschiedlichsten Gründen zulegen. Die Betroffenen selbst sehen dies natürlich ganz anders. Kritisch wird es, wenn Betroffene in die Hände unseriöser Umweltmediziner geraten, die ihre Privatpatienten in dem Irrglauben bestärken, "Elektrosensibilität" wäre eine physische Erkrankung. So konditioniert lassen sich "Elektrosensible" finanziell gut ausbeuten. Da ein solcher Zusammenhang bei Frau Neukirch wahrscheinlich ist, erwiderte am 4. Dezember Heidrun Schall auf den Kommentar von Frau Knobloch:

Werte Frau Knobloch,

der stillgelegte Atombunker in Künzell (Hessen) wäre vielleicht eine provisorische Heimstatt für Frau Neukirch. Vor zwei Jahren erholten sich jedenfalls schon einmal einige EHS in diesem Bunker. Jemand müsste halt mit dem Bürgermeister reden ...

Ihr Kommentar zugunsten von Frau Neukirch, die tatsächlich wohl anders heißt, stößt mir sauer auf. Denn Frau Neukirch hat sich bereitwillig von unseriösen Umweltmedizinern mit ihrer Elektrosmog-Phobie infizieren lassen. Üblicherweise finden Betroffene dadurch Beachtung, Aufmerksamkeit und die Geborgenheit in einer kleinen Clique Gleichgesinnter. Diese Vorteile sind ein sekundärer Krankheitsgewinn, der den Opfern der Infektion gefällt und dazu führt, dass sie die eigene Heilung boykottieren, indem z.B. eine adäquate ärztliche Behandlung durch geschulte Psychotherapeuten abgelehnt wird. So bleiben die Leute bei den unseriösen Umweltmedizinern hängen und werden aus meiner Sicht finanziell mit dubiosen Behandlungsmethoden ausgebeutet. Und wer nicht (mehr) zahlungskräftig ist fliegt raus.

Ihren Ruf nach Hilfe, Frau Knobloch, empfinde ich daher so, dass Profiteure die Betroffene ungestraft ausbeuten und in ihrer Phobie bestärken durften und jetzt, da Frau Neukirch in Not geraten ist, sollen Unbeteiligte die Not lindern. Anders gesagt: Der Gewinn ist Privatsache, die Not hingegen wird sozialisiert.

Ich erlaube mir daher nachzufragen, was Frau Neukirch widerfahren ist, als sie sich in Ihrer Not an die behandelnden Umweltärzte wandte, an befreundete "Elektrosensible", an regionale Vereine für überzeugte Elektrosensible? Hat man sie etwa eiskalt sitzen gelassen? Wundern würde mich dies nicht, denn von einer noch sehr tatkräftigen Elektrosensiblen aus Berlin weiß ich, dass Hilfe von denen, die sich öffentlich als Fürsprecher für "Elektrosensible" aufspielen, nicht zu erwarten ist. Konkret sitzen ließen die Frau nach eigenen Angaben Dr. M. Kern, Kempten (kein Interesse), die sogenannte Kompetenzinitiative (kein Rückruf), die ödp, Berlin (für Einzelschicksale nicht zuständig) und Diagnose-Funk (war nicht erreichbar).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Badische-Zeitung, Adam


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