1 Mobilfunkgegner blockierte DSL für eine ganze Gemeinde (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 23.11.2011, 15:40 (vor 2824 Tagen) @ H. Lamarr

Etwa um 2006 herum hatte es die Bürgerinitiative in einem kleinen bayerischen Weiler nördlich von München geschafft: Endlich sollte auch die 2000-Seelen-Gemeinde an DSL angeschlossen werden, schnelles Internet lag in unmittelbarer Reichweite.

Die Anbindung des Ortes sollte über eine Richtfunkstrecke geschehen, die Kosten von 100'000 Euro hätte ein einheimischer Sponsor übernommen, der dafür bei der Interneteinwahl für rd. drei Sekunden eine Werbeeinblendung schalten wollte. Im Grunde war also alles in trockenen Tüchern.

Doch bei der obligatorischen Informationsveranstaltung zum geplanten Projekt stand ein Mann auf und sprach gegen die Richtfunkanbindung. Hauptargument: Er habe zwei Töchter wegen Leukämie verloren. Und wie auf dem Land üblich, hatte der Mann zuvor Mitstreiter gesucht, so an die 20, die sich später bei der Veranstaltung ebenfalls gegen das Projekt aussprachen. Der Bürgermeister bekam es mit der Angst und blies die Funklösung tatsächlich ab. Es sollte drei lange Jahre dauern, bis der nächste Anlauf DSL zu bekommen, in der Realisierungsphase angekommen war.

Ich gebe hier diese Geschichte so wieder, wie sie mir von einem, der dabei war, erzählt wurde.

Der Einwand des Einsprechers, der das Projekt zu Fall brachte, ist bedrückend irrational. Denn a) bewirken Richtfunktrassen keine nennenswerte Immission außerhalb des eng begrenzten Funkstrahls und b) gibt es keinerlei Hinweise, dass schwache Funkfelder mit Kinderleukämie in Zusammenhang stehen. Solche Hinweise gibt es für schwache niederfrequente Magnetfelder, nicht für Hochfrequenz.

Ich finde es schlimm, dass ein einziger Mobilfunkgegner mit einer objektiv gesehen völlig haltlosen Blockadehaltung eine ganze Gemeinde jahrelang von DSL aussperren konnte, anscheinend, weil es ihm gelang ein paar Gefolgsleute um sich zu scharen, und er so seiner subjektiven Einzelmeinung mehr Gewicht geben konnte. Unverdientes Gewicht, denn 21 falsch Informierte sind keinen Deut besser als 1 falsch Informierter. Das Problem sind mMn weniger die falsch informierten Leute, sondern die Vereine und Websites, die aus mehr oder weniger zweifelhaften Gründen die diffusen Ängste vor Funkwellen mit Desinformation wecken und schüren.

Nachdem auch der Anlauf 2009 scheiterte ist die Gemeinde seit Mitte 2011 endlich an DSL angeschlossen - via Kabel. Die DSL-Verteilung innerhalb des Ortes wäre auch bei der Funkalternative mit Kabel gewährleistet gewesen, lediglich für die zentrale Anbindung ans DSL-Netz war die Richtfunkstrecke gedacht.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Schaden, Gemeinde, Bürgermeister


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