Allgäu: Dipl.-Psychologin schürt Ängste vor Depressionen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 14.04.2012, 17:05 (vor 2770 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus "Allgäuer Anzeigeblatt":

"Einstimmig wurde bei der Jahresversammlung des ÖDP-Ortsverbands beschlossen, sich weiter gegen den geplanten BOS-Funk-Sendemasten in Missen-Wilhams zu wehren. Birgit Plutz warnte vor der Dauerbestrahlung, da sich der Serotonin-Spiegel senke und dadurch eine Zunahme der Depressionen zu befürchten sei."

Wäre Birgit Plutz "Lieschen Müller", könnte man ihre Einlassung - so diese zutreffend wiedergegeben ist - als Gerede einer der vielen selbsternannten Experten in Elektrosmog-Fragen beiseite legen. Doch Frau Plutz ist Diplom-Psychologin. Sie sollte daher zumindest über Depressionen Bescheid wissen. Allerdings ist die Psychologin auch Mitglied der ortsansässigen "Interessengemeinschaft besorgter Bürger" - damit kann Plutz kaum mehr als neutral/sachlich gelten.

Die Behauptung der Psychologin, sie kann Angst machen, das müsste Frau Plutz eigentlich besonders gut wissen. Und deshalb wäre anzunehmen, dass Sie sich wohl überlegt hat, mit welcher Behauptung sie da an die Öffentlichkeit geht, um nicht etwa unnötig Ängste zu wecken oder zu schüren.

Von einer ernsthaften Auseinandersetzung der Psychologin mit der EMF-Serotonin-Depressionen-Hypothese ist jedoch nichts erkennbar.

Wikipedia weiß: "Da die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen über die Beteiligung von Serotonin zum Teil widersprüchlich sind, ist die Serotonin-Hypothese der Depression nicht unumstritten."

Damit wackelt das eine Bein der Plutz-Hypothese.

Und auch das zweite wackelt, denn das EMF-Portal kennt zu Serotonin und Hochfrequenz 18 Studien, von denen Frau Plutz jedoch keine einzige als Stütze ihrer Behauptung verwenden kann. Denn entweder wurde nichts gefunden und wenn, dann bei hohen Feldintensitäten jenseits von Gut & Böse.

Auch eine Etage tiefer, beim Serotonin-Transport des Stoffwechsels sieht es schlecht aus um die Plutz-Hypothese, denn 2006 brachte das Deutsche Mobilfunk Forschungsprgramm das Resultat:

"Im Hinblick auf mögliche genetische Unterschiede zwischen Elektrosensiblen und Kontrollen wurden Gene für neuronale Rezeptoren (Serotonin-Transporter-Promoter-Gen, Dopamin-D4 Rezeptor-Gen) untersucht, es zeigten sich aber keine Unterschiede hinsichtlich der genetischen Ausstattung bei diesen beiden Merkmalen zwischen Elektrosensiblen und Kontrollpersonen."

Stütze bekommt die Psychologin nur, wenn sie sich nicht auf wissenschaftlichem Niveau mit Informationen versorgt, sondern auf den Seiten von laienhaften Mobilfunkgegnern. Doch dies kann meiner Meinung nach in keiner Weise als Alibi dafür gelten, "einfach mal so" die haltlose Angstparole "Depressionen durch Dauerbefeldung" in die Welt zu setzen, zumal Depressionen angeblich stark auf dem Vormarsch sind.

Mag sein, die Psychologin wurde von den "Immer-mehr-psychisch-Kranke"-Meldungen stimuliert, vielleicht wollte sie dem Anti-Tetra-Kurs des ödp-Ortsverbands auch nur etwas Substanz verleihen. Beides sind sicherlich keine ehrenhaften Motive, zumal die Bundes-ödp auf ihrer Website inzwischen vom Stichwort "Mobilfunk/Elektrosmog" zu 100 Prozent die Finger lässt, sämtliche Treffer führen nur noch zu - Archivbeiträgen (der jüngste datiert vom Juli 2011, könnte jedoch auch älter sein).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Elektrosmog-Panikmache, ÖDP, Interessengemeinschaft, EMF-Forschungsprogramm, Serotonin


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