Ärzte und Mobilfunk: schlechte Noten für Mediziner (Forschung)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 19:52 (vor 1651 Tagen)

Regelmäßig versuchen Mobilfunkgegner Ärzte für ihre Interessen einzuspannen und zur Teilnahme an Petitionen, Appellen und Initiativen zu bewegen. Ärzte sind zwar nicht mehr die Halbgötter in Weiß, jedoch noch immer respektierte Meinungsmacher. Und wenn ein junger Mediziner sagt "Mobilfunk macht krank", dann glauben ihm dies mehr Leute, als wenn selbiges z.B. ein alter Literaturprofessor behauptet.

Doch wie steht es wirklich um die Kompetenz von Ärzten in der Mobilfunkdebatte, wissen Mediziner wovon sie reden, wenn sie nach den Risiken elektromagnetischer, elektrischer oder magnetischer Felder gefragt werden? Dazu gab es in Deutschland und Österreich wissenschaftliche Untersuchungen, die ein ernüchterndes Ergebnis zeigten.

  • Leitgeb et al., 2005, Does "electromagnetic pollution" cause illness? An inquiry among Austrian general practitioners.
  • Berg-Beckhoff et al., 2009, Risiken elektromagnetischer Felder aus Sicht deutscher Allgemeinmediziner.
  • Gruber C, Statistik-Know-how: Warum viele Ärzte ihre Patienten falsch beraten., 2012, Spiegel online.

An dieser Stelle nur einige Auszüge aus diesen Untersuchungen.

Leitgeb schreibt in der Zusammenfassung seiner öffentlich nicht unentgeltlich zugänglichen Arbeit:

Es ist eher einzigartig, dass es einen derartig weit verbreiteten Widerspruch zwischen den Meinungen von Ärzten und der anerkannten nationalen und internationalen Risikobewertung gibt. Angesichts der Häufigkeit der Begegnung mit dieser Thematik zeigen die Ergebnisse einen dringenden Handlungsbedarf auf.

Das Bundesamt für Strahlenschutz kommentiert die Arbeit von Berg-Beckhoff für ein Amt ebenfalls ungewöhnlich deutlich:

Ein beträchtlicher Anteil der Ärzte hat im Vergleich zu der aktuellen wissenschaftlichen Risikobewertung eine zu hohe Risikowahrnehmung bzgl. EMF. Dies kann u. a. auf die selbst geäußerte schlechte Informiertheit der Ärzte zurück zu führen sein. Es gilt, den Ärzten die aktuelle wissenschaftliche Risikobewertung zu EMF näher zu bringen, damit die Ärzte darauf bei ihrer beratenden Tätigkeit zurückgreifen können.

Und C. Gruber schreibt in seinem Spiegel-Artikel:

Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen. Berliner Wissenschaftler fordern deshalb eine verbesserte Ausbildung von Ärzten. Problematisch wird das fehlende Know-how bei der Beratung von Patienten. Denn falsche Auskünfte haben manchmal dramatische Folgen.

Eines aber haben alle diese Arbeiten nicht untersucht: Die kommerziellen Interessen, die einige Ärzte verfolgen, indem sie sogenannte "Elektrosensible" mit mehr oder weniger anerkannten alternativen Heilmethoden als Privatpatienten mehr oder weniger erfolgreich behandeln. Wer glaubt, unter Elektrosmog(-Phobie) zu leiden, findet auch jede Menge Heilpraktiker, die jeden "elektrosensiblen" Patienten begeistert behandeln. Schlimm ist das alles nicht, trifft es doch nur selbst diagnostizierte "Elektrosensible" (EMF-Phobiker). Schlimm sind dagegen die Hinweise, dass sich diverse der Heiler nach Kräften mühen, die Angst vor Elektrosmog tief in der Bevölkerung zu verankern, um langfristig ein sicheres Einkommen mit immer neu aufkreuzenden vermeintlichen "Elektrosensiblen" zu haben. Auch andere Berufssparten rechnen sich Umsatz mit EMF-Ängstlichen aus, es gibt daher auch Hinweise auf ein organisiertes kooperatives Vorgehen von Profiteuren. Unter Medizinern sind besonders niedergelassene "Umweltärzte" auf dem Gebiet "Elektrosmog" aktiv. Die Bundesärztekammer formulierte dazu 2012 eine klaren Standpunkt:

Mit Sorge wurde die Ausübung der Umweltmedizin in Arztpraxen betrachtet, die vielfach durch dubiose Diagnoseverfahren neue Umweltprobleme und -belastungen erst generieren, z. B. die Umweltbelastung durch Arsen. Hier bedarf es einer klaren Abgrenzung zur seriösen Umweltmedizin. [...]

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Risikowahrnehmung, Psychische Krankheit, Elektrosmog, Mobilfunk, Ärzte, Umweltmedizin, Kommerzialisierung, Ärzteappelle

Leitgeb et al., 2005: Umfrage unter Allgemeinärzten

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 20:01 (vor 1651 Tagen) @ H. Lamarr

Die Arbeit von Leitgeb und Kollegen erschien 2005 in "Wiener Medizinische Wochenschrift". Bibliographische Angaben: Wien Med Wochenschr (2005) 155/9–10: 237–241. DOI 10.1007/s10354–005–0175–3

Nachfolgend die komplette (deutsche) Zusammenfassung dieser Publikation im Wortlaut:

************************************* Beginn *******************************************

Immer mehr von ihrer elektromagnetischen Überempfindlichkeit überzeugte Patienten suchen ärztliche Hilfe. Um das Vorkommen dieser Fälle und die Meinung der österreichischen Ärzte über die potentielle Gesundheitsrelevanz elektromagnetischer Felder im Alltag (Elektrosmog) zu erfassen, wurde eine statistische Untersuchung unter den Allgemeinmedizinern Österreichs durchgeführt, die zu überraschenden Ergebnissen geführt hat.

Nur ein Drittel der befragten Ärzte berichtet, niemals von Patienten über die gesundheitliche Bedeutung von Elektrosmog befragt zu werden, zwei Drittel geben an, gelegentlich oder häufig von Patienten konsultiert zu werden, die von ihrer elektromagnetischen Überempfindlichkeit überzeugt sind. Ein überwältigender Prozentsatz von bis zu 96 % schließt einen gesundheitsrelevanten Einfluss von Elektrosmog nicht aus und nur 39 % diagnostizieren niemals einen Zusammenhang zwischen Gesundheitsbeschwerden und Elektrosmog. Allerdings scheint ein großer Informationsmangel zu herrschen. Das Wissen über Elektrosmog, die bestehenden Grenzwerte und die Größe der elektromagnetischen Umgebungsfelder im Vergleich zu ihnen ist gering, und 99 % der Ärzte empfinden die Informationen über elektromagnetische Überempfindlichkeit als nicht ausreichend. Es ist bemerkenswert, dass die Behörden eine marginale Rolle bei der Information spielen. Nur 4 % der Ärzte geben an, von ihnen Informationen über Elektrosmog zu erhalten.

Es ist eher einzigartig, dass es einen derartig weit verbreiteten Widerspruch zwischen den Meinungen von Ärzten und der anerkannten nationalen und internationalen Risikobewertung gibt. Angesichts der Häufigkeit der Begegnung mit dieser Thematik zeigen die Ergebnisse einen dringenden Handlungsbedarf auf.


************************************** Ende ********************************************

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Berg-Beckhoff et al., 2009

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 20:13 (vor 1651 Tagen) @ H. Lamarr

Die Untersuchung von Berg-Beckhoff und Kollegen fand im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms statt. Der Abschlussbericht der Forschergruppe steht daher kostenlos zum Download bereit (PDF, 83 Seiten, deutsch).

Nachfolgend die Zusammenfassung des Projekts, unverändert entnommen der Website Deutsches Mobilfunk Forschungsprogramm:

************************************* Beginn *******************************************

Risiken elektromagnetischer Felder aus Sicht deutscher Allgemeinmediziner

Beginn

01.10.2007

Ende

31.12.2008

Projektleitung

Universität Bielefeld

Zielsetzung

Ziel des Vorhabens war es, anhand einer systematischen Erhebung bei Allgemeinmedizinern in Deutschland festzustellen, wie sich das Thema der elektromagnetischen Felder (EMF) in der Arztpraxis darstellt. Gerade für den Umgang mit Krankheiten oder gesundheitlichen Beschwerden spielen Allgemeinmediziner eine wichtige Rolle. Sie dienen als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Laien für die Weitergabe gesundheitsrelevanter Verhaltensempfehlungen. Im Rahmen einer Umfrage wurde untersucht, wie EMF-Risiken aus Sicht der Ärzte wahrgenommen werden, welche Meinungen bezüglich der Rolle elektromagnetischer Felder bei der Suche nach Beschwerdeursachen von Patienten existieren und welcher Informationsstand bzw. auch Informationsbedarf bei den Ärzten herrscht.

Ergebnisse

Von allen in Deutschland tätigen Allgemeinmedizinern (rund 40.000) wurde eine 7 % (N = 2.795) Zufallsstichprobe gezogen. Die Ziehung basierte auf Listen, die von den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen im Internet veröffentlicht sind. Zwei Drittel der Ärzte (N = 1.867) wurden mit einem Langfragebogen angeschrieben, der von 435 Allgemeinmediziner (Rücklaufquote 23,3 %) beantwortet wurde. Ein Drittel (N = 928) erhielt einen Kurzfragebogen, der von 456 Ärzten zurück gesandt wurde (Rücklaufquote 49,1 %).

Bei Wissensfragen zum Thema „EMF“ wurde deutlich, dass das allgemeine Wissen der Ärzte hierzu nicht sehr hoch ist. Die Ergebnisse zum subjektiven Informationsstand zeigen, dass die meisten Ärzte ihr Wissen selbst als eher schlecht einstufen (langer und kurzer Fragebogen). Obwohl die Allgemeinmediziner einerseits ein hohes Besorgnisniveau wegen EMF haben und andererseits ihr Wissen zum Thema „EMF“ nicht sehr hoch ist, kannten lediglich 13,5 % aller Befragten die Fortbildungsangebote zum Thema, 57,6 % von diesen haben diese Angebote auch wahrgenommen. Nur 7,7 % der Ärzte nutzen das Informationsangebot des BfS, obwohl über 70 % der Befragten das BfS ebenso wie die WHO als vertrauenswürdig einschätzen.

Circa zwei Drittel aller befragten Allgemeinmediziner gaben an, dass EMF als mögliche Ursache gesundheitlicher Beeinträchtigungen in ihren Patientengesprächen innerhalb des letzten Jahres vor der Befragung schon mindestens einmal zur Sprache gekommen waren. Bei den Konsultationen aus dem letzten Jahr gaben die Ärzte an, dass im Median drei Patienten im Jahr wegen EMF-Beschwerden sie konsultiert hatten. Als Quellen der Beschwerden wurden von den Patienten am häufigsten Sendemasten genannt; zweithäufigste Quelle waren die Handys.

In 72,3 % dieser Konsultationen äußerte der Patient die Vermutung eines Zusammenhangs zwischen EMF und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, in 5,8 % der Arzt selbst, und in den restlichen 21,9 % vermuteten Arzt und Patient einen Zusammenhang. In 45,8 % der Konsultationen, in denen EMF als mögliche Ursache von Gesundheitsbeschwerden genannt wurden, wurde eine Schutzmaßnahme vorgeschlagen. Von den genannten Schutzmaßnahmen wurde mit 25,2 % am häufigsten die Entfernung von elektrischen Geräten (39 Nennungen) und mit einem Anteil von 15,5 % (24 Nennungen) am zweithäufigsten ein Umzug empfohlen.

Der Abschlussbericht liegt zum Download als PDF-Datei (534 KB) vor.

Fazit

Das Phänomen der wegen EMF besorgten oder sich durch EMF beeinträchtigt fühlenden Personen ist nicht zu unterschätzen. Bei zwei Drittel der befragten Ärzte sprachen im Median 3 Patienten im Jahr wegen EMF-Beschwerden vor. Laut den jährlichen Umfragen des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (Infas, http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/risikokommunikation/risikokommunikation_abges/risiko_021.html) fühlen sich ca. 9 % der deutschen Bevölkerung durch EMF als gesundheitlich beeinträchtigt.

Ein beträchtlicher Anteil der Ärzte hat im Vergleich zu der aktuellen wissenschaftlichen Risikobewertung eine zu hohe Risikowahrnehmung bzgl. EMF. Dies kann u. a. auf die selbst geäußerte schlechte Informiertheit der Ärzte zurück zu führen sein. Es gilt, den Ärzten die aktuelle wissenschaftliche Risikobewertung zu EMF näher zu bringen, damit die Ärzte darauf bei ihrer beratenden Tätigkeit zurückgreifen können. Dies vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass die Empfehlungen der Ärzte teilweise erhebliche Konsequenzen für den Patienten haben können.

Das BfS als eine der Institutionen, in die die Ärzte laut dieser Studie ein hohes Vertrauen setzen, wird die Ergebnisse dieser Studie nutzen, um Informationsmaßnahmen gezielt und angemessen auf den Bedarf und die Bedürfnisse der Ärzteschaft auszurichten.

************************************** Ende ********************************************

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Berg-Beckhoff et al., 2014

Dr. Ratto, Freitag, 16.01.2015, 08:27 (vor 1612 Tagen) @ H. Lamarr

Die Untersuchung von Berg-Beckhoff und Kollegen fand im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms statt.

Aus dieser Untersuchung gibt es eine aktuelle Veröffentlichung vom Dezember 2014.

Int J Environ Res Public Health. 2014; 11(12):12969-82.
General Practitioners' Knowledge and Concern about Electromagnetic Fields.
Berg-Beckhoff G, Breckenkamp J, Larsen PV, Kowall B


Our aim is to explore general practitioners' (GPs') knowledge about EMF, and to assess whether different knowledge structures are related to the GPs' concern about EMF. Random samples were drawn from lists of GPs in Germany in 2008. Knowledge about EMF was assessed by seven items. A latent class analysis was conducted to identify latent structures in GPs' knowledge. Further, the GPs' concern about EMF health risk was measured using a score comprising six items. The association between GPs' concern about EMF and their knowledge was analysed using multiple linear regression. In total 435 (response rate 23.3%) GPs participated in the study. Four groups were identified by the latent class analysis: 43.1% of the GPs gave mainly correct answers; 23.7% of the GPs answered low frequency EMF questions correctly; 19.2% answered only the questions relating EMF with health risks, and 14.0% answered mostly "don't know". There was no association between GPs' latent knowledge classes or between the number of correct answers given by the GPs and their EMF concern, whereas the number of incorrect answers was associated with EMF concern. Greater EMF concern in subjects with more incorrect answers suggests paying particular attention to misconceptions regarding EMF in risk communication.

Der Volltext ist frei zugänglich.

Aus den Conclusions:

"In conclusion, less than half of the GPs (43%) were able to answer knowledge questions correctly. This may be a problem since 43% of the GPs treated at least one patient during the last year naming EMF as a potential risk factor for his or her disease. Therefore it might be suggested that an EMF related knowledge dialogue should be part of GPs’ medical professional training."

Alternativmediziner unterliegen starken Fehleinschätzungen

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.02.2015, 22:26 (vor 1591 Tagen) @ Dr. Ratto

Die Untersuchung von Berg-Beckhoff und Kollegen fand im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms statt.

Aus dieser Untersuchung gibt es eine aktuelle Veröffentlichung vom Dezember 2014.

Und schon ist die nächste Untersuchung da. Diesmal wurde eine Art Vergleichstest zwischen konventionellen Allgemeinärzten und Alternativ-/Komplementärmediziner gemacht. Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, ob und wie sich die EMF-Risikowahrnehmungen der beiden Gruppen unterscheiden. Und es kam, wie es kommen musste: Die Alternativmediziner wissen am wenigsten über EMF, zugleich haben sie die größten Bedenken. Solche Behandler können für Patienten zum Problem werden, z.B. dann, wenn sie aufgrund ihrer Wissenslücken einem Patienten leichtfertig "Elektrosensibilität" zuschreiben.

General practitioners using complementary and alternative medicine differ from general practitioners using conventional medicine in their view of the risks of electromagnetic fields: a postal survey from Germany.

Kowall B, Breckenkamp J, Berg-Beckhoff G.

OBJECTIVE: General practitioners (GPs) play a key role in consulting patients worried about health effects of electromagnetic fields (EMF). We compared GPs using conventional medicine (COM) with GPs using complementary and alternative medicine (CAM) concerning their perception of EMF risks. Moreover, we assessed whether the kind of alternative medicine has an influence on the results.

METHODS: A total of 2795 GPs drawn randomly from lists of German GPs were sent an either long or short self-administered postal questionnaire on EMF-related topics. Adjusted logistic regression models were fitted to assess the association of an education in alternative medicine with various aspects of perceiving EMF risks.

RESULTS: Concern about EMF, misconceptions about EMF, and distrust toward scientific organizations are more prevalent in CAM-GPs. CAM-GPs more often falsely believed that mobile phone use can lead to head warming of more than 1°C (odds ratio [OR] = 2.2, 95% confidence interval [CI] = 1.5-3.3), more often distrusted the Federal Office for Radiation Protection (OR = 2.2, 95% CI = 1.4-3.6), were more often concerned about mobile phone base stations (OR = 2.4, 95% CI = 1.6-3.6), more often attributed own health complaints to EMF (OR = 3.2, 95% CI = 1.8-5.6), and more often reported at least 1 EMF consultation (OR = 2.5, 95% CI = 1.6-3.9). GPs using homeopathy perceived EMF as more risky than GPs using acupuncture or naturopathic treatment.

CONCLUSION: Concern about common EMF sources is highly prevalent among German GPs. CAM-GPs perceive stronger associations between EMF and health problems than COM-GPs. There is a need for evidence-based information about EMF risks for GPs and particularly for CAM-GPs. This is the precondition that GPs can inform patients about EMF and health in line with current scientific knowledge.

Den Volltext dieser Studie gibt es leider nur gegen Gebühr.

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Alternativmedizin, Komplementärmedizin

Berg-Beckhoff: Gut lesbarer Übersichtsartikel im Ärzteblatt

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 15.04.2015, 11:43 (vor 1523 Tagen) @ H. Lamarr

Die Untersuchung von Berg-Beckhoff und Kollegen fand im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms statt.

2010 brachte die Arbeitsgruppe Berg-Beckhoff einen gut lesbaren zusammenfassenden Artikel über ihre Untersuchung in Deutsches Ärzteblatt. Hier ein Auszug:

In knapp der Hälfte der Konsultationen wegen EMF wurde eine Schutzmaßnahme oder Therapie angesprochen. Als zweithäufigste Maßnahme rieten die Ärzte zu einem Umzug. Dieses in der Konsequenz einschneidende Ergebnis deckt sich mit den Resultaten der beiden Studien aus Österreich und der Schweiz (16, 17). Es ist nicht möglich, die genauen Beweggründe eines Arztes für die Empfehlung der jeweiligen Schutzmaßnahme zu beurteilen, da hierzu Informationen fehlen. Schwer nachvollziehbar ist allerdings, warum ein Umzug in sechs Konsultationen empfohlen wurde, in denen lediglich der Patient einen Zusammenhang zwischen EMF und gesundheitlichem Risiko vermutete und der Arzt diesen Zusammenhang sogar als unplausibel einschätzte.

Es liegt der Schluss nahe, dass die ärztliche Beratung über EMF zum Teil die Patientenkarrieren stark beeinflussen kann – und sei die Empfehlung zum Umzug auch nur gegeben worden, weil der Patient nicht von der Idee der krankmachenden EMF abzubringen war. Wenn man einerseits berücksichtigt, mit wie viel Aufwand ein Umzug verbunden ist, und andererseits, wie unsicher das Wissen über das gesundheitliche Risiko durch EMF ist, zeigt sich ein immenser Bedarf für die Entwicklung und Verbreitung von Kommunikations- und Behandlungsstrategien für solche Patienten.

Leichtfertig zu einem Umzug riet auch ein Mobilfunkgegner und überzeugter "Elektrosensibler" einer Sozialhilfeempfängerin in München (Fall Semmelweis).

[image] Wie die an der Untersuchung teilnehmenden Ärzte bei Wissensfragen abschnitten zeigt die Tabelle (zum Vergrößern anklicken). Die letzten beiden Fragen wurden mehrheitlich falsch beantwortet. Der Artikel schließt deshalb mit einem Aufruf zur beruflichen Fortbildung:

Die Resultate dieser Studie zeigen, dass die Arzt-Patienten-Interaktion zum Thema EMF im Einzelfall gravierende Konsequenzen für die Patienten nach sich ziehen kann, vor allem, wenn die Patienten manchen Ratschlägen der Ärzte folgen. Dabei stimmen die Beratungen über EMF oft nicht mit dem Stand der Forschung überein. Ärzte sind für ihre Patienten eine wichtige und vertrauenswürdige Instanz, gerade auch bei dem Thema EMF und Gesundheit. Daher ist es für beide Seiten von Interesse, dass die von den Ärzten ausgesprochenen Empfehlungen beziehungsweise Therapien dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand entsprechen. Ärztliche Fortbildungen zu Studien über gesundheitlichen Risiken von EMF sind wünschenswert.

Ohne Risiko ist Fortbildung für Mediziner in EMF-Fragen allerdings nicht. Denn nicht immer bieten die Fortbildungsangebote seriöse Informationen. Fragwürdig ist z.B. in Bayern der sogenannte "Ärztliche Qualitätszirkel elektromagnetische Felder". Von der LÄK zwar anerkannt, versammeln sich in diesem Zirkel ausschließlich überzeugte Mobilfunkgegner, die gegen den wissenschaftlichen Trend argumentieren und den Eindruck erwecken, EMF sei eine existentielle Bedrohung für den Fortbestand der Menschheit. Mindestens ein Arzt und Mobilfunkgegner bietet auch regelmäßig Fortbildung mit kommerziellem Hintergrund an.

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Gruber, C: Warum viele Ärzte ihre Patienten falsch beraten

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 20:25 (vor 1651 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus dem Beitrag von Christian Gruber: Statistik-Know-how: Warum viele Ärzte ihre Patienten falsch beraten:

************************************* Beginn *******************************************

Auch mit anderen Diagnose-Markern können Ärzte offenbar wenig umgehen. Gigerenzer und sein Kollege Ulrich Hoffrage, Professor an der Schweizer Université de Lausanne, haben 48 Mediziner mit einer durchschnittlichen Berufserfahrung von 14 Jahren auf die Probe gestellt.

Die Aufgabe: Sie sollten den Haemoccult-Test einschätzen. Dieser spürt Blut im Stuhl auf, ein Hinweis auf Darmkrebs. Der Test spricht in etwa 50 Prozent der Fälle an (Sensitivität) und liefert bei 3 Prozent falsch positive Ergebnisse; 0,3 Prozent der Bevölkerung erkranken überhaupt an Darmkrebs.

Die Ärzte sollten einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für den Patienten ist, tatsächlich an Darmkrebs zu leiden, wenn der Test positiv war. "Die Antworten", so Gigerenzer, "variierten von 1 bis 99 Prozent." Die Mehrheit gab eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent an. Vier der 48 Ärzte zogen die Falsch-Positiv-Rate von der Sensitivität ab und gelangten zu einer Einschätzung von 47 Prozent. "Die tatsächliche Wahrscheinlichkeit beträgt jedoch nur 5 Prozent."

************************************** Ende ********************************************

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Darmkrebs

Freiburger Appell - unverdienter Erfolg

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 20:37 (vor 1651 Tagen) @ H. Lamarr

Der Freiburger Appell, initiiert von organisierten Umweltärzten (Igumed) gilt unter Mobilfunkgegnern - und nur dort - als großer Erfolg. Bei näherer Betrachtung dieses Ärzteappells aus dem Jahr 2002 wird deutlich: Bemerkenswert ist allein die logistische Leistung dieses Appells, seine fachliche Substanz hat einer wissenschaftlichen Prüfung in keiner Weise standgehalten:

Auszug aus dem IZgMF-Beitrag: Der Freiburger Appell: Auch in der Neuauflage ohne Substanz vom Dezember 2012:

Den Freiburger Appell aus dem Jahr 2002 sollen weltweit mehr als 1000 Ärzte unterschrieben haben. Einen “dramatischen Anstieg schwerer und chronischer Erkrankungen”, sehen die Appellanten und bringen ihn in Zusammenhang mit den elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks. Doch die Unterzeichner irrten: 2009 zeigte eine wissenschaftliche Studie, dass der angebliche Zusammenhang nur ein gefühlter ist, in Wahrheit existiert er nicht. Und auch sonst gibt es keinen vernünftigen Grund, den Appell aus der Vergessenheit zu holen. Dennoch starten jetzt sieben deutsche Ärzte einen neuen Anlauf, mit ungemildert dramatischer Begründung.

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IGUMED, Freiburger-Appell

Mobilfunk & Elektrosmog: Ärzte in der Kritik

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 21:20 (vor 1651 Tagen) @ H. Lamarr

:-) Die folgende Aufstellung verzweigt zu Strängen im IZgMF-Forum, in denen es um die Rolle von Ärzten in der Mobilfunkdebatte geht, um kommerzielle Querstreben und um die fachliche Qualifikation, wenn diese für kompetentes Mitreden wichtig ist (z.B. elementare technische Zusammenhänge des Mobilkommunikation), jedoch nicht zu den Kernkompetenzen von Medizinern gehört. Ärzte, wenn auch nur wenige, zählen hierzulande zu den aktivsten Warnern vor Mobilfunk & Elektrosmog, die meisten davon sind seit Jahren Dauerwarner, die jegliche Entwarnung seitens der Wissenschaft konsequent ignorieren, und nicht wenige stehen im begründeten Verdacht, aus materiellem oder immateriellem Gewinnstreben heraus die Bevölkerung zu ängstigen.

Da es sich bei der Aufstellung um Links zu Startpostings in einem Diskussionsforum handelt, ist für eine analytische Auswertung die Fähigkeit Voraussetzung, Substanzielles von Belanglosem treffsicher trennen zu können. Ganz ohne Mühe lässt sich dieser Schatz nicht bergen.

[Hinweis: Die Aufstellung wird ohne Ankündigung und Datumsänderung des Postings ergänzt und aktualisiert]

2015

2014

2013

2012

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2010

2009

2008

2007

2006

2005

2004

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Game over, Aerzte, Gutachten, Psychotherapeut, Mutter, Bergmann, Eger, Misserfolg, Kern, Mediziner, Funklochklinik, Germann, Haas, Heilpraktiker, Gemeinderat, Ueberblick, Unbelehrbaren, Kompetenzgefälle, Ferkeldrama, Kooperation, Kongress, Attest

Mobilfunk & Elektrosmog: Ärzte in der Kritik

Gast, Samstag, 12.09.2015, 07:47 (vor 1373 Tagen) @ H. Lamarr

[zuletzt aktualisiert: 31.05.2019]
2019

2018

2017

2016

2015

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Psiram, Appell, Checkliste, Mediziner, Hintergründe, Alternativmedizin, Klinische Umweltmedizin, Aschermann, Offene Akademie, Kommerzialisierung, Ohnsorge, EMF-Leitlinie, Mängel, Strahlungskartell, Qualifikation, Gelsenkirchen, Zais, Krout, Wessel, Aerztearbeitskreis

Maintaler Ärzteappell: schlechte Noten für Mediziner

H. Lamarr @, München, Samstag, 13.12.2014, 14:08 (vor 1645 Tagen) @ H. Lamarr

Regelmäßig versuchen Mobilfunkgegner Ärzte für ihre Interessen einzuspannen und zur Teilnahme an Petitionen, Appellen und Initiativen zu bewegen.

Wie leicht sich Ärzte instrumentalisieren lassen zeigt ein Vorfall aus dem Jahr 2004. Damals verleitete ein Biochemiker angeblich 25 Ärzte aus dem Städtchen Maintal zu einem Appell gegen die Einführung von UMTS. Der Biochemiker beeindruckte die Ärzte mit einer Studie aus dem Jahr 2000, die unter schwacher Mobilfunk-Befeldung athermische Effekte gefunden haben wollte. Dies allein genügte, um den Maintaler Ärzeappell auszulösen, der sich auch heute noch auf vielen Anti-Mobilfunk-Webseiten finden lässt. Schlimm ist das deshalb, weil die alles entscheidende Studie 2006 von den Autoren zurückgezogen und dem Maintaler Ärtzeappell damit jegliche Grundlage entzogen wurde.

Leider hielten es weder der Biochemiker noch die 25 Ärzte noch die Anti-Mobilfunk-Websites, die den Appell verbreitet haben in den vergangenen acht Jahren für nötig, in irgendeiner Weise darauf hinzuweisen, dass der Maintaler Ärtzeappell das Ergebnis eines eingeräumten wissenschaftlichen Irrtums ist. Dies kann als Indiz für den wahren Aufklärungswillen aller Beteiligten gewertet werden.

Die Belege und Links zu obigen Ausführungen finden sich hier.

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Retraktion, Aerzteappell

Ärzte & Mobilfunk: was von den Ärzteappellen blieb

H. Lamarr @, München, Montag, 15.12.2014, 10:15 (vor 1644 Tagen) @ H. Lamarr

Mit dem neuen Freiburger Appell von 2012 wollte es die Anti-Mobilfunk-Szene noch einmal wissen und an die Hochzeit der Elektrosmog-Ärzeappelle von 2003 bis 2005 anknüpfen.

Wir haben vor rund 1 Jahr nachgeschaut, ob die alten Recken von damals sich auch beim neuen Freiburger Appell die Klinke in die Hand drückten. Das Ergebnis ist erwartungsgemäß ernüchternd. Eilig hatte es keiner der Ex-Teilnehmer. Da die Initiatoren des neuen Freiburger Appells keine aktuelle Liste der Unterzeichner ins Netz gestellt haben, sondern Ende 2014 noch immer den Stand März 2013 präsentieren (was aufschlussreich ist), lässt sich nicht ausschließen, dass einige Nachzügler den neuen Appell doch noch unterzeichnet haben. Erfahrungsgemäß ist es jedoch häufig so: wer einmal in engeren Kontakt mit der Anti-Mobilfunk-Szene geraten ist und keine geschäftlichen Interessen im Sinn hat, sondern das Gemeinwohl, der meidet künftig jeden Kontakt.

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Appell, Freiburger-Appell, Gleichschaltungsmanipulation

Arzt erkennt in Theologen Mobilfunk-Experten

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.12.2014, 15:27 (vor 1639 Tagen) @ H. Lamarr

Einer von mehreren Kommentaren auf dieser Seite:

Ein Kommentar von Dr. med. Markus Kern / 26.02.2014
Herr Schall ist ein durchaus bekannter Kritiker von Mobilfunkkritikern (im Netz gibt er sich den Namen „Spatenpauli“). Wenn er Herrn Prof. Dr. Thiede hier als „Angstschürer zu tadeln“ wagt, dann beweist er damit nur, wie wenig er die rationale Argumentation des Theologen und Ethikers zu würdigen weiß, auf die er ja auch mit keiner Silbe eingeht. Schalls vollmundiger Satz „Nahezu alles deutet derzeit darauf hin, dass Mobilfunk keine biologisch unerwünschten Nebenwirkungen hat…“ wird eindrucksvoll widerlegt durch Thiedes ein Jahr nach diesem Aufsatz erschienes Buch „Mythos Mobilfunk. Kritik der strahlenden Vernunft" (München 2012). Hier geht es keineswegs um irrationale Ängste, sondern um rationale Befürchtungen, die sehr wohl begründet sind. Der „Internationale Ärzteappell“ (2012) dokumentiert, dass viele industrieunabhängige Ärzte und Wissenschaftler diese Technik als gesundheitsschädigend einstufen. Als Arzt bin ich für die klugen, mit zahlreichen Fußnoten untermauerten Ausführungen von Professor Thiede – übrigens auch in seinem neuesten Buch „Die digitalisierte Freiheit. Morgenröte einer technokratischen Ersatzreligion“ (2013) – sehr dankbar. Und ich wünsche mir entsprechende Aufmerksamkeit für das gern tabuisierte Thema unter Pfarrerinnen und Pfarrern.

Kommentar: Die Wertmaßstäbe des Dr. Kern, wer in der Mobilfunkdebatte fachlich qualifiziert ist, weisen meiner Einschätzung nach eine beträchtliche Verzerrung auf. Vielleicht sollte man dazu noch anmerken, dass Dr. Kern ein seit vielen Jahren überzeugter Mobilfunkgegner ist, der hier im Forum viele Spuren hinterlassen hat. Ein Höhepunkt seines Wirkens war ein Aufruf, den er gemeinsam mit seinen Mitstreiterinnen Dr. med. C. Waldmann-Selsam und Dr. med. C. Aschermann am 12. Februar 2009 verfasste:

An den Präsidenten der USA
The White House
1600 Pennsylvania Avenue NW
Washington, DC 20500
Fax: 001 202-456-2461

An die Bürger der USA
An die Mitglieder des Repräsentantenhauses
An die Mitglieder des Senates

Warnung vor Gesundheitsschäden durch Inbetriebnahme Digitaler Fernsehsender (DVB-T)

Sehr geehrter Herr Präsident Obama,
sehr geehrte Mitlieder des Repräsentantenhauses,
sehr geehrte Mitglieder des Senates,
sehr geehrte Bürger in USA,

am 17.02.09 soll in USA das digitale Fernsehen in Betrieb genommen werden. Wir wenden
uns heute an Sie, weil wir Sie vor den erheblichen, negativen Auswirkungen auf die
Gesundheit, wie sie bei uns in Deutschland aufgetreten sind, bewahren wollen.

Um die Autoren dieses Aufrufs, der jahrelang im Netz stand, nicht gänzlich bloß zu stellen, sehe ich davon ab, den restlichen Text hier einzustellen. Aus meiner Sicht genügt das obige Fragment, um deutlich zu machen, welch grandioser Fehleinschätzung die Autoren des Aufrufs in ihrer Außenwirkung auf andere und in ihrer Wertung einer Technik, die sie nicht verstehen, unterliegen.

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Appell, Ko-Ini, Kempten, Kern, Mediziner, Obama, Thiede, Kompetenzgefälle, unabhängige Wissenschaft

Ärzte & Mobilfunktarife: Sonderkonditionen für Ärzte

Gast, Dienstag, 10.02.2015, 11:46 (vor 1587 Tagen) @ H. Lamarr

Regelmäßig versuchen Mobilfunkgegner Ärzte für ihre Interessen einzuspannen und zur Teilnahme an Petitionen, Appellen und Initiativen zu bewegen.

Mobilfunk: Teilweise attraktive Sonderkonditionen für Ärzte bei Vodafone und O2.

Ärzte und Mobilfunk: zwei Stimmen aus Oberammergau

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 04.06.2015, 12:56 (vor 1473 Tagen) @ H. Lamarr

In Oberammergau gab es 2006 eine Massenhysterie wegen der Umrüstung eines einzigen Mobilfunk-Sendemasten von GSM auf "Edge". Seinerzeit war auch der Byerische Rundfunk mit seiner Sendung "Bürgerforum" vor Ort. Zwei Ärzte meldeten sich zu Wort, ein Allgemeinarzt (Minute 11:47) und ein Orthopäde (Minute 13:10). Ist der Allgemeinarzt noch zurückhaltend mit kühnen Interpretationen, zeigt sich bei dem Orthopäden eine unangemessene Selbstgewissheit. Möglicher Grund der Befangenheit: Der Orthopäde bescheinigte zuvor schon der ortsansässigen Extrem-Elektrosensiblen Suzanne S. in einem mehr leidenschaftlichen als fachkundigen Attest "Elektrosensibilität".

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Ärzte und Mobilfunk: ein Orthopäde weiß Bescheid

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 04.06.2015, 13:38 (vor 1473 Tagen) @ H. Lamarr

... zeigt sich bei dem Orthopäden eine unangemessene Selbstgewissheit.

Der Orthopäde griff für seine Stellungnahme bezüglich der Wirkung modulierter Hochfrequenz auf Wikipedia zurück, dort war auf der inzwischen vielfach aktualisierten Seite "Elektrosmog" über die SSK-Ausführungen in Band 24 nachzulesen:

Über spezielle Effekte die nicht auf der Erwärmung beruhen wird in der Literatur seit ungefähr 15 Jahren berichtet. Wenn eine Hochfrequenzstrahlung mit einer anderen Frequenz amplitudenmoduliert ist können Feldwirkungen auftreten welche bei unmodulierter Strahlung nicht existieren. Es handelt sich meistens um Veränderungen der Permeabilität von Zellmembranen. Beispielsweise wurde festgestellt daß bei einer HF-Strahlung mit einer Frequenz von 147 MHz die mit Frequenzen zwischen 6 und 20 Hertz moduliert war der Kalziumausstrom aus Zellkulturen bei bestimmten Frequenzen signifikant (um 10 bis 20%) erhöht war. Insgesamt wurde eine komplexe Abhängigkeit dieser Effekte von Intensität und Frequenz beobachtet wobei spezielle Frequenzbereiche besonders wirksam sind. Die Membraneffekte wurden vielfach bestätigt so daß ihre Existenz heute als gesichert gilt. Hervorzuheben ist daß die SAR-Werte hierbei teilweise kleiner als 0 01 W/kg sind und damit erheblich unterhalb thermisch relevanter Intensitäten liegen. (Quelle)

Heute zeigt Wikipedia diese Textpassage nicht mehr an. Aus gutem Grund.

Der Orthopäde berief sich in der TV-Sendung vom 14. Februar 2007 auf den Kenntnisstand der SSK von 1992 - weil ihm dieser gut ins Konzept passte.

Dabei war die SSK zwischenzeitlich schon viel weiter, wie die Wissenschaftlerin Dr. Giulia Ratto (Pseundonym) 2010 fürs IZgMF dokumentierte:

Infolge der unterschiedlichen Wirkmechanismen dürften HF und NF nicht dieselbe Wirkung haben. Da aber in den 70er und 80er Jahren die Ergebnisse aus zwei unabhängigen Arbeitsgruppen kamen, hielt die SSK sie 1992 für gesichert und es wurde weiter geforscht, um die Mechanismen herauszufinden. Vermutet wurden direkte Einflüsse auf Membranproteine, die u.a. für den Ionentransport durch die Zellmembran verantwortlich sind. Einige dieser Proteine sind extrem temperaturempfindlich, eine Trennung thermischer und nicht-thermischer Effekte wird dadurch besonders schwierig. In späteren Arbeiten wurden die o.g. Ergebnisse nicht bestätigt, wobei häufig unterschiedliche Methoden und biologische Systeme benutzt wurden. Aus diesem Grund sah die Strahlenschutzkommission 2001 einen EMF-Einfluss auf den Kalziumhaushalt weder bestätigt noch widerlegt.

Damit steht fest: Der Orthopäde argumentierte 2007 mit veraltetem Kenntnisstand, den er auf Wikipedia gefunden hatte.

Ich halte es für unseriös, sich mit selektiv zusammengegoolten Kenntnissplittern aus einem fremden Fachgebiet zum Fachmann zu erklären und vor die Kamera zu treten. Anscheinend ist dem Orthopäden nicht bewusst gewesen, welchen Schaden er mit seinem unqualifizierten Auftritt bei labilen Menschen anrichten kann, die für irgendwelche Befindlichkeitsstörungen händeringend auf der Suche nach einem Verursacher sind. Derart künstlich erzeugte "Elektrosensible" entziehen sich wegen der in der Szene intensiv betriebenen Stigmatisierung jeglicher psychotherapeutischen Behandlung weitgehend einer ärztlich angemessenen Hilfe. Gut zu erkennen ist dies z.B. daran, dass die überzeugte Elektrosensible Suzanne S. sich ihre "Elektrosensibilität" wahllos ausgerechnet von einem Orthopäden bescheinigen lässt.

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Eine Zahnärztin über Zahnmetalle und Funkeinwirkung

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.06.2015, 13:04 (vor 1458 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn Zahnärzte in jungen Jahren beim Physikunterricht nicht aufgepasst haben, kann dies später zu falschen Schlüssen und unzutreffenden Diagnosen führen. Richtig schlimm wird es, wenn das Unwissen auch noch öffentlich dokumentiert wird, nicht in Fachzeitschriften, dort würde fachkundiger Protest wahrscheinlich nicht lange auf sich warten lassen, sondern in Publikumszeitschriften. Nachfolgend ein Beispiel, publiziert in der Zeitschrift Schrot & Korn, das zeigt, wie laienhaft eine niedergelassene Zahnärztin sich die Wirkung von Zahnmetall unter Funkimmission vorstellt:

Ein Patient mit jeweils fünf Implantaten (künstlichen Zahnwurzeln aus Titan) auf beiden Seiten des Oberkiefers bemerkte eine zunehmende Pickel- und Pustelbildung auf der rechten Wange in Form eines abgegrenzten etwa fünf Zentimeter breiten Streifens. Weder sein Haus- noch der Hautarzt wußten Rat. Auch rein zahnmedizinisch war keine Ursache für diese Veränderungen festzustellen. Auf gezieltes Befragen erzählte der Mann, daß er als vielreisender Geschäftsmann fast ständig im Auto mit seinem Handy am rechten Ohr telefonierte. Da der Verdacht bestand, daß die Implantate ähnlich einer Antenne die Funkwellen seines Handys verstärken könnten und sich dies vielleicht als Hautreaktion bemerkbar mache, ließ der Patient sofort eine Freisprechanlage in sein Auto installieren und reduzierte seine Funktelefonate auf das allernotwendigste. Schon nach kurzer Zeit verschwanden die Hautentzündungen und traten nicht mehr auf.

Seit 17 Jahren nun wird dieser Unsinn verbreitet. Würden Zahnmetalle tatsächlich auftreffende Funkwellen verstärken, der Zahnärztin wäre für ihre Entdeckung der Nobelpreis in Physik sicher.

Aus meiner Sicht gibt es für den Hautausschlag einen plausibleren Grund, als die pseudowissenschaftlich begründete EMF-These der Zahnärztin. Autofahren mit dem Handy am Ohr ist bekanntlich verboten. Der Geschäftsmann musste daher bei seinen verantwortungslosen Fahrten ordentlich geschwitzt haben. Das Handy mit der bakteriell verseuchten Tastatur an der Backe (1998 waren die Geräte noch größer) verhinderte zudem ein Verdunsten des Schweißes. Klar, dass den Mann eine Freisprecheinrichtung erlöst hat. Freilich nicht wegen des Verdachts der Zahnärztin, sondern weil die unappetitliche lauwarme Bakterienbrühe an der Backe verhindert wurde.

Der Vorwurf an die Zahnärztin ist nicht, dass sie von Funkwellenausbreitung keine Ahnung hat, denn wer weiß schon alles. Nein, der Vorwurf ist, dass sie mit ihrer dilettantisch zusammengebastelten Erklärung in die Öffentlichkeit geht und dort eine Falschinformation verbreitet, die bei Laien unbegründetes Unbehagen über angebliche Risiken von Funkwellen auslöst. Wenn Umfragen dann feststellen, dass sich 30 Prozent der Bundesbürger von Funk bedroht sehen, dann hat auch die Zahnärztin mit ihrer Patientenepisode und der unqualifizierten Schlussfolgerung ihren Anteil daran.

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Ärzte und Mobilfunk: Online-Fortbildung durch IZMF

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 28.10.2015, 13:01 (vor 1327 Tagen) @ H. Lamarr

Ergänzend zu den Präsenzfortbildungen bietet das IZMF für Mediziner und Personen aus medizinnahen Berufsgruppen auch eine strukturierte interaktive Online-Fortbildung zum Thema "Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient" an.

Die Lernmodule sind von unabhängigen Experten erstellt und von der Ärztekammer Berlin für die Vergabe von 2 CME-Punkten zertifiziert. Um Fortbildungspunkte zu erhalten, muss die Lernerfolgskontrolle bis zum 31.12.2015 online durchgeführt werden.

Die Online-Fortbildung vermittelt umweltmedizinisches Fachwissen zum diagnostischen und therapeutischen Umgang mit Gesundheitsbeschwerden, die hochfrequenten elektromagnetischen Feldern (EMF) zugeschrieben werden. Sie informiert über physikalische Grundlagen und Wirkungen elektromagnetischer Felder, fasst den Stand der wissenschaftlichen Forschung über die gesundheitlichen Auswirkungen von EMF zusammen und behandelt die Arzt-Patienten-Kommunikation.

Die Fortbildungsmodule können von jedem Interessierten frei genutzt werden. Für die Lernerfolgskontrolle ist die Eingabe personenbezogener Daten erforderlich, damit eine Teilnahmebescheinigung ausgestellt werden kann. Durch die Eingabe der Einheitlichen Fortbildungsnummer (EFN) werden Ihnen automatisch Fortbildungspunkte auf Ihr freiwilliges Fortbildungszertifikat angerechnet.

Fortbildung öffnen (PDF)

Lernerfolgskontrolle starten

Anhang
Fragen der Lernerfolgskontrolle herunterladen (PDF)

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Ärzte und Mobilfunk: Mythen, die selbst Ärzte glauben

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 29.10.2015, 21:07 (vor 1325 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus Spon:

Das medizinische Fachblatt "British Medical Journal" veröffentlichte vor einigen Jahren eine Studie über Legenden und medizinische Mythen, die seit Jahrzehnten sogar von Ärzten geglaubt werden. "Was uns darauf brachte", zitiert "LiveScience"-Studienleiter und Autor Aaron Carroll von der medizinischen Fakultät der Indiana University, "war, dass Ärzte diese Mythen akzeptierten und an ihre Patienten weitergaben. Und diese Legenden werden auch in den populären Medien immer wieder zitiert." Mit seiner Co-Autorin Rachel Vreeman trug er sieben der hartnäckigsten Legenden zusammen - und dokumentierte stichhaltige Quellen, die sie entkräften. Die Liste liest sich wie ein Kompendium des irregeleiteten medizinischen Alltagswissens.

6. Mythos: Handys sind ein Risiko in Krankenhäusern

Die Debatte um die angebliche Schädlichkeit von Elektrosmog durch Handys ist keine von der sachlichen Sorte: Die gegnerischen Parteien befehden sich mitunter mit quasi-religiösem Eifer.

In Bezug auf den Handy-Einsatz in Krankenhäusern kursieren geradezu horrende Legenden: Das reicht von Interferenzen mit medizinischen Monitor-Geräten bis hin zum Herzstillstand durch Schrittmacherausfall. Handy-Skeptiker rufen darum regelmäßig nach einem generellen Verbot in Krankenhäusern.

Dafür aber scheint es keinen Grund zu geben: Beweise oder dokumentierte Fälle von Schäden durch Handys in Hospitälern gibt es nicht - und zwar nirgendwo. Auch Geschichten über kleinere Störfälle, die sich beispielsweise über die Medien verbreiten, fanden Vreeman und Carroll "anekdotisch" und nicht zu belegen. Nachgewiesen in mehreren Studien zum Thema sei allenfalls ein Störpotential, das sich auch experimentell nachweisen ließe: Allerdings nur, wenn man diese Störung aus extrem kurzem Abstand gezielt verursache.

Positive Effekte des Handy-Einsatzes in Hospitälern ließen sich dagegen leicht nachweisen; durch die verbesserte Kommunikation ließen sich Reaktionszeiten verkürzen, würden weniger Fehler gemacht.

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Legende, Mythen, Medizin

Quacksalber tagten an der TU München

H. Lamarr @, München, Samstag, 31.10.2015, 21:55 (vor 1323 Tagen) @ H. Lamarr

Das Esoterikblatt "Raum & Zeit", eines der Leitmedien in der Anti-Mobilfunk-Szene, kündigte an:

Weltkongress der Ganzheitsmedizin
vom 09.-11. Oktober 2015 in der TU München

Organisiert von INFOMED Institut für Ganzheitsmedizin e.V. in der Technischen Universität München mit Vorträgen, Workshops, Praxis-Seminaren, Demonstrationen, Ausstellung und Open Healer Forum mit Heilern, Schamanen, Therapeuten & Wissenschaftlern aus aller Welt.

raum&zeit ist Medienpartner der Veranstaltung und wird wieder als Aussteller vor Ort sein.

Der Spiegel berichtete am 28. Oktober (Auszug):

Die TU München setzt ihren guten Ruf aufs Spiel: Drei Tage fand dort eine Tagung mit Wunderheilern, Schamanen und Esoterikern statt. Sie behaupten, Malaria mit Zahlen heilen zu können, empfehlen Chlorbleiche als Medizin. Warum lässt die Uni das zu?

Die Süddeutsche fasste nach am 29. Oktober (Auszug):

Nun meldet sich TU-Präsident Wolfgang Herrmann zu Wort: "Diese Quacksalber lasse ich nicht mehr rein. Wenn sie sich noch mal unseren Räumen nähern, kriegen sie Hausverbot", sagte er am Donnerstag der SZ. Er sei "stinksauer", dass das Ganze in der TU stattgefunden habe. Offenbar habe die Uni-Verwaltung den Charakter der Veranstaltung nicht erfasst. Er verweist aber auch darauf, dass der "Weltkongress" über viele Jahre in der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) stattgefunden habe.

Eine LMU-Sprecherin bestätigt das. Noch im Februar richtete Infomed eine kleinere Veranstaltung in Räumen der Medizin-Fakultät aus. Die Zentrale stimme sich vor einer Vermietung stets mit der betroffenen Fakultät ab, erklärt die Sprecherin. Offenbar hatten die LMU-Mediziner lange keine Bedenken. Inzwischen aber habe die Fakultät sich gegen Infomed-Veranstaltungen ausgesprochen, sagt die Sprecherin. Deshalb werde an den Verein nicht mehr vermietet.

Kommentar: Wenn Mediziner an der LMU lange keinen Anstoß daran nahmen, dass sich Quacksalber an der Universität einnisten konnten, um Pseudowissenschaft im Mantel der Wissenschaft präsentieren zu können, dann sind ein paar irregeleitete Hausärzte hier und dort, vernarrt in die Parole "Mobilfunk macht krank", aus meiner Sicht das kleinere Übel.

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Psiram, Raum-und-Zeit, München, Quacksalber, Ganzheitsmedizin

Deutscher Ärzteappell an die "Bürger in USA"

H. Lamarr @, München, Freitag, 06.11.2015, 13:13 (vor 1318 Tagen) @ H. Lamarr

Drei deutsche Ärzte (ein Psychotherapeut, eine Allgemeinärztin und eine Nervenärztin) unterliegen einer bizarren Selbstüberschätzung ihres Einflusses auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Das ist schon schlimm genug. Schlimmer noch ist mMn, diese drei Ärzte stellen ihren unsäglichen Brief an Barack Obama seit Jahren auch noch öffentlich zur Schau. Zur Selbstüberschätzung kommt eine gravierende Wahrnehmungsverzerrung in der Einschätzung der eigenen Außenwirkung hinzu. Zwei typische Eigenschaften, die bei Frontleuten der Anti-Mobilfunk-Szene bedrückend häufig zu beobachten sind.

Und los geht's: Bitte anschnallen, mit den folgenden Zeilen (Original-Wortlaut) beginnt der Brief, den es in voller Länge auf einer Webseite der Verfasser zu lesen gibt:

Deutsche Ärzte warnen in einem Offenen Brief vor der Einführung von DVB-T in den USA

Warning Against Adverse Health Effects from the Operation of Digital Broadcast Television Stations (DVB-T)

17.02.2009

Sehr geehrter Herr Präsident Obama,

sehr geehrte Mitlieder des Repräsentantenhauses,
sehr geehrte Mitglieder des Senates,
sehr geehrte Bürger in USA,

am 17.02.09 soll in USA das digitale Fernsehen in Betrieb genommen werden. Wir wenden uns heute an Sie, weil wir Sie vor den erheblichen, negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, wie sie bei uns in Deutschland aufgetreten sind, bewahren wollen.
[...]

Hintergrund
Dear Mr. President

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Selbstüberschätzung, Peinlich, Waldmann-Selsam, Brief, Kern, Mediziner, Aschermann, Obama

Statistiken: Wie leicht Ärzte falsche Schlüsse ziehen

H. Lamarr @, München, Samstag, 21.11.2015, 22:48 (vor 1302 Tagen) @ H. Lamarr

Und C. Gruber schreibt in seinem Spiegel-Artikel:

Viele Mediziner sind nicht in der Lage, Statistiken richtig zu lesen. Berliner Wissenschaftler fordern deshalb eine verbesserte Ausbildung von Ärzten. Problematisch wird das fehlende Know-how bei der Beratung von Patienten. Denn falsche Auskünfte haben manchmal dramatische Folgen.

Diese Schwäche von Ärzten, sich von Statistiken leicht verwirren zu lassen, nutzt nicht nur z.B. die Pharmaindustrie, um ihre Interessen durchzusetzen, auch in Vereinen organisierte Mobilfunkgegner, darunter Mediziner, versuchen mit wuchtig vorgetragenen vermeintlich überzeugenden Auftritten, Ärzte (und Laien) zu überrumpeln. Beliebtester Trick: Vortragen gefilterter Informationen, die im Kopf des Lesers/Zuhörers ein Zerrbild der Realität entstehen lassen.

Wie leicht sich Ärzte täuschen, wenn ihnen intransparente Informationen zugespielt werden, haben 2011 Dr. rer. nat. Odette Wegwarth und Prof. Dr. phil. Gerd Gigerenzer in ihrem Beitrag Risiken und Unsicherheiten richtig verstehen lernen (PDF, 5 Seiten) in Deutsches Ärzteblatt an vielen konkreten Beispielen dargelegt. Hier eines davon:

In einer verdeckten Studie ließ sich ein 60-jähriger Mann (selbst Arzt) von 20 zufällig ausgesuchten Urologen in Berlin über den PSA-Test beraten. Von den 20 befragten Urologen konnten lediglich zwei relevante Informationen zum Nutzen und Schaden vermitteln, vier weitere kannten einen Teil der Informationen. Eine Mehrheit von 14 Urologen erfüllte die Mindestanforderungen der Leitlinien ihrer Fachgesellschaft nicht: Sie behaupteten fälschlicherweise, dass die lebensverlängernde Wirkung der PSA-Testung wissenschaftlich bestätigt sei, und waren sich keinerlei Nachteile bewusst.

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Klinische Umweltmedizin: Pro & Kontra

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 30.12.2015, 19:16 (vor 1263 Tagen) @ H. Lamarr

Kontra
Das Deutsche Ärzteblatt publizierte 2008 eine Studie von Herr et al., die mit folgendem Fazit endet:

Potenzielle gesundheitsrelevante Umweltrisiken, die auf physikalische, chemische und biologische Schadstoffquellen in den verschiedenen Umweltmedien und alltäglichen Lebensumwelten zurückgehen, konfrontieren sowohl den klinisch tätigen Umweltmediziner als auch den niedergelassenen Allgemeinmediziner. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für eine wachsende Zahl von Ratsuchenden mit zumeist unspezifischen physischen, psychischen und/oder psychosozialen Beschwerden und Symptomen, die allerdings nur in den seltensten Fällen unmittelbar mit klar identifizierbaren und benennbaren Umweltfaktoren in Verbindung zu bringen sind. Angesichts der damit verbundenen Unsicherheiten, sind grundsätzlich folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Die Identifizierung einer relevanten Exposition gelingt nur bei maximal 15 % der Patienten mit dem Verdacht auf umweltbezogene Beschwerden.
  • Bei 40 % bis 75 % der Patienten mit umweltbezogenen Beschwerden können Somatisierungsstörungen diagnostiziert werden.
  • Das Human-Biomonitoring und die Ortsbegehung mit Umweltmonitoring sind durch ausgewiesene Experten durchzuführen.
  • Genetische oder immunologische Tests haben bisher keinen hinreichenden Nutzen in der klinischen Umweltmedizin.
  • Im Gegensatz zu gesundheitlich relevanten Umweltbelastungen durch spezifische Substanzen sind umweltmedizinische Syndrome wie das Sick-Building-Syndrom (SBS) oder die multiple Chemikaliensensitivität (MCS) nach wie vor wissenschaftlich umstritten.

Den Volltext der Arbeit gibt es <hier>.

Pro
Einige praktizierende Umweltmediziner waren von dem Artikel im Ärzteblatt, der an Ihrem Geschäftsmodell kratzt, aus naheliegenden Gründen wenig begeistert. Sie nutzten die Verbandszeitschrift UMG, um mit sechs individuellen Stellungnahmen ihre Sicht der Dinge darzulegen. Den Volltext dieser Entgegnung mit dem Titel "Die Umweltmedizin ist tot. Lang lebe die Umweltmedizin!" gibt es <hier>.

Die Entgegnung ist doppelt so lang wie die Studie und wäre deshalb presserechtlich als Gegendarstellung nicht zulässig gewesen. Der opulente Umfang zeigt, wie wichtig es den entgegnenden Ärzten ist, ihre Stimme zu erheben. Die Qualität einer Entgegnung ist freilich in aller Regel umgekehrt proportional zur Quantität der aufgebrachten Textmenge, sich kurz zu fassen ist erheblich schwieriger und zeitaufwendiger, als sich unkontrolliert zu entfalten. Die Mühe, die eingeholten sechs Stellungnahmen zu einer einzigen zu konsolidieren, wäre mMn ein Zeichen des Respekts gegenüber den Lesern gewesen, die an guten exklusiven Argumenten mehr interessiert sind als an der Selbstinszenierung diverser Autoren.

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Ärztefortbildung: Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient

Gast, Mittwoch, 20.07.2016, 09:11 (vor 1061 Tagen) @ H. Lamarr

Das Forum Mobilkommunikation (FMK), Österreich, teilt am 19. Juli 2016 mit:

Zertifiziertes Fortbildungsmodul bringt zwei DFP-Punkte für Ärzte

Wien (OTS) - Seit heute ist das vom FMK beauftragte Ärzte-Fortbildungsmodul zum Thema Mobilfunk und Gesundheit abrufbar und unterstützt Ärzte, die sich spezifischen Patienten-Fragen rund um den Mobilfunk konfrontiert sehen. Denn noch immer ist die Sorge in der Bevölkerung, dass Mobilfunk Gesundheitsschäden hervorrufen könnte, hoch. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn sinnlose „Warnungen“ vor nicht vorhandenen Gefahren des Mobilfunks verunsichern schlecht informierte Bürger, die – im schlimmsten Fall und glücklicherweise nur vereinzelt – reale Symptome wie Schlafstörungen entwickeln und dies auf „Elektrosmog“ zurückführen.

WHO: Ursache für Elektrohypersensibilität ist Angst

Tatsächlich bezeichnet aber auch die Weltgesundheitsorganisation WHO das Phänomen der so genannten Elektrohypersensibilität (EHS) im Factsheet Nr. 296 als eine Erscheinung, die nicht durch Mobilfunkstrahlung, sondern durch die unbegründete Angst davor zu unspezifischen Symptomen führen kann. Um Ärzte im Umgang mit diesen Patienten zu unterstützen, hat die WHO sogar entsprechende Handlungsempfehlungen formuliert.

Basiswissen zum Thema Mobilfunk & Gesundheit online verfügbar

http://www.ots.at/redirect/Mobilfunk

Zusätzlich zum WHO-Factsheet 296 liefert das Ärztefortbildungsprogramm „Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient“ vertiefendes Wissen. Das ursprünglich von der Ärztekammer Berlin zertifizierte Modul wurde nun vom FMK übernommen und in dessen Auftrag von der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin aktualisiert. Ziel ist es, die von Patienten als Elektrohypersensibilität interpretierten Beschwerden und Ängste von Ärzten im Gesamtkontext der individuellen Umweltfaktoren einzuordnen und geeignete diagnostische und therapeutische Maßnahmen veranlassen zu können.

Für jedermann ohne Registrierung abrufbar

Die Module können frei und kostenlos von jedermann online ohne Registrierung unter dem oben genannten Link abgerufen werden. Die Eingabe personenbezogener Daten ist lediglich für die Ausstellung der Teilnahmebescheinigung von ÄrztInnen zur Sicherung der DFP-Fortbildungspunkte erforderlich.

Im Detail

Fortbildungsziele: Vermittlung von Basiswissen zur Risikobewertung hochfrequenter elektromagnetischer Felder (HF) des Mobilfunks im Rahmen umweltmedizinisch relevanter Gesundheitsstörungen. Der Arzt soll in der Lage sein, die von Patienten als „Elektrosensibilität“ interpretierten Beschwerden und Ängste im Gesamtkontext der individuellen Umweltfaktoren einzuordnen und geeignete diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu veranlassen.

Zielgruppe: fachübergreifend
Leiterin: Prof. Dr. med. Caroline Herr
Referenten: Prof. Dr. med. Thomas Eikmann, Prof. Dr. med. Caroline Herr, Dr. rer. nat. Matthias Otto.
Lecture Board: Prof. Dr. Juergen Kiefer, Prof. Dr. Alexander Lerchl.

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Fact-Sheet 296, Fortbildung, Aerztetagung, Wien, Fortbildungspunkte, Mediziner, Kiefer, Lerchl, Eickmann, FMK, Herr, Otto

Ärztefortbildung: Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient

KlaKla, Mittwoch, 20.07.2016, 09:25 (vor 1061 Tagen) @ Gast

Ist geplant so eine Veranstaltung auch in Deutschland abzuhalten?

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Meine Meinungsäußerung

Ärztefortbildung: Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 20.07.2016, 09:28 (vor 1061 Tagen) @ KlaKla

Ist geplant so eine Veranstaltung auch in Deutschland abzuhalten?

Andersrum, die "Veranstaltung" kommt ursprünglich aus Deutschland:

"... Das ursprünglich von der Ärztekammer Berlin zertifizierte Modul wurde nun vom FMK übernommen"

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Ärztefortbildung: Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient

KlaKla, Mittwoch, 20.07.2016, 09:34 (vor 1061 Tagen) @ H. Lamarr

Ist geplant so eine Veranstaltung auch in Deutschland abzuhalten?

Andersrum, die "Veranstaltung" kommt ursprünglich aus Deutschland:

"... Das ursprünglich von der Ärztekammer Berlin zertifizierte Modul wurde nun vom FMK übernommen"

Meinst du das hier ...?

Ich gehe mal davon aus, dass sich keiner der amtierenden medizinischen Aktivisten daran beteiligte. Sie bleiben gern unter sich (Seifenblase), wo ihnen keine Widerspruch entgegen gebracht wird.

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Meine Meinungsäußerung

Elektrosmog: Fachauskünfte jetzt auch mit App abrufen

Gast, Freitag, 09.09.2016, 09:38 (vor 1010 Tagen) @ H. Lamarr

[image]Österreich: ÄrztInnen müssen nach dem Ärztegesetz in einem Fortbildungszeitraum von fünf Jahren mindestens 250 Punkte im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programmes, kurz „DFP“, erlangen. Das vom FMK beauftragte Ärzte-Fortbildungsmodul „Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient“ ist mit zwei DFP-Punkten zertifiziert ab sofort in DF mobil verfügbar. mehr ...

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Pharmazahlungen: Österreichs Ärzte undurchsichtig

Gast, Donnerstag, 01.12.2016, 12:23 (vor 927 Tagen) @ H. Lamarr

Pharmafirmen haben im vergangenen Jahr mehr als 106 Millionen Euro an Österreichs Ärzte, Apotheker und andere Fachleute des Gesundheitswesens bezahlt. Honorare für Vorträge, Spesen für Fortbildungen: Auch in Österreich erhalten viele Mediziner Gelder von der Pharmaindustrie. Allerdings ist dort kaum ein Arzt zu Transparenz bereit. mehr ...

Niederlande: Umfrage nach EHS unter Medizinern

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 15.12.2016, 23:11 (vor 912 Tagen) @ H. Lamarr

Vom 2. Dezember 2016 datiert das Paper über eine Umfrage in den Niederlanden, wie häufig dort Mediziner und Arbeitsmediziner mit "Elektrosensibilität" (EHS) konfrontiert worden sind.

Electromagnetic hypersensitivity (EHS) in occupational and primary health care: A nation-wide survey among general practitioners, occupational physicians and hygienists in the Netherlands.

Abstract

Subjects who attribute health complaints to every day levels of non-ionizing electromagnetic fields (EMF) have been referred to as electrohypersensitive (EHS). Previous surveys in Europe showed that 68-75% of general practitioners had ever been consulted on EHS. Given the lack of data on EHS in the Netherlands in the general population and on EHS in occupational settings, we performed a national survey among three professional groups that are likely in the first line of being consulted by EHS individuals. Results show that about one third of occupational hygienists, occupational physicians and general practitioners had ever been consulted by one or more EHS subjects. Many of these professionals considered a causal relationship between EMF and health complaints to some degree plausible, and their approach often included exposure reduction advice. Given the lack of scientific evidence for EHS and how low level EMF exposure could cause reported health complaints and given the finding that the majority of these professionals felt insufficiently informed about EMF and health, targeted information campaigns might assist them in their evidence based dealing with subjects who attribute symptoms to EMF.

(Deutsche Kurzfassung: Etwa 1/3 der niederländischen Betriebshygieniker, Betriebsärzte und Allgemeinärzte wurden in ihrer beruflichen Praxis mindestens 1-mal von einem "Elektrosensiblen" aufgesucht. Viele dieser Mediziner halten einen Kausalzusammenhang zwischen EMF-Einwirkung (Elektrosmog) und Gesundheitsbeschwerden bis zu einem gewissen Grad für plausibel, sie empfehlen häufig eine Reduzierung der Exposition. Doch es gibt keine wissenschaftliche Evidenz für die Existenz von EHS und kein Wirkmodell für die berichteten gesundheitlichen Beschwerden und die Mehrheit der Mediziner fühlt sich in der Frage EMF & Gesundheit unzureichend informiert. Die Autoren der Studie sehen daher in zieleorientierten Informationskampagnen für Mediziner ein Mittel, diese für den evidenzbasierten Umgang mit selbstdiagnostizierten EHS vorzubereiten.)

Nachricht: EMF-Portal

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Ärzte im www: Computerbild testete Gesundheitsportale

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 21.12.2016, 14:42 (vor 906 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus einer Medienmitteilung der Zeitschrift "Computerbild":

Von A wie Atembeschwerden bis Z wie Zahnschmerzen – wer sich in Sachen Gesundheit informieren will, findet zu fast jedem Thema unentgeltlichen Rat im Internet. Bei Gesundheitsdiensten wie Netdoktor.de oder Apotheken-Umschau.de geben Patienten oder Ärzte Antworten auf medizinische Fragen. Welche Risiken und Nebenwirkungen es dabei gibt, zeigt ein COMPUTERBILD-Test von sechs Anbietern (Heft 11/2010).

Was im Test überraschte: Der Rat vom Arzt ist nicht automatisch besser. COMPUTERBILD veröffentlichte in jedem Forum je zwölf Testfragen und legte die erhaltenen Antworten anonymisiert einem Fachbeirat zur Bewertung vor. Fazit: Die fachärztlichen Antworten waren insgesamt nur geringfügig besser als die Laien-Ratschläge, die Expertenantworten bei Lifeline.de und Qualimedic.de sogar schlechter. Generell großes Manko: In den Laienforen blieben zahlreiche Fragen unbeantwortet. So gab es im Forum der Apotheken-Umschau auf die zwölf Testfragen lediglich drei Nutzerantworten. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den anderen Anbietern. Nur bei Gesundheit.de verzeichneten die Tester im Schnitt auf jede Frage eine Antwort. Bei der Resonanz schnitten die Experten deutlich besser ab. Bei Qualimedic.de und Apotheken-Umschau.de wurden dort alle, bei Lifeline.de elf von zwölf Fragen beantwortet.

Für das qualitativ relativ schlechte Abschneiden der Gesundheitsportale liefert das Impressum des fragwürdigen schweizer Portals gesundheitstipp.ch eine plausible Erklärung:

Zum Zeitpunkt der Abfrage (heute) beschäftigte das Portal (ohne publizistische Leitung) neun MitarbeiterInnen (Tobias Frey, Katharina Baumann, Mirjam Gmür, Andreas Gossweiler, Sonja Marti, Claudia Mascherin, Luzia Mattmann, Lara Wüest), jedoch mit Thomas Walser nur einen einzigen Doktor der Medizin.

Ein großes Problem kommerziell betriebener Gesundheitsportale ist aus meiner Sicht die Wahrnehmungsverzerrung, die von diesen Portalen ausgeht. Sie legen viel Augenmerk auf spektakuläre Alarme jedoch nur wenig auf entlastende Meldungen. So berichtet 2007 z.B. gesundheitstipp.ch über eine nicht näher beschriebene britische Fachgruppe, die 60 Meter Schutzabstand zu Hochspannungsfreileitungen empfiehlt. Nicht berichtet wird hingegen über eine 2014 veröffentlichte Großstudie britischer Forscher, die ein zuvor erkanntes Leukämierisiko im Umfeld von Hochspannungstrassen bei einer neuerlichen besseren Untersuchung nicht mehr vorfanden.

Hintergrund
gesundheitstipp.ch im IZgMF-Forum

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Deexposition/Schutzzonen für Elektrosensible keine Lösung

H. Lamarr @, München, Sonntag, 22.01.2017, 22:20 (vor 874 Tagen) @ H. Lamarr

Überzeugte Elektrosensible behaupten häufig, unter Deexposition, also unter Abwesenheit elektromagnetischer Felder (EMF) ginge es ihnen bestens. Eine daraus resultierende Folgehandlung ist die politische Forderung nach "weißen Zonen" (staatlich garantierte EMF-freie "Schutzzonen"). Doch weder die Deexposition noch die Forderung nach "Schutzzonen" lässt sich wissenschaftlich objektiv begründen, denn zahlreiche qualitativ anspruchsvolle Studien haben hinreichend belegt: Zwischen dem Befinden eines "Elektrosensiblen" und seiner Exposition mit EMF herrscht kein Kausalzusammenhang. Überzeugte Elektrosensible können im Doppelblindversuch eine Befeldungssituation nicht besser wahrnehmen als Kontrollpersonen, die Trefferquote bewegt sich im Bereich von 50 % (raten).

Wenn aber angebliche Elektrosensible nicht wahrnehmen können, ob sie befeldet werden oder nicht, dann sind Dexposition und "Schutzzonen" keine geeigneten Mittel, den Betroffenen dauerhaft zu helfen. Eine befristete Besserung unter ersichtlichem (!) Feldentzug ist nicht ausgeschlossen, sie lässt sich mit dem Placebo-Effekt jedoch plausibel erklären und ist unter Blindbedingungen nicht reproduzierbar.

Die vermeintliche Hilfe kann sogar leicht ins Gegenteil umschlagen. Denn die Betroffenen werden mit Deexposition/"Schutzzonen" einer fachärztlichen Behandlung durch einen qualifizierten Psychotherapeuten entfremdet und in eine falsche Richtung geführt (falsch: physische Erkrankung, statt richtig: Phobie), die mit der vollständigen Immunisierung der Betroffenen gegenüber Sachargumenten enden kann. Im Stadium der "vollständigen Überzeugung" (Fanatismus) angekommen, ist ein Therapieerfolg bekanntlich so gut wie ausgeschlossen.

Allein schon die Behauptung eines "Elektrosensiblen", unter Deexposition verschwänden seine Beschwerden, ist ein Alarmsignal. Denn woher will ein Betroffener verbindlich wissen, dass er momentan deexponiert ist? Die Antwort ist denkbar einfach: "Elektrosensible" trauen ihrer ungewollten Fähigkeit selbst nicht über den Weg, sie decken sich deshalb gerne mit Messgeräten und Detektoren ein, die mit Tönen, Messwerten oder Ampelsymbolen über die momentane Feldsituation Auskunft geben. Der Markt hat längst reagiert, das Angebot ist üppig und auch preislich ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Mir ist kein überzeugter Elektrosensibler bekannt, der ohne diese technischen Hilfsmittel auskäme. Derart ausgerüstet unterlaufen "Elektrosensible" jedoch die wesentliche Voraussetzung für eine objektive Selbsteinschätzung (Verblindung): Sich nach einem verstohlenen Blick auf ein technisches Hilfsmittel gut oder schlecht zu fühlen, ist die klassische Form der Selbsttäuschung.

Eine wirkungsvolle erste Behandlungsmaßnahme wäre daher, jedem Betroffenen seine technischen Hilfsmittel wegzunehmen und ihn über deren Schadwirkung gründlich und verständnisvoll aufzuklären. Diese ärztliche Beratung muss sitzen. Denn häufig sind "Elektrosensible" gut vernetzt und bedienen sich schlimmstenfalls heimlich der Hilfsmittel eines befreundeten Betroffenen, um den Behandler in die Irre und zur gewünschten Diagnose zu führen.

Hintergrund
Warum "Schutzzonen" für "Elektrosensible" Unsinn sind
Are some people sensitive to mobile phone signals?
A systematic review of treatments for electromagnetic hypersensitivity

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Funkloch, Schutzzonen, Deexposition, Psychische Erkrankung, Feldentzug

Deexposition/Schutzzonen für Elektrosensible keine Lösung

charles ⌂ @, Montag, 23.01.2017, 11:01 (vor 874 Tagen) @ H. Lamarr

Ich schätze auch, dass die Anzahl von Elektrosensitive nicht so hoch ist, sondern sich beschränkt auf wenige Hunderte.

Aber, der Einfluss von Elektrosmog auf den Körper kann man gut elektronisch messen, muss aber am Körper selbst gemessen werden, was in Ihre genannte sg. *wissenschaftliche* Studien nioe getan wurde.

Ich habe jetzt 18 Jahren Erfahrung mit dem Messen und beobachten von Elektrosensitiven, und ich muss dabei feststellen, das eine Anzahl von denen momentan weniger Beschwerden erfahren als früher.
(Dier wilde Tieren in Tsjernobyl geht es momentan anscheind auch gut!)

Bei meine Recherchen ist mir aufgefallen, das man weniger von Sendemasten, DECT und Wifi betroffen wird, als von ganz kleine Elektrosmog Quellen, (meistens von magnetischer Art) die kaum messbar sind, aber trotzdem zur grosse Beschwerden führen können.
So können Scheinwerfer-Leuchte in Ausstellungsraum noch für (zeitliche) Beschwerden führen, genauso wenn Personen mit ein SMartphone in direkter Nähe stehen.
Ein besondere Abschirmung zu Hause mit ein spezielles Glasgewebe kan da gut Abhilfe schaffen.

Esist auch meine Auffassung, das nich die *Strahlung von Hochfrequenz* so eine biologische Wirkung hat, sondern die Frequenzen zwischen 5kHz und 10MHz.
Sicher, manche Hochfrequenz Quellen enthalten auch diese Frequenzen.
(In der Nähe einer Flughafen konnte ich ein Radarsignal nicht messen, da mein Hochfrequenz Messgerät damals nur bis 3 GHz ging. Aber ich konnte das typische Radarsignal gut erfassen mit ein 30kHz Detektor, der auch UMTS Sender gut erfassen kann!)

In unsere Wohnung habe ich einige Massnahmen getroffeb, die zur eine bestimmte Ausgleich oder Gleichgewichtzustand geführt hat, wo empfindliche Personen sich wohl fühlen.
Merkwürdig ist, dass wenn man extra *Dinge* plaziert, die einen Schutz oder Energie bringen, das Gleichgewicht gestört wird, und die empfindliche Personen Beschwerden bekommen.

Also, mit der Empfindlichkeit von Menschen ist noch manches sehr unbekannt und soll weiter erforscht werden, und nicht als Unsinn abgetan werden.

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Charles Claessens
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Drei Parameter des vegetativen Nervensystems gemessen

H. Lamarr @, München, Montag, 23.01.2017, 22:10 (vor 873 Tagen) @ charles

Aber, der Einfluss von Elektrosmog auf den Körper kann man gut elektronisch messen, muss aber am Körper selbst gemessen werden, was in Ihre genannte sg. *wissenschaftliche* Studien nioe getan wurde.

Das stimmt nicht, "Charles". Beispielsweise Furubayashi et al., 2008, haben drei Parameter des vegetativen Nervensystems (PvN) beobachtet, während die Probanden (Fälle/Kontrollen) über 4x30 Minuten einer tatsächlichen oder vermeintlichen UMTS-Ganzkörperexposition von 10 V/m ausgesetzt waren (was merklich mehr ist, als in realer Umgebung üblich):

- Temperatur der Hautoberfläche
- Herzrate
- Lokaler Blutfluss

Es gab vier unterschiedliche 30-min-Expositionsszenarien:

- Dauerbefeldung mit UMTS
- Intermittierende Befeldung mit UMTS (5 min. an/5 min. aus)
- Scheinbefeldung
- Geräuschexposition (ohne EMF)

Um PvN-Veränderungen erkennen zu können, wurden in dem 30-min.-Testintervall drei Untersuchungsperioden vorgesehen:

- Früh (00 min. bis 05 min.)
- Mitte (12 min. bis 17 min.)
- Spät (25 min. bis 30 min.)

Die Auswertung der in den Untersuchungsperioden genommenen Messwerte ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden EMF-Befeldungen und der Scheinbefeldung. Außerdem gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Fällen und Kontrollen. Die Studienautoren schließen daraus, dass EMF sich unter den gegebenen Bedingungen nicht auf das vegetative Nervensystem auswirkt. Ich schließe daraus: Wenn die "Elektrosensiblen" auf EMF-Einwirkung nicht reagierten und die Kontrollen nicht anders reagierten als die "Elektrosensiblen", dann ist dies ein weiterer Beleg dafür, dass "Elektrosensibilität" eine Krankheit der Psyche ist und nicht der Physis.

Das verwendete UMTS-Signal war übrigens ähnlich dem, das Zwamborn et al., 2003, und Regel et al., 2006, verwendeten, wir hier kennen diese beiden Studien besser unter den Synonymen TNO-Studie und deren Replikation, die ETH-Studie. Furubayashi et al. ergänzten dieses UMTS-Signal um 64 physikalische Kanäle (DPCH). Warum sie das gemacht haben, erklärten sie nicht weiter.

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TNO-Studie, ETH-Studie

Drei Parameter des vegetativen Nervensystems gemessen

charles ⌂ @, Dienstag, 24.01.2017, 00:06 (vor 873 Tagen) @ H. Lamarr

Tut mir Leid, aber ist nicht genügend:

- Temperatur der Hautoberfläche
: ist keine richtige Biomarker
- Herzrate: Schon die Gedanken an einen Test Teil zu nehem tut das Herz rasen
- Lokaler Blutfluss: Das könnte etwas sein.

Elektronisch kann man sehr gut messen: Änderungen wegen Exposition, und nachher.
- Fettgehalt der Leber
- Energie-level der Leber
- Energie-level der Magen
- Energie-level der Pancreas
- Energie-level Schilddrüse
- Energie-level der Cerebrum
- Energie-level der Blutgefäse im Cerebrum
- Energie-level der Blutgefäse (Venen) des Herzwandes vorne und hinten.

Mit einem NLS System, gibt es da sg. CSS Werte (Coefficient Spectral Similarity), die ein gutes Bild schaffen.
Also, der Einfluss von Elektrosmog auf den Körper ist so gut nachweisbar.
Man kann zo auch feststellen ob jemand richtig elektrosensitiv ist, oder nur ein Simulant.

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Charles Claessens
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Dieser Strang wendet sich an Ärzte ...

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.01.2017, 20:04 (vor 869 Tagen) @ charles

- Temperatur der Hautoberfläche[/i]: ist keine richtige Biomarker
- Herzrate: Schon die Gedanken an einen Test Teil zu nehem tut das Herz rasen
- Lokaler Blutfluss: Das könnte etwas sein.

"Charles", bitte!: Sie sind Maschinenbauingenieur und kein Arzt, Ihre Wertung erkenne ich deshalb nicht an.

Elektronisch kann man sehr gut messen: Änderungen wegen Exposition, und nachher.
- Fettgehalt der Leber
- Energie-level der Leber
- Energie-level der Magen
- Energie-level der Pancreas
- Energie-level Schilddrüse
- Energie-level der Cerebrum
- Energie-level der Blutgefäse im Cerebrum
- Energie-level der Blutgefäse (Venen) des Herzwandes vorne und hinten.

Mit einem NLS System, gibt es da sg. CSS Werte (Coefficient Spectral Similarity), die ein gutes Bild schaffen.

Okay, Sie haben wieder einmal Ihr NLS beworben, lassen Sie es darauf beruhen. Die Ärzte, die wir mit diesem Stand ansprechen möchten, interessieren sich nicht für alternativmedizinischen Budenzauber wie NLS, mit dem Maschinenbauer Ärzten das Fürchten lehren und mit dem Zauberkästchen physisch inexistente "Krankheiten" wie "Elektrosensibilität" treffsicher diagnostizieren wollen. "Charles", die Stammleser in diesem Forum sind klüger und gebildeter als Sie glauben, auf pseudowissenschaftliche Verlautbarungen zu "Energiemedizin" fällt hier schon lange keiner mehr herein. Also, versauen Sie mir damit bitte nicht diesen Strang, sonst werde ich unangemessene Postings von Ihnen löschen. Dieser Strang wendet sich an Ärzte, nicht an Maschinenbauer und Nachrichtentechniker, bitte respektieren Sie das.

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Dieser Strang wendet sich an Ärzte ...

charles ⌂ @, Freitag, 27.01.2017, 20:41 (vor 869 Tagen) @ H. Lamarr

Nee Spatenpauli, da irren Sie sich.

Sogar in Deutschland gibt es eine Anzahl von Ärtze die NLS in ihre Praxis verwenden.
Ärtzte als auch natürlich Heilpraktiker.

Es gibt sogar eine Hersteller in Hamburg, metavital.eu

Mit meinem Posting wollte ich nur andeuten, das es nicht schwierig ist der Einfluss von Elektrosmog auf den Körper gut elektronisch zu messen, *noninvasive* sogar.

Das dies Ihnen nicht gefällt, ist klar.
Schon weil es in Russland entstanden ist.

[image]

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Charles Claessens
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Deexposition/Schutzzonen für Elektrosensible keine Lösung

KlaKla, Montag, 23.01.2017, 17:58 (vor 873 Tagen) @ H. Lamarr

Überzeugte Elektrosensible behaupten häufig, unter Deexposition, also unter Abwesenheit elektromagnetischer Felder (EMF) ginge es ihnen bestens. Eine daraus resultierende Folgehandlung ist die politische Forderung nach "weißen Zonen" (staatlich garantierte EMF-freie "Schutzzonen"). ...

Mir fällt auf, dass die Forderungen durch die Bank unrealistisch sind. Ob es nun Funkzonen sind, VLC statt WLAN oder unabhängige Forschung. All das, dient nur dem Erhalt der Angst vor Elektrosmog. In Anbetracht dessen, dass die Szene durchzogen ist von Nutznießern jedoch verständlich. Vor Jahren noch habe ich die Forderung aufgestellt, dass Abschirmmaßnahmen steuerlich absetzbar sein sollten. Heute muss ich mich von der Forderung distanzieren, es wäre das falsche Signal.

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Meine Meinungsäußerung

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Funkloch, Abschirmung, Glasfaser, Forderung, Kommerz, VLC

Deexposition (Schirmung) steuerlich absetzbar

H. Lamarr @, München, Montag, 23.01.2017, 20:57 (vor 873 Tagen) @ KlaKla

Vor Jahren noch habe ich die Forderung aufgestellt, dass Abschirmmaßnahmen steuerlich absetzbar sein sollten. Heute muss ich mich von der Forderung distanzieren, es wäre das falsche Signal.

Zu spät, das Finanzgericht Köln hat bereits 2012 deiner Forderung Genüge geleistet.

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Studie an Umweltkranken: Leben mit attribuierten Symptomen

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.01.2017, 19:21 (vor 869 Tagen) @ H. Lamarr

Die Ende 2016 publizierte Studie "Struggle to obtain redress": Women’s experiences of living with symptoms attributed to dental restorative materials and/or electromagnetic fields (Volltext gratis!) gibt interessante Einblicke in die Denkstrukturen von Frauen (Schweden), die schwere körperliche Symptome auf Amalgam und/oder auf Elektrosmog zurückführen.

Dreh- und Angelpunkt (Core Category) bei allen Probandinnen ist das, was die Wissenschaftler "Struggle to obtain redress" nennen (Kampf um Anerkennung). Gemeint ist damit das Bemühen der Patientinnen, den Widerspruch aufzuklären zwischen der eigenen Wahrnehmung schwerer Symptome und der Abweisung durch Ärzte und Zahnärzte, die nach einer Untersuchung und der Auswertung von Tests keine Erkrankung feststellen können. Mit dem Kampf um Anerkennung wollen die Betroffenen dem Stigma der Hypochondrie entgegenwirken. Die Betroffenen bemühen sich um Überweisungen zu "Spezialisten", die imstande sind, der Patienten (vermeintliche) Erkrankung zu diagnostizieren, sie sehen sich als Vorkämpfer auf Barrikaden und davon überzeugt, dass ihnen mit einer richtigen Diagnose irgendwann einmal Gerechtigkeit widerfahren wird. In diesem Sinne hoffen die Betroffenen letztendlich auf Wiedergutmachung (Schadenersatz).

Diese Schilderung deckt sich bis ins Detail mit Bekundungen, wie sie von überzeugten Elektrosensiblen auch hierzulande zu hören sind. Ob dies ein typisches Verhalten bei Umweltkranken ist oder nur auf guter Vernetzung und dem Abstauben von Argumenten via Internet beruht bleibt offen.

Unter der soeben betrachteten Kernkategorie erkannten die Wissenschaftler zwei Hauptkategorien:

Stricken with illness (geschlagen von Krankheit): Diese Kategorie gilt der Wahrnehmung der Betroffenen, an einer lebensbedrohlichen Krankheit mit vielen und diffusen Symptomen zu leiden. Die Frauen zeigten sich überzeugt, ihre Beschwerden würden von externen Störgrößen verursacht, etwa von Detalamalgam und/oder von elektromagnetischen Feldern. Mehrheitlich machten sie eine Zahnbehandlung für den Ausbruch ihrer Krankheit verantwortlich. Alle hatten deshalb ihre Amalgamfüllungen bereits gegen andere Materialen ersetzen lassen, mache tauschten das Material sogar schon zweimal. Krank blieben trotzdem alle, nur drei berichteten von einem Nachlassen der Symptome.

A blot in the protocol (ins Abseits abgeschoben): Gemeint ist damit, wie Betroffene die Begegnungen mit Ärzten/Zahnärzten empfinden, werden sie dort auf der Suche nach Hilfe, Behandlung und der richtigen Diagnose vorstellig, nur um als physisch gesund wieder weggeschickt zu werden.

Unterhalb der beiden Hauptkategorien verorteten die Wissenschaftler noch insgesamt fünf weitere Unterkategorien, die die Wahrnehmung der Betroffenen genauer beschreiben. Dies möge bitte jeder im Original der Studie (siehe Link oben) selbst nachlesen.

Unterm Strich empfiehlt die Studie zur Vermeidung von Dissonanzen zwischen Behandler und Patient, den Betroffenen gegenüber einfühlsam zu sein. So fühlten sich die Frauen von Alternativmedizinern prompt besser verstanden und behandelt als von ordentlichen Ärzten. Alternative würden z.B. mit einer "Augendiagnose" die Schilderungen der Betroffenen ohne Federlesens anerkennen und ihnen dadurch Genugtuung verschaffen. Da alternativen Diagnosen jedoch die Anerkennung z.B. bei Arbeitgebern, Ämtern und Behörden verweigert wird, landen die Betroffenen früher oder später doch wieder bei ordentlichen Ärzten und laufen Gefahr, in eine Endlosschleife zu geraten. Ärzte müssten deshalb lernen, solchen Patienten geduldig zuzuhören und sie auf der Suche nach einer Erklärung für ihre Beschwerden nicht allein im Regen stehen zu lassen. Selbst wenn keine ordentliche Diagnose möglich sei, so die Wissenschaftler, sollten sich Behandler ernsthaft um Anamnese und ein aufbauendes Beratungsgespräch bemühen, damit die Patienten sich gut aufgehoben fühlen, sie ihren Arzt akzeptieren und dessen fachliche Einschätzung als stimmig annehmen.

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Symbiontischer Wahn: Psychisch Kranke in der Umweltmedizin

H. Lamarr @, München, Samstag, 18.02.2017, 22:32 (vor 847 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus Dt Ärztebl 2000; 97: A-835–840 [Heft 13]

von Dr. med. Hanns-Rüdiger Röttgers

Viele Patienten klagen über Störungen, die sie schädlichen Umwelteinflüssen zuschreiben, ohne dass auch bei sorgfältiger Untersuchung eine Belastung durch Noxen oder Allergene nachweisbar wäre. Die Beschwerden und psychischen Befunde dieser Patienten entsprechen häufig denen hypochondrischer und konversionsneurotischer Erkrankungen; zuweilen handelt es sich um Psychosen. Diese Patienten mangels objektivierbarer Befunde zurückzuweisen, liefert sie paramedizinischen Hilfsangeboten aus oder führt zu einem Rückzug in Betroffenensubkulturen. Ebenso wenig wird eine unkritische Übernahme der subjektiven Überzeugungen durch den behandelnden Arzt der psychischen Erkrankung gerecht, denn sie verhindert eine angemessene psychiatrische Behandlung der unter oftmals hohem Leidensdruck stehenden Patienten.
[...]
Eine Phobie ist dann anzunehmen, wenn anhaltende Ängste und ein deutliches Vermeidungsverhalten vor einer umschriebenen Noxe bestehen: Dabei kann es sich zum Beispiel um erhöhte Ozonwerte bei Sommersmog handeln, wenn dem nicht ein hyperreagibles Bronchialsystem zugrunde liegt. Ein hypochondrisch Kranker beschäftigt sich
übermäßig und dauerhaft mit körperlichen Zeichen oder Empfindungen, die seines Erachtens Beweis für eine schwere Erkrankung sind. Hierher gehört aus dem umweltmedizinischen Themenkreis etwa eine Krebsphobie nach einer geringgradigen Formaldehyd-Exposition. Bekannter Anknüpfungspunkt waren in den 80er-Jahren die Holzregale eines schwedischen Selbstbaumöbelhauses.

Funktionelle Störungen treten vor allem im gastrointestinalen Bereich, als Herzbeschwerden und pseudoneurologische Symptome auf und führen bei Kranken auch dann zu der Überzeugung, körperlich krank zu sein, wenn keine organischen Erkrankungen oder pathophysiologischen Mechanismen vorliegen. Wenn diese Patienten umweltmedizinische Stellen aufsuchen, beschuldigen sie häufig einen bestimmten Schadstoff und haben bereits in populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen oder Betroffenenliteratur dazu „Beweise" gesammelt.

Eine Wahnentwicklung im Sinne einer Paranoia kann dann vorliegen, wenn eine für die Umgebung nicht nachvollziehbare Überzeugung unbeirrbar aufrechterhalten wird. Dabei ist das Denken, anders als zum Beispiel bei schizophrenen Menschen, jenseits des häufig sehr eingegrenzten Gegenstands des Wahns nicht erkennbar gestört. Die Wahnentwicklung kann bei eingehender Untersuchung psychodynamisch ableitbar sein. Wenn Ehepartner oder andere enge Bezugspersonen den Wahn eines Ersterkrankten übernehmen, spricht man wie in der folgenden Kasuistik von induziertem oder symbiontischem Wahn („folie à deux").

Hierzu ein Beispiel: Ein 60 jähriger Pensionär begibt sich auf Drängen seiner Hausärzte in die Psychiatrische Klinik, nachdem mehrere umweltmedizinische Behandlungen in internistischen und psychosomatischen Abteilungen erfolglos blieben.

In der Untersuchung wird ein ausgeprägter symbiontischer Wahn sichtbar: Die Ehefrau ist davon überzeugt, aufgrund eines vor Jahren mehrmals angewandten Flohschutzmittels für die Hauskatze vermehrt an Haarausfall zu leiden und bringt diesen Vorgang mit großer Resonanz in die regionalen und überregionalen Medien. Die Bemühungen, untermauert durch verschiedene Grenzwertbefunde von „Umweltlabors", führen bis zu einer Anfrage im Europäischen Parlament. Bemerkenswert ist, dass in der Korrespondenz ganz unterschiedliche Substanzen beschuldigt werden, die mit der fraglichen Chemikalie nicht einmal verwandt sind. Der Ehemann sekundiert seiner Ehefrau, unterstützt sie ausdrücklich, organisiert die Korrespondenz mit anderen „Betroffenen" und leidet nunmehr ebenfalls an den dem Flohgift zugeschriebenen Symptomen. In der Klinik gelingt mit einer behutsamen Psychotherapie und einer niedrigdosierten neuroleptischen Behandlung mit 2 mg Haloperidol eine schrittweise Distanzierung. [...]

Kommentar: Dieser symbiontische Wahn lässt sich gut an einer Ärztin aus Bamberg beobachten. Sie besuchte aus persönlichem Interesse hunderte überzeugte Elektrosensible in ganz Deutschland und schrieb deren Kasuistiken auf. Am Ende räumte die Ärztin vor laufender Kamera (Spiegel-TV) ein, selbst "elektrosensibel" geworden zu sein, sie glaubt, auf das Digitalfernsehen DVB-T zu reagieren. Symptome: Schlaf- und Denkstörungen. Um schlafen zu können, legt sie sich auf den Boden ihrer Küche und wickelt sich dort mit mehreren metallbedampften Rettungsdecken ein. Deren Schirmwirkung, ist sie überzeugt, verschaffe ihr Linderung.

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Symbiontischer Wahn: Beispiel aus der Elektrosmog-Szene

H. Lamarr @, München, Sonntag, 19.02.2017, 18:58 (vor 846 Tagen) @ H. Lamarr

Eine Wahnentwicklung im Sinne einer Paranoia kann dann vorliegen, wenn eine für die Umgebung nicht nachvollziehbare Überzeugung unbeirrbar aufrechterhalten wird. Dabei ist das Denken, anders als zum Beispiel bei schizophrenen Menschen, jenseits des häufig sehr eingegrenzten Gegenstands des Wahns nicht erkennbar gestört.

Ein aktuelles Beispiel schildert die überzeugte Elektrosensible Eva W. aus München hier. Es geht in dem folgenden Auszug um die Schilderung einer kürzlich verstorbenen überzeugten Elektrosensiblen aus Franken, die von Frau W. als "Kämpferin gegen den Zeitgeist" beschrieben wird:

"Gestern besuchte ich eine Frau mit behinderter Tochter, um die ich mich kümmern sollte, da die übrige Familie in Urlaub war. Doch ich bekam in dem Haus bereits nach zehn Minuten schon wieder Kopfschmerzen und war sehr verwundert, denn beim letzten Besuch (ca. ein Jahr) gab es hier keinerlei Strahlung. Nach weiteren zehn Minuten hatte ich einen Blutdruck von 207/137. Nun holte ich mein Messgerät und war entsetzt: Aus der Nachbarwohnung kam ein gewaltiges WLAN-Strahlengewitter. Ich verließ sofort die Wohnung und beschwerte mich beim Nachbarn, denn die Frau klagte schon seit längerem auch über zu hohen Blutdruck und Unwohlsein. Sie "könne nicht mehr richtig denken."
Doch der Nachbar, ein Arzt i.R., war überrascht und sehe keinen Grund das WLAN abzuschalten. Schließlich sei alles ordnungsgemäß von Firma ...eingebaut worden. Er selber spüre nichts und alles andere sei ihm egal. (Hat ihm die Strahlung etwa bereits das Hirn vernebelt?) Liebe Eva, was soll ich nur tun? Die Frau und die behinderte Tochter brauchen Hilfe, die Blutdrucksenker helfen weder der Frau noch mir. Selbst die Strahlenschutzkappe hilft nur bedingt und nicht gegen die Herzbeschwerden.

In letzter Zeit starben viel zu viel Leute "plötzlich und unerwartet." Zwei Männer, 69 und 62 Jahre alt starben plötzlich früh nach dem Aufstehen. Sie fielen tot um! Eine Krankenhausangestellte (52) fand man tot auf dem Sofa, neben ihr lag das Blutdruckmessgerät. Eine Frau ca. 45 Jahre, ebenfalls gesund, kam wegen enormer Kopfschmerzen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, wurde nach einigen Tagen entlassen, keine Ursache - auch sie hat WLAN und ein DECT in der Wohnung."

Kommentar: Auffällig an der Schilderung ist die augenscheinliche Dauerbewaffnung der fränkischen "Elektrosensiblen" mit einem Blutdruckmessgerät und einem Elektrosmog-Detektor. Besonders der Detektor scheint ständiger Begleiter gewesen zu sein, sonst könnte die Frau nicht wissen, die aufgesuchte Wohnung sei im Jahr zuvor strahlungsfrei gewesen. Üblicherweise wird so eine (lästige) Gerätschaft in fremder Umgebung nicht ständig mitgeführt, es sei denn die Wahnentwicklung ist bereits so weit fortgeschritten, dass die Betroffene unablässig auf der Jagd nach (technischer) Bestätigung für ihre unbefriedigend unzuverlässige organische "Strahlenwahrnehmung" war (süchtig nach Selbstbestätigung). Von ihrer symbiontischen Wahnkollegin Eva W. als "Kämpferin" gewürdigt, möchte ich lieber nicht wissen, wie die "Kämpferin" von ihren Ärzten gesehen wurde. Vorstellbar ist dies leicht.

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MCS/EHS-Fall mit Empfehlung für mehr als 50 % BU

H. Lamarr @, München, Dienstag, 21.02.2017, 14:11 (vor 844 Tagen) @ H. Lamarr

M.B. 41-jähriger Mann klagte über eine Fülle von Befindlichkeitsstörungen wie ständige Kopf- und Zahnschmerzen, Brennen im Mund, Tinnitus, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Globusgefühl, Schlafstörungen u.a., die durch kleinste Mengen von Parfüm, Benzin, Kunststoffen, auch durch die elektromagnetischen Felder von PC, Handy oder Mikrowellen ausgelöst würden. Nur in der frischen Luft gehe es ihm besser. Schlafen könne er nur in einem leeren Zimmer ohne Teppichboden, Kunststoffe, Tapeten oder Polstermöbel mit offenem Fenster, auch im Winter. Die Familie müsse dies akzeptieren, man besitze weder Teppiche, noch irgendwelche Kunststoffgegenstände. Im Urlaub mit der Familie habe er einmal in seinem alten Auto übernachten müssen, da in der Ferienwohnung entsprechendes Mobiliar stand. Sein ganzes Leben drehe sich um seine Krankheit. Er sei bei vielen Ärzten gewesen, eine ausgedehnte neurologische Untersuchung bis hin zu MRT und PET habe keinen pathologischen Befund ergeben. Von Umweltmedizinern sei „MCS" festgestellt worden. Geholfen habe man ihm jedoch nicht. Die Entfernung von Amalgamfüllungen habe nichts gebracht. Er habe sich auf Empfehlung der Umweltmediziner alle Zähne ziehen lassen - jetzt vertrage er das Prothesenmaterial nicht. Bezüglich der biografischen Anamnese gab sich der Proband sehr verschlossen, es klangen belastende Lebensereignisse an, die er nicht näher thematisieren wollte. Eine Psychotherapie lehnte er ab, er sei ja umweltgeschädigt. Beruflich ursprünglich Kfz-Mechaniker, wegen der Beschwerden Umschulung zum Informatiker „noch schlimmer wegen der Elektrosensibilität". Seit einigen Jahren arbeitsunfähig krank geschrieben, zuletzt „Hartz IV". Organisch unauffälliger Befund, psychisch völlig auf seine Beschwerden fixiert, die sein ganzes Denken beherrschten und auch alle seine Freizeitaktivitäten blockierten. Zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Aggravation oder Simulation. Es war von einer schweren chronifizierten Somatisierungsstörung (F 45.0) auszugehen gewesen, der eindeutiger Krankheitswert zukam und daraus resultierend von einem aufgehobenen Leistungsvermögen, mit der Empfehlung einer mehr als 50%-igen BU.

Quelle: Die Begutachtung für die private Berufsunfähigkeitsversicherung: Ein Leitfaden für medizinische Gutachter und Sachbearbeiter in den Leistungsabteilungen privater Versicherer

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EHS, MCS, Berufsunfähigkeit

Psychische Krankheiten korrelieren nicht mit Mobilfunkausbau

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 23.02.2017, 11:46 (vor 843 Tagen) @ H. Lamarr

Seit Jahren begeistern besonders Psychische und Verhaltensstörungen (ICD10-Diagnosecode F00 bis F99) die Gegner, denn keine Krankheit nimmt in vergleichbarer Weise seit über 20 Jahren stetig zu und eignet sich damit vorzüglich zum Beunruhigen von Laien. Doch der belegfrei behauptete Verdacht, psychische Erkrankungen hätten etwas mit der Verbreitung der Mobilfunktechnik zu tun, lässt sich leicht widerlegen. weiter ...

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Bundesamt für Strahlenschutz: EUROPAEM EMF-Leitlinie nutzlos

H. Lamarr @, München, Sonntag, 11.06.2017, 21:51 (vor 734 Tagen) @ H. Lamarr

BfS: EMF-Leitlinie von EUROPAEM ohne Nutzwert

Elektromagnetische Felder (EMF), die von Funkmasten ausgehen, bereiten überzeugten “Elektrosensiblen” gesundheitliche Probleme. Doch diese Probleme sind unspezifisch und entziehen sich so einer treffsicheren Diagnose. Eine Arbeitsgruppe von Medizinern, die sich zu einer European Academy for Environmental Medicine (EUROPAEM) zusammengeschlossen haben, will mit einer “EMF-Leitlinie” vor allem Ärzten Hilfestellung bei der Diagnose EMF-bedingter Beschwerden und Krankheiten geben. Ein edles und lobenswertes Unterfangen, möchte man meinen. Doch vor dem Bundesamt für Strahlenschutz findet diese Leitlinie keine Gnade: Das Papier nutze weder Ärzten noch Patienten, sagte das Amt dem IZgMF.

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Umweltbundesamt: keine Anerkennung der Randfiguren

KlaKla, Montag, 12.06.2017, 08:59 (vor 734 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Montag, 12.06.2017, 09:33

Wenn ein Verdacht besteht, dass Umwelteinflüsse ursächlich für die Beschwerden sind, sollte dies in einer umweltmedizinischen Beratungsstelle überprüft werden. Eine Übersicht solcher Beratungsstellen stellt das Umweltbundesamt zur Verfügung.

Das Umweltbundesamt nennt Beratungsstellen. Die Autoren der EMF-Leitlinie findet man in dieser Beraterliste jedoch nicht.

Ich hege den Verdacht, dass die deutschen EMF-Leitlinen-Autoren (Dr. dent. Claus Scheingraber, Dr. Horst Eger, Dr. Markus Kern, Dr. Peter Ohnsorge, Dr. Kurt E. Müller) gar nicht erst versuchten mit den Verantwortlichen des Umweltbundesamt über ihre Leitlinie zu debattieren. Ich denke, ihnen ist klar, dass sie durch ihre öffentlich bekannten Peinlichkeiten nicht ernst genommen werden außerhalb ihrer Seifenblase.

Beispiele Peinlichkeiten

Meinung: Nur wenn sich für besorgte Bürger, Politiker oder Nutznießer ein Gewinn (materiell/immateriell) ableiten lässt finden diese vermeintlichen EMF-Experten aus den unterschiedlichsten Umweltvereinen/Verbanden noch Gehör.

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Meine Meinungsäußerung

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Mobilfunk & Mensch: zertifizierte Ärzte-Fortbildung online

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.11.2017, 22:34 (vor 568 Tagen) @ H. Lamarr

Presse-Information des FMK, Österreich, vom 23.11.2017:

FMK: Ärzte-Fortbildung „Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient“ bringt 2 DFPs
Zertifiziertes Ärzte-Fortbildungsprogramm kann online von jedem auch ohne Registrierung abgerufen werden

Wien (OTS) - Die Sorge, dass elektromagnetische Felder (EMF), die von Handys, Smartphones, Sticks und Cubes, und auch von Mobilfunkstation ausgesendet werden, Gesundheitsschäden hervorrufen könnten, ist nach wie vor in der Bevölkerung verbreitet. Erste Ansprechpartner zu diesem Thema sind meist Hausärzte. Viele Allgemeinmediziner sehen sich deshalb Fragen zur Wirkung und Technik von Mobilfunkanwendungen konfrontiert.

Zwei DFPs für Ärzte

Das Forum Mobilkommunikation stellt deshalb das mit zwei DFPs approbierte Fortbildungsprogramm „Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient“ für Ärzte aller Fachrichtungen online zur Verfügung. Dieses Modul wurde ursprünglich von der Ärztekammer Berlin zertifiziert, vom Forum Mobilkommunikation übernommen und in dessen Auftrag von der deutschen Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin aktualisiert.

Subjektive Elektrosensibilität – eine Herausforderung für Mediziner

Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte sind nach der Fortbildung in der Lage, eine Risikobewertung für ihre Patienten hinsichtlich EMF durchzuführen. Die Lernhinhalte umfassen die Bereiche „Einführung in die umweltmedizinische Thematik“, „technische und physikalische Grundlagen“, „biologische Wirkungen von Hochfrequenz-Feldern“, „Risikobewertung aus ärztlicher Sicht“ und zeigen Fallbeispiele aus der umweltmedizinischen Praxis, sowie Behandlungsstrategien bei subjektiv empfundener Elektrosensibilität, welche eine besondere Herausforderung für Ärztinnen und Ärzte bedeutet.

Kostenlos für alle ohne Registrierung abrufbar

Die Ärztefortbildung ist als kostenloses eLearning-Modul im Mediziner-Bereich der Website des FMK www.fmk.at verfügbar. Die Module können ohne Registrierung von jedermann abgerufen werden (die Eingabe personenbezogener Daten ist lediglich für die Ausstellung der Teilnahmebescheinigung von Ärzten zur Sicherung der Fortbildungspunkte erforderlich).

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Problematik ökologischer Studien

KlaKla, Samstag, 25.11.2017, 09:04 (vor 568 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Samstag, 25.11.2017, 09:24

Auszug Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient
Autoren, Prof. Dr. med. Thomas Eikmann, Prof. Dr. med. Caroline Herr, Dr. rer. nat. Matthias Otto

Der Bedarf an entsprechender Information zum Thema Mobilfunk und Gesundheit lässt Ärzte daher auch immer wieder selbst aktiv werden. Beobachtungen aus dem Praxisalltag der Mediziner bilden häufig die Grundlage von diversen Studien oder Initiativen.

In der Öffentlichkeit sorgen Hausarztstudien, die über räumlich-zeitliche Krankheitscluster in ihrem Einzugsbereich berichten, immer wieder für Aufsehen. So beschrieb 2004 eine Ärztegruppe aus Naila (Bayern) in einem ökologischen Ansatz den Einfluss der räumlichen Nähe von Mobilfunksendeanlagen auf das Risiko für Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren. Bei der „Naila-Mobilfunkstudie“ handelt es sich um eine ökologische Studie, die in die Gruppe der epidemiologischen Beobachtungsstudien einzuordnen ist. Ökologische Studien eignen sich, um Assoziationen zwischen Risikofaktoren und erhöhten Erkrankungsraten innerhalb eines Kollektivs darzustellen. Daten werden auf Gruppenebene erhoben und analysiert. Exposition, Erkrankung und Kovariable stellen somit Eigenschaften von Gruppen von Individuen dar und nicht Eigenschaften der Individuen selbst. Übertragen auf die Naila-Studie bedeutet das: Personen im Nahbereich einer Basisstation wurden als exponiert betrachtet, Personen im Fernbereich als Vergleichsgruppe gehandelt. Es erfolgte keine individuelle Messung oder Abschätzung der Mobilfunkexposition. Die Krebsneuerkrankungen wurden über die Abrechnungsdaten der Hausärzte ermittelt. Weitere Kovariablen (sogenannte Störgrößen oder Confounder), die mit einer Tumorerkrankung assoziiert sein könnten (z.B. Rauchen, Ernährung, Beruf, familiäre Disposition), waren für die Studienpopulation nicht bekannt. Sind diese Risikofaktoren, z.B. eine familiäre Disposition für Mammakarzinom, in beiden Regionen unterschiedlich verteilt, kann sich eine verzerrte Risikoabschätzung (Scheinkorrelation) ergeben.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz beurteilte daher in einer Stellungnahme die Aussagekraft der Naila-Studie als sehr begrenzt. Studien mit aggregierten Daten haben erhebliche Probleme, insbesondere, wenn kausale Aussagen gefordert sind. Unabhängig von den oben gemachten Ausführungen zum ökologischen Ansatz und zu Scheinkorrelationen bedeutet in einer solchen Studie eine Korrelation der geografischen Nähe zu Mobilfunksendeanlagen mit der Inzidenz von Krebserkrankungen nicht unbedingt einen ursächlichen Zusammenhang.

Die analytische Epidemiologie als Ursachenforschung hat stets die Problematik der Multikausalität zum Inhalt. Deshalb hat Bradford Hill eine eigene Kriterienliste aufgestellt, die der Beurteilung dient, ob es sich bei einer beobachteten Korrelation um eine ursächliche Beziehung oder um ein Zufallsergebnis, einen Scheinzusammenhang, handelt. Der Nachweis einer Dosis-Wirkungs-Beziehung als eine der Bradford-Hill-Kriterien ist dabei von entscheidender Bedeutung. Rückschlüsse von aggregierten Daten auf den Einzelfall sind sehr schwierig und können zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Ebenso kommen auf Kasuistiken bzw. Einzelfälle gestützte Beobachtungen gelegentlich zu alarmierenden Schlussfolgerungen beim Thema Mobilfunk und Gesundheit. So löste beispielsweise der 2002 veröffentlichte „Freiburger Appell“ große Besorgnis in der Bevölkerung aus. Initiator des Appells war die Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e.V., eine Vereinigung niedergelassener Ärzte aller Fachrichtungen. Diese berichteten, bei ihren Patienten in den letzten Jahren einen „dramatischen Anstieg schwerer und chronischer Erkrankungen“ sowie ein „vermehrtes Auftreten unterschiedlicher Störungen“ beobachtet zu haben, die in Tabelle 2 zusammengefasst sind.
Die Gesundheitsbeschwerden wurden von den Medizinern in direkten Kausalzusammenhang mit der EMF-Exposition gebracht, sowohl durch Mobilfunk-Basisstationen als auch durch mobile Endgeräte. Angesichts dieser scheinbar alarmierenden Entwicklung forderten die unterzeichnenden Ärzte des „Freiburger Appells“ eine Reihe von Maßnahmen, etwa den Ausbaustopp der Mobilfunknetze, ein Handyverbot in öffentlichen Gebäuden oder die
Senkung der Grenzwerte.

Kommentar: Wenn auch ich früher Suchende auf die Ärzte verwies, die den Freiburger Appell unterzeichneten, rate ich heute dringend davon ab. Ich gehe davon aus, dass sich darunter die Mediziner befinden, die ihren Patienten Therapien anbieten, die lediglich ihren Geldbeutel füllen Stichwort: IGEL-Leistungen. Betroffene zu bestärken in ihrer Annahme, verhindert dass diese wieder ins Normale Leben zurück finden. Beispiel: der tragische Selbstmord aus Oberammergau. Weitere Folge, finanzielle Belastung der Kranken- und Rentenkassen.

Der Vortrag ist nicht auf dem aktuellen Stand, dass ist bedauerlich. Denn die kleine Gruppe warnender Mediziner versuchen auch heute noch Alarm zu schlagen. Wenn es zu einem Mediziner eine Eintrag bei Psiram gibt, ist äußerste Vorsicht geboten. Da trifft man die Peudowissenschaftler, die verstärkt mit dem Ausbau ihres Einflusses beschäftigt sind.

IGUMED - EMF-Leitlinie 2016
Quacksalber im Interessenvertreter der Umweltmediziner
Mediziner - Heilpraktiker - Homöopathen - Scharlatane

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Kasuistiken, Epidemiologie, Eikmann, Hausarztstudien, Dosis-Wirkungs-Beziehung, Herr, Otto, Krebs-Cluster

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