Kleines Ratespiel, Teil 1 (Allgemein)

RDW ⌂ @, Donnerstag, 18.03.2010, 22:43 (vor 3551 Tagen)
bearbeitet von RDW, Donnerstag, 18.03.2010, 22:59

Aus aktuellem Anlass möchte ich hiermit die Aufmerksamkeit auf die sogenannte "Münchner Querschnittstudie" lenken, die man hier nachlesen kann:
http://www.emf-forschungsprogramm.de/forschung/epidemiologie/epidemiologie_abges/epi_045.html

Darin findet man auf Seite 180 des Abschlussberichts folgende Passage:
"Subjektive Exposition
Chronische Beschwerden:
Auch bei Betrachtung der selbsteingeschätzten Entfernung der Wohnung zur nächsten Basisstation durch die Eltern als Expositionsmaß waren in der Gruppe der Kinder keine statistisch signifikanten Assoziationen mit den chronischen Beschwerden zu erkennen (Abbildung 48). In der Gruppe der Jugendlichen dagegen zeigte sich, dass die Jugendlichen, bei denen sich laut eigener Angabe die nächste Basisstation in weniger als 500 Meter Entfernung von der Wohnung befand, signifikant häufiger über chronische Gereiztheit berichteten (OR=1,4 (1,1; 1,8)). Zudem berichteten diese Jugendlichen signifikant häufiger über chronische Kopfschmerzen (OR=1,4 (1,003; 1,8)) (Abbildung 49)."

Würde ein objektiver Leser dieser Studie denn nun die rote Passage des folgenden Textes als korrekte Zusammenfassung ansehen?:

"In dieser Münchner Studie wurde die Mobilfunkbelastung bei Kindern und Jugendlichen über einen Zeitraum von 24 Stunden gemessen und zeitgleich ihr Wohlbefinden abgefragt. Im Rahmen des Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms (DMF) wurde diese Untersuchung durch das Institut und die Poli-Klinik für
Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München durchgeführt. Für die Studie befragt wurden 1.524 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren sowie 1.498 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und deren Eltern. In dieser Studie wird über signifikante Zusammenhänge zwischen Handy, DECT, WLAN, Handymasten und Befindlichkeitsstörungen berichtet (s. Kasten S.7 mit Zitaten a.d. Studie):
- War die nächste Basisstation in weniger als 500 Meter Entfernung von der Wohnung, wurde signifikant häufiger über chronische Gereiztheit und signifikant häufiger über chronische Kopfschmerzen berichtet (S.180).
"

Kleiner Tipp zum Verständnis meiner Frage, zusätzlich zu den Hervorhebungen in beiden Texten durch mich: Im Original ist die selbstgeschätzte Entfernung als Expositionsmaß für die genannten Beschwerden angegeben, in der Interpretation wird diese Entfernung dagegen fälschlicherweise als Fakt dargestellt sowie Jugendliche mit den davon eben nicht betroffenen Kindern zusammengeworfen, zudem wurde ein Zusammenhang zu den eingangs erwähnten Messungen assoziiert. Im Original findet sich jedoch genau dazu folgende Aussage:

"Bei der selbst eingeschätzten Exposition durch Mobilfunkbasisstationen gab sowohl der überwiegende Teil der Eltern der Kinder als auch der der Jugendlichen an, dass die Basisstation weniger als 500 Meter von der Wohnung entfernt sei. Wie schon bei der Mobilfunkbesorgnis beschrieben, schätzen Personen, die sich Sorgen wegen möglicher Effekte durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks machen, die Entfernung der Wohnung zur nächsten Basisstation generell geringer ein (Berg, Breckenkamp et al. 2007).
Insgesamt ist in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinzuweisen, dass der selbst eingeschätzte Abstand zur nächsten Basisstation kein geeignetes Maß für die Expositionserfassung darstellt, da Probanden ihre tatsächliche Exposition größtenteils nicht richtig einschätzen können."
(Seite 232)

Also noch einmal zusammengefasst: Kann man die oben zitierte Interpretation als objektive und korrekte Darstellung der Studienergebnisse bezeichnen? Oder ist sie vielmehr eine Verfälschung und gezielte Irreführung? Kann man sie vielleicht sogar als Lüge ansehen?

RDW

Tags:
Kinder, Studie, Epidemiologie, Mutter, Mediziner, Personendosimeter


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