Blutuntersuchungen um Mobilfunksendeanlagen ▼ (Allgemein)

Doris @, Samstag, 19.01.2008, 23:46 (vor 4340 Tagen)

Mobilfunkunternehmen müssen sich immer häufiger mit selbstorganisierten Blutuntersuchungen von Anliegern beschäftigen, die durch Bürgerinitiativen als Aktion gegen Standorte von Sendeanlagen initiiert werden. Ihr Ziel ist es, den Netzbetreiber durch einen vermeintlichen medizinischen Nachweis der Schädlichkeit des Senders von seinem Vorhaben abzubringen. Thomas Scharfstädt, EMVU-Experte bei E-Plus, beurteilt die Aussagekraft der Untersuchungen skeptisch und rät von solchen Vorhaben ab:
"Aus Sorge um gesundheitliche Wirkungen von Mobilfunksendeanlagen vertrauen viele Bürgerinitiativen und besorgte Anwohner auf Blutuntersuchungen. Eine Analyse des Blutbildes könne eine negative Wirkung der elektromagnetischen Felder nachweisen, so die Annahme. Dies klingt plausibel, denn schließlich nimmt der Hausarzt bei vielen Untersuchungen Bluttests vor, die ein genaues Bild über den Gesundheitsstand zulassen. Mit Hilfe der Blutanalyse werde man dann ein Instrument in der Hand haben, um gegen eine geplante oder bestehende Mobilfunk-Basisstation erfolgreich vorzugehen.
Die vergangenen Jahre sind reich an Beispielen für solche Blutuntersuchungen. Obwohl es bis heute keinem der zahlreichen Projekte gelungen ist, einen Zusammenhang von Messwerten und Mobilfunkfeldern zweifelsfrei zu belegen, geschweige denn eine gesundheitliche Schädigung nachzuweisen, werden laufend neue Untersuchungen gestartet.
Dahinter steckt der Wunsch, etwas "Greifbares" in der Hand zu haben. Diese Aussicht lässt die Bereitschaft der Betroffenen wachsen, sich auf eigene Kosten an Blutuntersuchungen zu beteiligen. Arztpraxen oder Heilpraktiker unterstützen vor Ort nicht selten gerne diese Aktionen. Die Untersuchungen haben allerdings mangels wissenschaftlich verwertbarer Ergebnisse nur wenig Aussagekraft.
Zu den Wegbereitern gehören zweifellos die Untersuchungen aus dem Jahre 2001 in der kleinen Ortschaft Lütjensee bei Hamburg. Mit Unterstützung durch den Medizinphysiker Dr. Lebrecht von Klitzing wurde eine Blut-Reihenuntersuchung in Gang gesetzt, an der sich über 70 Kinder beteiligten. Nicht zuletzt trug das große, diesmal auch überregionale Medieninteresse zur Popularisierung von Blutuntersuchungen bei.
Im Wesentlichen haben sich seither vor allem drei Kategorien in der Öffentlichkeit etabliert:

Einmal-Untersuchungen vor Installation einer Basisstation. Der gesundheitliche Status Quo soll festgehalten werden und somit - im Falle einer später festgestellten Schädigung oder eines wissenschaftlichen Nachweises von Risiken - als Beweismittel dienen. Ob in München-Allach, Buchloe im Ostallgäu, Bopfingen-Aufhausen im Ostalbkreis (Baden-Württemberg) oder im nordrhein-westfälischen Windeck - vielerorts sammeln und analysieren Ärzte auch in jüngster Zeit im Auftrag von Betroffenen Blutproben, um sie für eine spätere Beweisführung zu analysieren.
Vorher- und Nachheruntersuchungen. Untersucht wird das Blut vor der Inbetriebnahme einer Basisstation und einige Wochen oder Monate später. Stärkere regionale Aufmerksamkeit erlangten 2002 die Untersuchungen in den hessischen Nachbargemeinden Korbach und Goldhausen.
Reihen-Untersuchungen mit Nachuntersuchungen. Sie folgen dem gleichen Ansatz wie die Vorher- und Nachheruntersuchungen - mit der Ergänzung, dass die gesundheitliche Entwicklung der Betroffenen in mehreren Schritten dokumentiert wird. Diese Form der Reihenuntersuchungen ist deutlich aufwändiger, teurer und
daher seltener. Reihenuntersuchungen werden weniger als Beweismittel angesehen, um sich gegen einen bestimmten Mobilfunkstandort zu wehren, sondern als eigenständiger wissenschaftlicher Beitrag, da man der "offiziellen" Forschung misstraut.

Zu den bekanntesten und meistdiskutierten Reihenuntersuchungen zählt die 2004 vom Verein "Risiko Umwelt Rimbach e.V." mit Hilfe einer örtlichen Privatklinik initiierte Blutuntersuchungsstudie im Bayerischen Wald. Sie umfasst drei Blutbildanalysen an 43 Kindern und 27 erwachsenen Personen, die im Januar und Juli 2004 sowie im Januar 2005 durchgeführt wurden. Diese Studie in der 2.000-Einwohner zählenden Ortschaft folgt einem durchaus wissenschaftlichen Ansatz - ihr ging eine eingehende ärztliche Befragung der Teilnehmer voraus. Anhand von Urinproben und Fragebogen dokumentierten die Ärzte den gesundheitlichen Zustand der Probanden vor der Inbetriebnahme einer neuen Mobilfunkbasisstation.
Doch auch dieser erhebliche Aufwand bewahrte die Initiatoren nicht vor entscheidenden wissenschaftlichen Fehlern: Zufällige Auswahl der Teilnehmer, keine Kontrollgruppe und keine Feldmessungen vor oder während der Studie. Zudem mussten wichtige immunologische Parameter aus Kostengründen unberücksichtigt bleiben. Diese Mängel erschweren eine wissenschaftliche Bewertung der Rimbach-Ergebnisse.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass die für Sommer 2006 angekündigte Veröffentlichung des Abschlußberichtes auf der Homepage des Vereins "Risiko Umwelt Rimbach e.V." bis heute auf sich warten lässt. Statt Fakten wird dort viel Raum für Interpretation geboten. Das Nichtvorhandensein von Ergebnissen wird im "Zwischenbericht" zu "ersten Merkmalen einer Dauerbelastung" uminterpretiert und mit der Forderung verknüpft, "dass die Grenzwerte der gesundheitsverträglichen Belastung durch Mobilfunkantennen" herabgesetzt werden müssten.
Dieses unscharfe Ergebnis dürfte der "Rimbach-Studie" ein ähnliches Schicksal bescheren, wie anderen vor ihr: Jeder kann aus ihr nach Belieben sein persönliches Ergebnis herauslesen. Die Beteiligten allerdings halten weiterhin keine wirklichen Antworten auf ihre Fragen in der Hand. Deshalb sind Blutuntersuchungen ein zweifelhaftes Instrument, das den Betroffenen weder die Sorge vor gesundheitlichen Folgen nimmt noch eine Bestätigung ihrer Sorgen erbringt."

Quelle: Hese-Forum

Troll-Wiese: http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=18203

Tags:
Blutuntersuchung, Bluttest, Rimbach, Ostallgäu, Reticulozyten


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