Die von Klitzing-Studie (1995): Mythos mit Kratzern (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 01.06.2013, 23:26 (vor 2387 Tagen)

Die von Klitzing-Studie des Jahres 1995 gilt als erste Studie, die sich mit der biologischen Wirkung eines gepulsten Funkfelds auseinandersetzte. Die Pulsung eines Trägersignals im Sinne der Aussendung von Signalpakten (Bursts) wurde erst 1992 mit der Einführung des cellularen GSM-Mobilfunks in großem Umfang praktiziert, zuvor waren ungepulste Trägersignale üblich. Von Klitzing berichtete, bei Probanden habe sich das EEG (Alphawellen) während der Befeldung stark verändert, und dieser Effekt habe noch Stunden nach der Befeldung angehalten. Das Original der Studie konnte ich im www öffentlich einsehbar nicht finden, ein Mitgliedern der IEEE/ICES vorbehaltenes PDF der Arbeit gibt es hier.

Technische Kerndaten des Experiments
Gemäß EMF-Portal galten bei dem Experiment folgende Expositionsparameter: Pulsung mit GSM-typischen 217 Hz, aufs Gehirn in 6 cm Tiefe einwirkende Leistungsflussdichte 1 µW/cm² (10 mW/m²). Die Leistungsflussdichte im Hirn wurde berechnet, welche Leistungsflussdichte außerhalb des Kopfes aufgebracht werden musste, um im Kopf 10 mW/m² zu erzielen, wird nicht angegeben, es ist jedoch klar, dass dieser Wert merklich höher sein muss.

Limitationen
Die Angabe der Trägerfrequenz fehlt beim EMF-Portal, die IEEE-Datenbank weiß jedoch: es waren 150 MHz. Diese 150 MHz liegen weitab von den zu jener Zeit allein üblichen GSM-Frequenzen (900 MHz und 1800 MHz).

Von Klitzing publizierte gemäß diesem PDF "Studien - kontrovers diskutiert" aus dem Jahr 2005 seine Arbeit in der Zeitschrift "Physica Medica". Jedoch nicht auf übliche Weise, sondern als "Letter to the Editor" (Brief an die Redaktion). Das PDF bringt die Stellungnahme von Fachgremien zur von Klitzing-Studie und behauptet, die Arbeit habe nicht reproduziert werden konnen.

Der Link zur von Klitzing-Studie auf der Journal-Website (genannt im EMF-Portal) ist heute tot. Die Suche nach "Klitzing" auf der Website von "Physica Medica" verlief ergebnislos, es sieht alles danach aus, dass die von Klitzing-Studie dort nicht mehr angeboten wird.

Fehlerhafte Darstellungen
Nachfolgend einige fehlerhafte Darstellungen der von Klitzing-Studie, die Fehler sind fett markiert. Es scheint außerordentlich schwierig zu sein, die Intensität der Befeldung richtig zu beziffern. Vermutlich kommen die vielen fehlerhaften Angaben zur Befeldungsstärke daher, dass einer vom anderen abschreibt und Fehler sich so ausbreiten können. Außerdem wird nahezu immer verschwiegen, dass die genannte Leistungsflussdichte einen Wert im Kopf nennt, nicht einen Messwert, den man mit "Knatterbox" vor dem Kopf messen kann! Ich muss allerdings zugeben, dass mir dieser bedeutsame Unterschied auch erst jetzt aufgefallen ist, nachdem ich das im EMF-Portal gelesen habe.

Baubiologie Maes (1994?): Wurde bisher viel von den biologischen Risiken gesprochen, so wusste doch keiner, wo und in welchem Abstand diese Risiken zu erwarten sind. Wurde uns z.B. durch die Forschungen von Dr. Lebrecht von Klitzing klar, dass bei der Strahlungsstärke von 1 Milliwatt pro Quadratmeter mit Effekten im EEG gerechnet werden muss, also mit Hirnstromveränderungen, so ahnte bisher niemand, wo diese 1 mW/m² im Alltag anzutreffen sind.

Baubiologie Maes (1998): Lebrecht von Klitzing, Medizin-Physiker der Universität Lübeck, fand bei Laborversuchen Hirnstromveränderungen bereits bei 1000 μW/m².

Wohnbiologie W. Sickert (2000): Bereits 1992 stellte Dr. Lebrecht von Klitzing, Medizinphysiker an der Universität Lübeck, fest, daß die gepulsten Handys "zu ungewöhnlichen Peaks im 10-Hertz-Bereich des EEG's führen". Dies kann zu einer Beeinträchtigung des Reaktions- und Konzentrationsvermögens führen. Die Reaktion des Gehirns trat bei den Tests erst nach Minuten ein, wobei "die Peaks erstaunlich lange Zeit nachweisbar waren, einige Stunden bis einige Tage, auch, wenn Strahlenquelle längst ausgeschaltet war. Das ist eine ungewöhnlich lange Reaktion auf einen kurzen Reiz". Diese Effekte traten schon bei 0,1 mW/cm2 auf.

Bürgerwelle/Öko-Test (2002): Dr. Lebrecht von Klitzing, Medizin-Physiker der Universität Lübeck, fand bei Laborversuchen Hirnstromveränderungen bereits bei 100 nW/cm² ...

Das Handyhandbuch (2005): 1993 fand der Medizin-Physiker Dr. Lebrecht von Klitzing, dass sich nach 15- bis 20-minütiger Einwirkung einer mit 217 Hz gepulsten hochfrequenten Strahlung (wie GSM) die Hirnströme (gemessen als Elektro-Enzephalogramm) von Menschen verändern. Diese Veränderungen blieben 24 Stunden und länger nachweisbar, als die Strahlung bereits ausgeschaltet war. Klitzing arbeitete mit Feldern sehr geringer Energieflussdichte im Bereich von 10 mW/m2. Bei ungepulsten Feldern gab es keine Effekte.

Sogenannte Komptenzinitiative (2009): Die KO-Ini läuft hier außer Konkurrenz, ich bringe sie nur wegen ihres komischen Hangs zur Wichtigmacherei, die auch vor von Klitzing nicht Halt macht: Dr. rer. nat. Lebrecht von Klitzing,
visit. Prof. (CN), (Stockelsdorf); Biochemiker und Medizinphysiker; bis 2002 an der Medizinischen Universität zu Lübeck; gegenwärtig Leitung des Instituts für Umweltphysikalische Messungen GbR in Stockelsdorf.
[Anm. Spatenpauli: Das "Institut" und den "Leiter" hat die KO-Ini erfunden].

IZgMF (2010): 1995 stellte Lebrecht von Klitzing (LvK) bei Versuchen mit 1 mW/m² fest, dass ein gepulste Mikrowellensignal (150 MHz) sich aufs EEG von Probanden auswirkt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Klitzing, Mythos, Hirnstromveränderung, IEEE-Datenbank


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