Die Tricks von Diagnose-Funk: Macht Mobilfunk dumm? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 01.04.2020, 14:44 (vor 568 Tagen)

Über seinen Ableger Diagnose-Media ist der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose Funk seit etwa drei Jahren mit der 2005 emeritierten Neurobiologin Gertraud Teuchert-Noodt eng verbandelt. Jede verwertbare Äußerung Teuchert-Noodts wird von Diagnose-Funk genau beobachtet, als wäre sie Chefin der U.S.-Notenbank Fed, und postwendend an Mobilfunkgegner weitergereicht. Dies führt dazu, dass die Neurobiologin in der Anti-Mobilfunk-Szene überrepräsentiert ist. Äußerst hilfreich ist dabei, ähnlich wie bei Klaus Buchner, der autoritäre Mehrwert Teuchert-Noodts, der sich in Gestalt von ein oder zwei Doktorgraden und eines Professorentitels ausdrückt und auch für Diagnose-Funk Segen bringt, denn die Stammbelegschaft des Vereins war beim Erwerb akademischer Aushängeschilder eher zurückhaltend. Der Verein kokettiert deshalb bevorzugt mit Teuchert-Noodt in vollem Ornat (Prof. Dr.) und "vergisst" gerne die Randnotiz, dass seine Expertin seit 15 Jahren im Ruhestand ist.

Diagnose-Funk greift personell nahezu ausnahmslos auf Akademiker zurück, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Dies ist immer dann bedenklich, wenn diese Experten aus Fachgebieten mit dynamischer Entwicklung kommen. Denn es liegt auf der Hand, private Ex-Wissenschaftler mögen im Vergleich zu Laien zwar fundierte Standpunkte haben, die fehlende Berufspraxis und die Abkopplung von der weltweiten wissenschaftlichen Gemeinschaft (z.B. auf Tagungen, Kongressen) führt mit der Zeit wachsend zu einem veralteten und/oder verzerrten Wissensstand.

Am 11. März 2020 gab Teuchert-Noodt der lokalen Tageszeitung Neue Westfälische ein Interview, das im Original nur kostenpflichtig zu lesen ist, von Diagnose-Funk hingegen gratis angeboten wird.

Doch wer das Interview aufmerksam liest kann feststellen: Teuchert-Noodt wettert, ob zurecht oder nicht tut hier nichts zur Sache, gegen Handys, Notebooks und Tablets in Schulen und begründet dies mit der biologischen Entwicklung des Gehirns von Menschen, die erst im Alter zwischen 18 und 20 Jahren abgeschlossen sei. Die Neurobiologin redet von einer schon "verlorenen Generation" und von einem Absacken unserer Gesellschaft "auf ein verdummendes Niveau". Aber Vorsicht:

Funkstrahlung erwähnt die Neurobiologin mit keiner Silbe!

Warum aber steht dann dieses Interview überhaupt auf der Website von Diagnose-Funk und nicht (allein) auf einer Seite von Diagnose-Media?

Aus meiner Sicht hofft Diagnose-Funk auf die Unachtsamkeit seiner Leser, die den wahren Sachverhalt überlesen und irrtümlich den Trugschluss ziehen, Teuchert-Noodt wolle Handys, Notebooks und Tablets wegen schädlicher Funkstrahlung aus den Schulen verbannen. Dieser Trugschluss ist bei überzeugten Mobilfunkgegnern die kognitive Verzerrung der Realität durch einen Bestätigungsfehler. Da dieser Fehler leicht absehbar ist, lässt er sich auch gezielt provozieren.

Den Verdacht der gezielten Irreführung hege ich gegenüber Diagnose-Funk seit Gründung von Diagnose-Media 2016. Denn mit seiner Strahlenphobie allein war Diagnose-Funk wenig erfolgreich. Schon glaubwürdiger sind dagegen pädagogische Bedenken. Gegen eine saubere Trennung von Diagnose-Media (pädagogische Bedenken gegen Handys, Notebooks und Tablets) und Diagnose-Funk (mit Funkstrahlung begründete Bedenken gegen Handys, Notebooks und Tablets) wäre nun nichts einzuwenden. Wohl aber gegen die diffuse Vermischung der Bedenken, die sowohl bei Diagnose-Funk als auch bei Diagnose-Media zu beobachten ist. Der Trick (Trojanisches Pferd) beruht darauf, mit rationalen pädagogischen Einwänden bei Laien Zustimmung zu ernten und nebenbei irrationale Einwände gegen Funkstrahlung gleich mit in die Zielpersonen einzuschleusen.

Die Funkemission von Handys, Notebooks und Tablets macht nicht dumm. Zu diesem Ergebnis kam u.a. 2007 ein Forschungsprojekt, das über drei Generationen hinweg Ratten einer starken lebenslangen Ganzkörper-Dauerbefeldung (GSM, UMTS, 0,4 W/kg) aussetze. Aus den nach verschiedenen Verfahren analysierten Untersuchungsergebnissen zu den "kognitiven" Fähigkeiten der Versuchstiere ließ sich nicht ableiten, dass eine chronische Exposition zu Änderungen der operanten Verhaltensleistung von Ratten führen, die als Beeinträchtigungen der Lernfähigkeit oder der Gedächtnisleistung interpretiert werden könnten (Volltext).

Hintergrund
Diagnose-Media im IZgMF-Forum
Teuchert-Noodt kritisch gesehen

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Irreführung, Trick, Trugschluss, Medienkompetenz, Media, Ruhestand, Teuchert-Noodt, Rentnerband


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