Psychische Krankheiten korrelieren nicht mit Mobilfunkausbau (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 22.02.2017, 21:06 (vor 789 Tagen)

Mobilfunkgegner mühen sich seit langem ab, die bröckelnde "Volksgesundheit" als Opfer einer schleichenden "Verstrahlung" durch Mobilfunk hinzustellen. Belege werden dazu nicht beigebracht, es genügt den Gegnern schon, wenn eine Krankenkasse nur die Zunahme der einen oder anderen Krankheit meldet. Reflexartig kommen dann Gegner aus ihren Verstecken und behaupten mehr oder weniger dreist, Ursache der Entwicklung sei die zunehmende "Verstrahlung" der Bevölkerung.

Seit Jahren begeistern besonders Psychische und Verhaltensstörungen (ICD10-Diagnosecode F00 bis F99) die Gegner, denn keine Krankheit nimmt in vergleichbarer Weise seit über 20 Jahren stetig zu und eignet sich damit vorzüglich zum Alarmieren auf dem Niveau des Munkelns & Raunens.

Sollte zwischen den P-Krankheiten und dem Ausbau der Mobilfunknetze seit 1992 ein kausaler Zusammenhang bestehen, müsste sich dieser z.B. in der grafisch dokumentierten Entwicklung der Krankheiten und der Mobilfunkverbreitung in Deutschland zeigen lassen. Für beiden Entwicklungen gibt es seriöse Datenquellen: Die BNetzA berichtet über die Entwicklung der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland (Anzahl SIM-Karten), die Gesundheitsbericherstattung des Bundes gibt Auskunft über die Anzahl von Patienten, die wegen P-Krankheiten ins Krankenhaus mussten. Aus diesen beiden Datenbeständen entstand die folgende Grafik.

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Grafik: IZgMF

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt es zwischen der blauen Kurve (P-Krankheiten) und der roten (Anzahl Mobilfunkanschlüsse) keinen Zusammenhang. Nur 1999 und 2000, als der Mobilfunk mit sagenhaften Zuwachsraten sprunghaft mehr Teilnehmer gewann, könnte dies 2001 mit einem Jahr Verzögerung zu einer leichten vorübergehenden Zunahme der P-Krankheiten geführt haben. Vielleicht weil die vielen Neuzugänge mit der neuen Technik nicht richtig umgehen konnten und in Stress gerieten. Abgesehen von diesem marginalen möglichen Zusammenhang geben die beiden Kurven keinerlei Anlass, Mobilfunk als Verursacher für die Zunahme der P-Krankheiten zu verdächtigen, deren beständige Zunahme muss andere Ursachen haben. Insbesondere zwei Umstände entlasten den Mobilfunk: Bereits 1994 ist der Trend der P-Krankheiten offensichtlich, damals gab es aber gerade einmal 2,48 Mio. Mobilfunkkunden, denn erst Mitte 1992 wurde der Digitalfunk in Deutschland eingeführt.

Auch am anderen Ende, ab 2014, zeigt die blaue Kurve der P-Krankeiten einen Verlauf, der Mobilfunk entlastet: Die Kurve flacht 2014 ab und 2015 kam es sogar zu einer Trendwende mit sinkender Anzahl neuer Patienten. Doch 2015 war die Anzahl der Mobilfunkanschlüsse konstant hoch und was vielleicht noch wichtiger ist, die mittlere Nutzungsdauer von Handys/Smartphones war so lange wie nie zuvor. Gäbe es einen Kausalzusammenhang zwischen P-Krankheiten und Mobilfunk, die blaue Kurve müsste ganz anders verlaufen und nicht nach unten wegknicken, sondern nach oben.

Hintergrund
Die Datenbasis (Tabellen mit Diagnosedaten) der Gesundheitsberichterstattung des Bundes für P-Krankeiten ist zweigeteilt, der aktuelle Teil umfasst den Zeitraum von 2000 bis 2015. Der zweite Teil umfasst den Zeitraum von 1994 bis 1999, anstelle von F00 – F99 sind dort die Diagnosecodes gemäß ICD09 genannt (290 – 319 Psychiatrische Krankheiten). Für die Grafik oben sind beide Tabellen zusammengefasst worden. Quelle der Entwicklung der Anzahl Mobilfunkanschlüsse sind die Jahresberichte der BNetzA.

Hier gibt es ein Beispiel, wie Mobilfunkgegner versuchen, mit substanzlosen Sprechblasen Zusammenhänge zwischen der Verbreitung des Mobilfunks und der Zunahme von Kopfschmerzen in der Bevölkerung zu konstruieren.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Digitalfunk, Z58, Verhaltensstörung, Smartphone, Krankenkassen, Mobilfunkausbau, Krankenhaus


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