Falsche Schlüsse (116): Amtsschimmel sucht Hundehütte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 28.01.2019, 21:35 (vor 355 Tagen) @ H. Lamarr

(SZ) Volkswirtschaft ist eine komplizierte Sache. Wie hoch sind zum Beispiel die Baukosten, wenn die öffentliche Hand eine Hütte für den Wachhund einer Bundesliegenschaft (nicht Bundesligamannschaft) errichtet? Private Anbieter, etwa für das Modell „Lassie“ mit Flachdach, berechnen ca. 230 Euro, doch kommt dies für den Bund nicht in Frage, da es sich um einen sicherheitssensiblen Bereich handelt. Zunächst fertigt daher die nachgeordnete Behörde eine Berechnung für das Ministerium an, in der die Entwicklungs- und Erstellungskosten für die Hundehütte aufgelistet sind. Das Ministerium gibt den Voranschlag zurück und bemängelt, dass der Steuerzahler mit etwa 30 Euro mehr als beim Kauf eines handelsüblichen Unterschlupfs belastet werde. Auch wird eine Konkretisierung der Nutzungsstrategie angefordert, da sich die Hütte für hundgerechte Ruhezeiten gemäß der Diensthundevorschrift DHV zu eignen habe, andererseits aber keine Anreize für überlanges Schlummern und Verweilen bieten dürfe, da das Tier die weitläufige Liegenschaft regelmäßig zu patrouillieren hat.

Nun versucht die nachgeordnete Behörde, den Bedenken Rechnung zu tragen, was den Kostenrahmen aber versiebenfacht. Dann jedoch legt das Bauprüfungsamt per Gutachten dar, dass die Entwicklung des Tierschutzrechtes schon bald umfängliche Nachjustierungen wie den Einbau eines nachhaltig produzierten Bundeshundekorbs erfordern könnte, wofür das Projekt technisch bereits jetzt auszulegen sei. Die Liegenschaftsleitung beklagt derweil die Verzögerung, da das Dienstmittel Tier wegen seiner witterungsbedingt vereisten Pfoten die Nacht lang jaule. Auf Intervention des Deutschen Beamtenbundes allerdings müssen die Pläne gänzlich neu erstellt werden: Es sei einem Diensthund, der aufgrund seiner Tätigkeit für exekutiv operative Einheiten hohe Verantwortung trage, nicht zuzumuten, den Fressnapf außerhalb der Hütte nutzen zu müssen.

Das Ministerium setzt nun eine Evaluierungskommission nach Maßgabe des Haushaltssicherungsgesetzes ein, die Sorge tragen soll, dass die Hütte nicht mehr als 20 000 Euro kostet. Andernfalls sei eine alternative Lösung in Betracht zu ziehen. Da verweist der Rechnungshof auf den Präzedenzfall, dass die Deutsche Marine wegen der Kostenpotenzierung auf die Sanierung des Segelschulschiffs Gorch Fock am Ende verzichtet habe, da es wesentlich günstiger war, den 1916 durch Einwirkung der Royal Navy gesunkenen Großen Kreuzer Lützow vom Meeresboden des Skagerrak zu bergen und instandzusetzen. Innerhalb von nur zwei Jahren wird daher eine behördenübergreifende Einigung erzielt, dem Diensthund die nicht mehr benötigte Kapitänskajüte der Gorch Fock zu übereignen. Alle Teilnehmer zeigen sich zufrieden mit dieser unbürokratischen Lösung. Die Auslieferung der ersten Einzelteile soll bereits 2023 erfolgen.

Quelle: Streiflicht (Glosse) in Süddeutsche Zeitung vom 27. Januar 2019

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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