Falsche Schlüsse (22): Ist mir doch wurscht! (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 30.07.2011, 21:39 (vor 3296 Tagen) @ H. Lamarr

Heute habe ich ein kleines Experiment gemacht, dessen Ergebnis mir zu denken gibt.

Autoschrauber kennen sicher diese kleine Metallschale für Kleinteile wie Schrauben und Muttern, auf der Unterseite hat sie einen gummierten Dauermagneten. Das Schälchen haftet daher auch an Stellen der Karosserie fest, wo andere Behälter, wenn sie dort überhaupt halten, bei der kleinsten Berührung runterrutschen.

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So ein Schälchen hatte ich also heute dabei, als ich zu meinem Auto ging, um ins Büro zu fahren. Aus Jux und Tollerei "pappte" ich das Schälchen hinten links aufs Autodach und legte zur Dekoration noch ein paar Inbusschlüssel mit hinein, auch sie hielt der Magnet im Boden der Schale fest. Die Idee dabei war: Wann werde ich auf der rd. 20 Minuten Fahrt quer durch München von meinen Mitbürgern auf das Schälchen angesprochen? Für Außenstehende muss der Behälter auf dem Wagendach nämlich ziemlich bedrohlich wirken, jederzeit imstande herunterzufallen und wie ein Querschläger gefährlich durch die Gegend zu surren.

Schon beim Ausparken kreuzte ein Fußgänger meinen Weg. Er musste das Ding auf dem Autodach aus nächster Nähe gesehen haben, gingt jedoch ohne jede Regung weiter. Während der Fahrt waren dann viele Autos hinter mir, niemand aber fuchtelte beim Überholen herum, um mich auf die vermeintliche Gefahr am Heck hinzuweisen. Fehlanzeige auch in den Rotphasen vor Ampeln, niemand machte sich die Mühe auszusteigen und nach vorne zu mir zu kommen, Passanten an den Ampeln glotzten nur. Auch dem Linienbusfahrer direkt hinter mir war mein Schälchen auf dem Autodach schei...egal. Um es kurz zu machen: Ich kam im Büro an, ohne dass ich den kleinsten Hinweis darauf bekommen hätte, dass sich auf dem Dach meines Wagens ein sturzbereiter Fremdkörper befindet.

Was ist das?

Ich weiß nicht was das ist, ich kann nur vermuten, dass es ein beängstigend tiefes Desinteresse ist, ob ein Fremder zu Schaden kommt oder nicht. Und ich halte es für leicht möglich, dass unter denjenigen, die mich heute völlig teilnahmslos mit dem Schälchen auf dem Autodach haben weiter fahren lassen, auch welche sind, die ebenso teilnahmslos an Mobilfunk-Sendemasten vorbeifahren. Es sei denn, so ein Mast wird innerhalb ihres Angstkreises errichtet. Dann erwacht der Wutbürger, der wie selbstverständlich erwartet, dass ab sofort Presse, Funk und Fernsehen nur noch eines im Sinn haben: Anteil nehmen und Aufmerksamkeit schenken.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
, Experiment, Angskreis


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