Medienschelte: Erst Kommentatoren müssen es gerade richten (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 05.08.2018, 13:23 (vor 471 Tagen) @ KlaKla

Siegfried Blickle, Mitglied der Bürgerinitiative Mobilfunk, hatte darauf Oberbürgermeister Julian Osswald geschrieben und [...] weist [...] darauf hin, dass mit Einführung des Mobilfunkstandards 5 G die Zwangsbestrahlung, zum Beispiel durch den Sender in der Hartranft­straße um rund 2400 Prozent ansteigen werde.

100 Prozent wäre eine Verdopplung, 1000 Prozent wäre etwa mehr als eine Verzehnfachung, 2400 Prozent entspräche einer Verfünfundzwanzigfachung der Immission. Fazit: Der "Experte" Blickle verbreitet Stuss.

Die Belange für eine Vielzahl von elektrosensiblen Menschen würden ignoriert, schreibt Blickle. ...

Nur wer nichts weiß, muss alles glauben. Herr Blickle hat nicht erkannt, dass einschlägige Meldungen über "viele Elektrosensible" Märchen aus der Provinz sind.

An anderer Stelle wird Herr Blickle als "Amateurfunker" vorgestellt (viele Funkamateure hassen diesen Begriff). Auch dort wird der Mann zitiert, dass einem die Haare zu Berge stehen:

Auch die Bürgerinitiative Mobilfunk hat sich inzwischen mit dem Thema Sendeanlage auf dem Kniebis beschäftigt. Deren Mitglied Siegfried Blickle, der früher Amateurfunker war und als Experte für Mobilfunkanlagen gilt, hat ausgerechnet, dass sich die bisher genehmigte über die Antennen abgestrahlte Sendeleistung von etwa 20 000 auf einen Wert zwischen 100 000 und 150 000 Watt erhöht und somit die Strahlenbelastung um den Faktor fünf bis 7,5 ansteigt. Es handle sich somit umd einen "explosionsartigen Anstieg" der Strahlenbelastung. Das hatte Stadtrat Karl Müller bereits in der Sitzung des AIU moniert.

Kommentar: Die unqualifizierten Darlegungen von Herrn Blickle sind falsch, irreführend und schüren ungerechtfertigte Ängste in der Bevölkerung. Es kann mMn nicht Aufgabe der Medien sein, "selbsternannte Experten" ungehindert zu Wort kommen zu lassen und darauf zu hoffen, dass später in den Kommentaren zu den Artikeln inkompetente Darstellungen schon irgendwie berichtigt werden würden. Der Schwarzwälder Bote verlagert so seine journalistische Verpflichtung, anderslautende Standpunkte zu Streitthemen einzuholen, exklusiv auf die Leserschaft. Das finde ich nicht in Ordnung.

Bei dem älteren Artikel im Schwarzwälder Boten (oben zweiter) wurde Herrn Blickle noch vehement und fachkundig widersprochen, bei dem erstgenannten jüngeren Artikel (vielleicht aus Resignation) aber schon nicht mehr. Ich wünschte mir deshalb, die Redaktion würde Entgegnungen von kompetenter Seite gleich in die Artikel selbst mit einfügen. Nicht immer, denn der Aufwand dafür ist groß, doch zumindest bei Reizthemen wie "Mobilfunk", bei denen der tatsächliche Sachstand schon seit vielen Jahren durch zahllose unqualifizierte Wortmeldungen bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wird.

Wahrscheinlich betreiben die Verlage das Spiel mit den Kommentaren aus kaufmännischem Kalkül heraus ganz bewusst, denn die mit einseitigen Artikeln und Falschaussagen angelockten Kommentatoren bringen ihnen ein wertvolles Gut: Klicks. Klicks sind die Währung, die heute maßgeblich die Anzeigenpreise bei Medien bestimmen, je mehr Klicks ein Objekt nachweisen kann, desto teurer die Anzeige.

Wort am Sonntag: Wer die bürgerliche Mobilfunkdebatte länger beobachtet muss mit Augentinnitus rechnen: Pfeifen, wohin man schaut :-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Desinformation, Medien, Zwangsbestrahlung, Freudenstadt, Schwarzwälder-Bote, Funkamateure, Fachkompetent, Blickle


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