Glanz und Elend organisierter Mobilfunkgegner (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 01.04.2019, 14:24 (vor 230 Tagen) @ H. Lamarr

Stand heute haben alle Anti-5G-Petition in Deutschland 72'188 Unterstützer, das Berliner Olympiastadion ist damit gut gefüllt aber nicht ausverkauft. Nimmt man noch Österreich und die Schweiz hinzu, sind es, vorausgesetzt es wurde nicht manipuliert, maximal rd. 138'000 Personen, die in den D-A-CH-Ländern gegen 5G protestieren. Maximal, weil jeder 5G-Gegner sich an mehr als einer Petition beteiligen kann. Bei einer Gesamtbevölkerung von rd. 100 Millionen haben die 5G-Petitionsteilnehmer damit einen überschaubaren Bevölkerungsanteil von 0,138 Prozent.

Die bislang rund 140'000 5G-Gegner in den D-A-CH-Ländern machen auf den ersten Blick schon etwas her. Denn üblicherweise gelingt es der Anti-Mobilfunk-Szene nicht, mehr als ein paar hundert Mitstreiter zu mobilisieren. Abgesehen von dem starken Manipulationsverdacht gegenüber den privaten Petitionsplattformen gibt es noch eine weitere Erklärung für den vergleichsweise starken Auftritt der Funkgegner.

Um eine Anti-5G-Petition zu unterstützen genügt es, wenn Sofa-Mobilfunkgegner nur einen Finger krumm machen, während sie nebenbei mit ihrem Smartphone weiter angeregt telefonieren :-). Doch wie finden diese Leute zu den Petitionen? Auch dafür gibt es eine Erklärung. Kommerziell orientierte Mobilfunkgegner starten immer wieder vermeintlich dumme Appelle und Petitionen. Scheinbar, um dem Protest der Bevölkerung ein Ventil zu geben, aus meiner Sicht in Wahrheit aber, um heimlich E-Mail-Adressen von potentiellen Gesinnungsfreunden für spätere Verwendung zu sammeln. Ein typisches Beispiel ist der "Internationaler Ärzte-Appell", der seit 2012 im Netz steht und nach wie vor beworben wird, ohne dass jemals etwas darüber bekannt wurde, was die Initiatoren mit ihrem Appell gemacht haben – außer Adressen zu sammeln. Derartige Adresspools können nun vielfältig Verwendung finden, z.B. bei Petitionen, um dort von Helfern "echte" E-Mail-Adressen eintragen zu lassen, bei denen die Chancen hoch stehen, dass eine zur Zählung erforderliche Quittung erteilt wird.

Das ganze Elend der organisierten Mobilfunkgegner wurde am 19. März 2019 in Mainz sichtbar, anlässlich des Starts der 5G-Lizenzauktion. Ein Redakteur von teletarif.de war vor Ort, sein Bericht zeigt auch ein Foto der zum Protest angereisten Mobilfunkgegner. Es zeigt weder tausende noch hunderte 5G-Gegner, sondern ein Häuflein von vier Personen. Die übrigen 72'000 deutschen 5G-Gegner konnten sich nicht dazu aufraffen, vom Sofa aufzustehen. Ein dumm gelaufener Einzelfall? Nein, denn die Szene dümpelt seit bald 20 Jahren auf konstant niedrigem Niveau. Die schmerzhafteste Demütigung erlebte der Verein Diagnose-Funk 2012 bei einer über Monate hinweg angekündigten "Großdemonstration" in München, bei der sich dann vielleicht 60 verstörte Gegner versammelten. Nur einmal (2009) gelang es vermeintlich, mehr als tausend für einen Protestmarsch durch Stuttgart zu mobilisieren. Doch das war ein ausgemachter Schwindel.

Die Anti-Mobilfunk-Szene krankt seit jeher daran, dass Mobilfunkgegner dissozial sind: Sie interessieren sich allein für den Sendemasten vor ihrer Nase, was 300 Meter weiter weg passiert stößt bereits auf Desinteresse. Schließlich wollen auch Mobilfunkgegner mit ihren Smartphones ein möglichst gut ausgebautes Netz nutzen, nur vor ihrer Haustür möge bitteschön kein Mast stehen. Eben deshalb wird diese Szene auch in Zukunft ein Schattendasein fristen und unter einem ständigen Personalwechsel leiden. Ausgenommen sind kommerziell interessierte und restlos überzeugte Mobilfunkgegner. Dieses Grüppchen von geschätzt derzeit 500 bis 800 Personen in Deutschland bildet den harten Kern der Szene, alle anderen kommen und gehen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Lobbyarbeit, Geschäftemacher, Blendwerk, Petition, Außenseiter, Dissozial, Kampagne, Tea-Party, Symposium, Viralmarketing


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