EU-Umweltagentur (EEA) warnt vor Mobilfunk (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 18.01.2009, 15:48 (vor 3894 Tagen) @ H. Lamarr

K.o.-Argument: Die EU-Umweltagentur warnt vor den Gesundheitsrisiken der Mobilfunktechnik und vergleicht diese mit Asbest! (hier eine von vielen so oder so ähnlich lautenden Alarmmeldungen)

Die Tatsachen: Nein, die EU-Umweltagentur (EEA) warnt eben nicht - wie behauptet - eindringlich vor den Gefahren der Mobilfunktechnik, das ist nur der Käse, wie ihn schlecht informierte Kritiker und nachlässige Journalisten verbreiten. In Wirklichkeit geht die EEA weit weniger marktschreierisch ans Werk wenn sie selbst verlauten lässt:

Although the EEA does not have specific expertise in EMF, the case studies of public hazards analysed in the 'Late lessons [http://reports.eea.europa.eu/environmental_issue_report_2001_22/en] ' publication show that harmful exposures can be widespread before there is both 'convincing' evidence of harm from long-term exposures, and biological understanding of how that harm is caused.

Im Oktober 2007 hat Teilnehmer Kuddel die Legendenbildung um die EEA gerade gerückt: Die EEA bestätigt also keineswegs die Gesundheitsgefahren als "wissenschaftlich bewiesen", sondern sie gibt zu, daß ihr für die Beurteilung die fachliche "Expertise" fehlt. Sie sagt auch nicht, daß das "Mobilfunkrisiko vergleichbar mit den Gefahren von Asbest und PCB ist", sondern nur daß es in der Vergangenheit im Fall von Asbest und PCB schon gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt wurden, bevor überzeugende Beweise für die Schädlichkeit gefunden- und die Wirkungsmechanismen verstanden wurden.

Auslöser für die Reaktion der EEA ist ein Mitte 2007 erschienener wissenschaftlicher Report der sogenannten BioInitiative:

A new report raising concerns about the effects of electromagnetic fields (EMF) on human health calls for tougher safety standards to regulate radiation from mobile phones, power lines and many other sources of exposure in daily life. The report, 'Bioinitiative: A Rationale for a Biologically-Based Public Exposure Standard for Electromagnetic Fields' was compiled by the BioInitiative Working Group, an international group of scientists, researchers and public health policy professionals.

Zu diesem Report der BioInitiative gibt es mittlerweile etliche kritische Stellungnahmen, die am Lack dieses Reports kratzen. So ist Cindy Sage, Initiatorin und Mitautorin des Reports nicht, wie es zuweilen gerne dargestellt wird, eine Wissenschaftlerin. Vielmehr betreibt Frau Sage in Kalifornien ein Geschäft, das hierzulande unter der Kategorie baubiologische Beratung und Sanierung einzuordnen ist. Cindy Sage steht daher in einem Interessenskonflikt, denn je größer die Angst vor elektromagnetischen Feldern (EMF) in der Bevölkerung ist, desto besser läuft ihr Geschäft. Eigenartigerweise wird dieser unstrittige Interessenskonflikt von Cindy Sage auf Seiten der Mobilfunkkritiker komplett ausgeblendet, ebenso wie der von Prof. Franz Adlkofer.

EEA erwähnt in Jahresvorschau 2009 Mobilfunkrisiken nicht mehr

Die Broschüre „Signale“ wird von der Europäischen Umweltagentur jedes Jahr zu Jahresbeginn veröffentlicht und enthält aktuelle Beiträge zu Themen, die im Laufe des Jahres sowohl für die Diskussion umweltpolitischer Fragen als auch für die breitere Öffentlichkeit von Interesse sein dürften. Am 9. Januar erschien die Ausgabe für 2009. Gesundheitsrisiken infolge Mobilfunkfeldern werden darin - mit keiner Silbe mehr erwähnt.

Siehe auch ...
EU-Kommission tadelt intern EU-Umweltagentur wegen EMF-Alarm
EU-Umweltagentur warnt vor Handystrahlung

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologie, BioInitiative, Vetternwirtschaft, Seilschaft, Sage, EEA


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