Handys funktionieren auch bei weniger als 1 µW/m² (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 01.12.2008, 12:28 (vor 4026 Tagen) @ H. Lamarr

Hier ein Beispiel, wie dieses K.o.-Argument in Kempten vorgetragen wurde:

Außerdem, erläutert Franz Josef Krumsiek von der BI, «funktioniert ein Handy bereits bei einer Strahlung weit unter einem Mikrowatt». Einen Handy-Empfang in Häusern strebt die Initiative nicht an, stellt der Diplom-Ingenieur klar: «Wir wollen eine strahlungsfreie Zone innerhalb der eigenen vier Wände und setzen auf Outdoor-Versorgung.» (Quelle)

Vorausgesetzt er wurde korrekt zitiert suggeriert der Diplom-Ingenieur einem Laien-Publikum, die Sendeleistung von Sendemasten sei total überhöht und ein Mobilfunknetz könne mühelos auch mit dramatisch weniger Sendeleistung auskommen. Der kapitale Denkfehler bei dieser Argumentation ist leicht erklärbar. Selbstverständlich funktioniert ein Handy selbst bei sehr schwachen Feldern von 1 µW/m² und weniger noch ausgezeichnet. Nur so ist es möglich, dass ein Handy eine Mobilfunk-Basisstation auch noch über viele Kilometer gut empfangen kann, denn über diese Strecke hinweg wird die Feldstärke der Basisstation gemäß der Funktion 1/r kleiner und kleiner. Da ist es nur logisch, dass die Feldstärke im Nahfeld der Basisstation um ein Vielfaches höher sein muss, damit das Sendesignal die Strecke bis in die ferne Außenzone einer Funkzelle überwinden kann (vergl. Scheinwerferlicht). Wer auch die Ecken seines Rasens erreichen will muss den Wasserhahn eben weiter aufdrehen, als wenn er nur ein kleines Stück beregnen will. Klar, oder?

Dieses schlimme K.o.-Argument hat aber noch eine andere Dimension: Wer es bringt, der fordert - ohne es zu merken - eine drastische Verdichtung des Sendernetzes, im Extremfall pro Hausdach eine Antenne. Denn in so einem Fall kann die Sendeleistung jeder Station massiv reduziert werden, weil nur noch sehr kleine Strecken zu überbrücken sind. Wer jedoch so naiv ist, dieses K.o.-Argument zum "Verscheuchen" von Sendemasten (am liebsten auf den Mond) zu benutzen, dem wird es wohl auch nicht einleuchten, dass ein derartiger (hässlicher und bedrohlicher) Antennenwald auf Dächern tatsächlich eine erhebliche Feldminimierung zur Folge hat, wegen explodierender Kosten müssten die Betreiber dann jedoch mit Sicherheit Ihre Tarife deutlich verteuern - was noch viel stärker Proteste auslösen würde.

Merke: Ein Diplom-Ingenieur z.B. des Gartenbaus muss noch lange nicht einen blassen Dunst von der Feldausbreitung elektromagnetischer Wellen haben.

Nachtrag vom 27.11.2010: Da sich dem oben beschrieben K.o.-Argument auch anno 2010 noch ein Ex-Verwaltungsrichter nicht entziehen mochte, findet sich hier eine weiter vereinfachte Darstellung (mit Straßenlampen), warum sich die Mindestempfangsfeldstärke für ein Handy partout nicht dafür eignet, als Grenzwert Karriere zu machen.

Hintergrund: Diskussion mit technischen Details (Linkbilanz) im Forum.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Dauerbrenner, Inkompetenz, Blendwerk, Kempten, Krumsiek


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