Die STOA - ein europäisches Märchen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 03.04.2009, 23:12 (vor 3850 Tagen) @ H. Lamarr

K.o.-Argument: Das Europäische Parlament fordert in Gestalt seiner Wissenschafts-Direktion STOA den sehr tiefen Grenzwert 100 µW/m². In die Welt gesetzt hat dieses K.o.-Argument aller Voraussicht nach der Baubiologe Wolfgang Maes, er verbreitet es jedenfalls seit mindestens 2004 in einer Auflistung von Grenzwert-Forderungen.


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Die Tatsachen: Sinn und Zweck dieses K.o.-Arguments ist es, den Eindruck zu erwecken, auf höchster EU-Ebene im fernen Brüssel wisse man längst besser Bescheid über Elektrosmog-Risiken als hierzulande. Und weil die EU-Parlamentarier so tief durchblickten, würden sie den drastisch reduzierten Grenzwert von 100 µW/m² fordern. Diese Interpretation hört sich eindrucksvoll und wichtig an, dennoch ist sie ganz und gar abwegig!

Begründung: Das STOA (Scientific Technology Options Assessment) ist vergleichbar zum Büro für Technologiefolgen-Abschätzung des Deutschen Bundestags (TAB), also eine Organisation, die für andere Entscheidungshilfen bereitstellt, im Falle des STOA für die Komitees des Europäischen Parlaments. Ein Themenpapier des STOA ist jedoch noch lange keine Studie des STOA selbst, denn so ein Papier dürfen auch Fremdautoren verfassen und darin ihre eigene Meinung vertreten. Wenn z. B. ein mobilfunkkritischer Wissenschaftler so ein STOA-Themenpapier verfasst, kann man sich leicht denken, was drinstehen würde. Und so war es denn auch: Der britische Mobilfunkkritiker Dr. Gerard Hyland verfasste für die STOA so ein Themenpapier - und zwar schon 2001 - mehr zum Thema Mobilfunk hat das STOA seither nicht zu bieten (Stand: April 2009).

Wenn von einer STOA-Mobilfunk-Studie die Rede ist oder sonst irgendwie das STOA mit Mobilfunk in Verbindung gebracht wird, so bezieht sich dies alles ausnahmslos auf diese eine Arbeit von Hyland aus dem Jahr 2001. Diese Arbeit nun als offizielle EU-Stellungnahme auszugeben ist jedoch unzulässig. Denn am Schluss des Themenpapiers heißt es klar und deutlich (übersetzt): "Die in diesem STOA-Themenpapier vertretenen Ansichten geben nicht notwendigerweise die offizielle Meinung des Europäischen Parlaments wieder." Das Original des Hyland-Themenpapiers ist in englisch, eine (autorisierte) deutsche Übersetzung gibt es hier, wobei in der deutschen Übersetzung die Urheberschaft Hylands eigenartigerweise nicht mehr erkennbar ist, sondern ein ganz anderer Autor (Frederico Brucciani) genannt wird. Unter dem Begriff Electromagnetic fields and health bietet das STOA das Papier auch noch in anderen Sprachen an.

Weiterführendes zur STOA

Ersatzlinks
Da die oben gesetzten Links inzwischen tot sind, hier Ersatzlinks zu anderen Quellen (möglicherweise nicht autorisiert):
- Grenzwerttabelle von Baubiologie W. Maes
- Hyland-Themenpapier (englisch)
- Hyland-Themenpapier (deutsch)

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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