"Der unsichtbare Feind": Leserbriefreaktionen (Medien)

H. Lamarr @, München, Freitag, 27.12.2013, 12:12 (vor 2178 Tagen) @ Alexander Lerchl

Das Prozedere ist in der Anti-Mobilfunk-Szene seit langem erprobt: Kommt die Szene und ihr Thema in einer wichtigen Publikation schlecht weg, versuchen organisierte Mobilfunkgegner im Nachgang mit wütenden Protestschreiben an Redaktionen, mit Jammern bei Intendanten von Sendeanstalten oder mit empörten Leserbriefen und Stellungnahmen den Schaden zu relativieren. Aus meiner Zeit als Mobilfunkgegner weiß ich noch: Auf allen Kanälen werden Szenegänger intern aufgefordert, sich mit Protesten an die Redaktion und an möglichst hochstehende Repräsentanten der Verlagshierarchie zu wenden. Häufig schlägt dann die Stunde der akademischen Mobilfunkgegner, die am Schluss ihrer Protestschreiben alles an Titeln nennen, was ihr Lebenslauf hergibt. Wenn schon nicht die Argumente schwer wiegen, dann soll es wenigstens der hinterlassene Eindruck sein.

Auf Nachfrage gab die "Zeit" Auskunft, wie die Szene diesmal reagiert hat.

In einer aufgeregten Stellungnahme des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose Funk finden sich am Ende vier Leserbriefe, die in Ausgabe 37 der "Zeit" erschienen. Diese vier Leserbriefe waren die einzigen, die von der Leserbriefredaktion der "Zeit" zur Veröffentlichung ausgewählt wurden.

Insgesamt erhielt die "Zeit" 50 Leserbriefe zu dem Artikel. Dies seien auch für eine Titelgeschichte sehr viele und die allermeisten wandten sich so heftig gegen den Artikel, wie es die Auswahl der gedruckten Leserbriefe dokumentiert.

Max Rauner, einer der Autoren, erhielt, so schätzt er, 40 bis 50 Mails von Lesern, auf die meisten habe er geantwortet.

Mit gegenwärtig 183 Kommentaren zählt der Artikel auch in dieser Disziplin sicherlich zu den Spitzenreitern. In der Rangliste der meistkommentierten Artikel taucht er jedoch nicht auf. Die Zahl 183 allein sagt allerdings nicht viel, denn einige Kommentatoren haben etliche Kommentare verfasst und die Lust einiger Mobilfunkgegner, sich als einzelne Person unter beliebig vielen unterschiedlichen Pseudonymen zu äußern, ist jedem Leser hier vertraut.

Insgesamt zeigen die Reaktion auf den "Zeit"-Artikel ein bekanntes Dilemma: Radikale Minderheiten fluten mit verabredeten Stellungnahmen/Kommentaren/Leserbriefen öffentlich zugängliche Portale und erzeugen so ein völlig verzerrtes Meinungsbild. Denn die schweigende Mehrheit wird nicht gezielt mobilisiert und möchte sich so auch nicht einspannen lassen, ihre Stimmen fehlen in den Portalen daher entweder völlig, oder sie sind im Vergleich zu den Radikalen weit im Hintertreffen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Leserbrief, Meinungsbildung, Fanatiker, Wutbürger, Ueberzeugungstäter, Minderheiten, Kolporteur


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