Hensingers Kannä: 20 cm Sicherheitsabstand zu Tablets (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 07.01.2017, 15:54 (vor 989 Tagen) @ diagnose:falsch

An vorderster Front ein alter Bekannter der Szene, Hensinger, -leider darf dieser sogar bei wichtigen Verbänden wie dem Philologenverband PhV publizieren. http://www.phv-bw.de/Veroeffentlichung/Publikationen/GBW_2015_11/14-wlan.html

Die Anti-Mobilfunk-Szene funktioniert wie ein Informationsvertrieb nach dem Schneeballprinzip: Ganz oben ist eine Handvoll Wissenschaftler und Pseudowissenschaftler (etwa 40 an der Zahl). Die verkünden zuweilen Erkenntnisse. Ebene 2 sind die Frontleute der Szene, also Websitebetreiber, Vereinsmeier, Geschäftemacher. Die saugen wie ein trockener Schwamm alles auf, was von oben kommt, verarbeiten das Zeugs, lassen weg oder dichten hinzu wie es gerade opportun ist, und speisen damit Ebene 3. Das sind die "Bauern", die gewöhnlichen Mobilfunkgegner. Wir nennen die "nützliche Idioten", weil sie unkritisch alles schlucken und sich kinderleicht instrumentalisieren lassen. Das Gros der Ebene 3 bilden Sendemastengegner, die sich in Bürgerinitiativen organisieren und die von oben angelieferte Desinformation bis ins letzte Dorf und den entlegensten Briefkasten tragen. Und das auch noch gratis, befeuert allein von der Überzeugung, etwas Gutes zu tun und die Menschheit (zuerst aber mal sich) zu retten.

Das Ganze ist ein weltumspannendes "Kolportagenetzwerk" und dies erklärt plausibel, warum in der Anti-Mobilfunk-Szene so unglaublich viel Stuss und Desinformtion verbreitet wird. Kommt der Unsinn nicht schon aus Ebene 1, entsteht er spätestens beim mehr oder weniger verdrehten Weitertratschen des Ursprünglichen (siehe Gesellschaftsspiel "Stille Post"). Wie soll ein gelernter Drucker wie Hensinger auch Durchblick in Detailfragen der E-Technik oder Biologie haben. Nicht diese Wissenslücken sind Hensinger vorzuwerfen, sondern die Dreistigkeit, sich sozusagen als Einäugiger vor Blinde zu stellen und den "Experten" in 3D zu geben.

Peter Hensiger werkelt in Ebene 2. Zu seinen Aufgaben gehört es zu verbreiten, was aus Ebene 1 herabplumpst. Dazu ein Beispiel:

In dem Philologenblatt verkündet Hensinger Ende 2015 selbstbewußt:

Die Hersteller kennen die Risiken: für Smartphones wird in Gebrauchsanweisungen empfohlen, sie nur in 25 mm Abstand vom Körper zu nutzen. Die US - Federal Communications Commission empfiehlt bei Laptops (Tablets) gar 20 cm Abstand. Ist dies praktikabel? Wohl nicht, es ist eine juristische Absicherung für mögliche Folgeschäden.

Mir geht es hier um die rot markierte Passage.

Wo hat der Mann diese Behauptung her? Kann er dies in den USA bei der FCC recherchiert haben? Im Prinzip ja, doch wer sich diese Mühe macht, der verlinkt in aller Regel auf so ein aufwendig recherchiertes Dokument. Hensinger verlinkt nicht. Auch <hier> (keine Datumsangabe) wird keine saubere Quellenangabe gemacht und <dort> (Februar 2016) ebenfalls nicht, stets nur der vage Verweis auf die FCC.

Um es kurz zu machen: Ich behaupte, Hensinger hat seine Behauptung nicht bei einer Primärquelle recherchiert, er hat sie lediglich abgeschrieben von einem, der in Ebene 1 werkelt. Und dieser eine ist der finnische Wissenschaftler Dariusz Leszczynski. Mobilfunkgegner sehen in ihm eine Lichtgestalt, denn er füttert sie gerne und regelmäßig. Leszczynski brachte den 20-cm-Hype 2014 von einer Fachtagung mit nachhause. Seither bedienen sich daran Mobilfunkgegner nach Herzenslust und kolportieren, was das Zeug hält. Dabei gibt es begründete Bedenken, ob das, was Leszczyski da 2014 erbeutet hat, überhaupt stimmt, und nach einigem hin und her räumte der Wissenschaftler sogar ein, selbst nur etwas kolportiert zu haben, was auf der Tagung vorgetragen wurde.

Dass die behaupte 20-cm-Abstandsregelung vollendeter Stuss ist, dessen bin ich mir zu 99 Prozent sicher. Das fehlende Prozent hat seine Ursache in den unübersichtlichen, fremdsprachigen und technisch komplexen FCC-Regelwerken, die einen bei der Recherche übern großen Teich empfangen.

Bezogen auf Deutschland bin ich mir jedoch zu 100 Prozent sicher, dass Hensinger vor den Philologen vollendeten Stuss verbreitet hat. Denn W-Lan ist nicht W-Lan. Was in den USA gültig ist, muss noch lange nicht im alten Europa gelten. Konkret: In Europa ist für das gängige W-Lan im 2,4-GHz-Frequenzbereich eine maximale Strahlungsleistung von 100 mW erlaubt (Strahlungsleistung EIRP = Sendeleistung x Antennengewinn).

In den USA gilt eine ganz andere Regelung der FCC: Dort ist die maximale Sendeleistung auf 1 W begrenzt, die maximale Strahlungsleistung auf 4 W.

Heißt im Klartext: Tablets und andere W-Lan-Gerätschaft, die im weltweit unlizensierten 2,4-GHz-Frequenzbereich unterwegs ist, darf in USA bis zu 40-mal stärker senden als in Europa! Eine nur in den USA gültige Regelung unter diesen Umständen einfach nach Europa zu importieren und damit vor Publikum zu treten, um Ängste gegenüber W-Lan zu schüren, dies belegt die Komptenzen eines Druckers, nicht die eines verantwortungsvoll mit dem sensiblen Thema umgehenden Fachmanns.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Filz, Strategie, Copy-Paste, Hensinger, Blendwerk, Leszczynski, Trick, Kolportage, GBW


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