Argumentationsmuster von Scheinriesen (Allgemein)

spatenpauli @, München, Freitag, 06.01.2017, 16:05 (vor 587 Tagen) @ diagnose:falsch

Die Seite von Diagnose:Funk ist ja wirklich gut gemacht, dass muss man anerkennend sagen. Kein Wunder finden hier (und auf anderen Seiten) die Gegner Futter, schön zubereitet und Kompetenz verbreitend.

Kunststück, dahinter stecken ja auch Geld, eine kommerzielle Interessenwahrnehmung, ein Netzwerk an Helfern und Helfershelfern sowie Vollzeitbeschäftigte. Damit unterscheidet sich Diagnose-Funk von allen anderen Sites der Szene. Zum Vergleich: Das IZgMF ist pures Freizeitvergnügen, wir können weder personell noch finanziell mit Diagnose-Funk mithalten. Allerdings behaupte ich: Bei Diagnose-Funk ist die Verpackung der Information prächtig, der Inhalt aber mies, bei uns isses genau umgekehrt.

Bevor Diagnose-Funk 2006 erstmals (in der Schweiz) in Erscheinung trat, war die deutsche "Bürgerwelle" Platzhirsch der Szene. Mangels Alternative gelang diesem Verein ab Ende der 1990er Jahre der Aufstieg zum führenden Akteur der Anti-Mobilfunk-Szene in Deutschland. Wer Siegfried Zwerenz, Chef der "Bürgerwelle" einmal live erlebt hat, kann das nachvollziehen: Er ist ein brillanter Selbstdarsteller, auf Podien rhetorisch geschickt und überzeugend für jeden, der es nicht sowieso besser weiß. Wenn er wie aus dem Ei gepellt im gut sitzenden Anzug vor Publikum auftrat, steckte er auch schon mal geschätzt 400 aufgebrachte Wutbürger in die Tasche und ließ seinen Argumentationsgegnern (Referenten der Mobilfunkbetreiber) praktisch keine Chance (ebensogut hätte man freilich einen Schwarzen als Redner auf die Jahrestagung des KuKluxKlan schicken können). Dagegen empfand ich die Website der Bürgerwelle als grauenhaft: Schrilles Layout, vor Polemik triefende Artikel, grenzwertige Angriffe auf Meinungsgegner und was sonst noch so das Gegenteil von Seriosität ist. Zwerenz sah seine Stärke immer in seinen Liveauftritten und der Vereinsarbeit, die Website lief nebenher. Dies sollte sich als unverzeihlicher Fehler erweisen.

Diagnose-Funk erkannte den Kardinalsfehler der Bürgerwelle, setzte von Anfang an auf eine seriös wirkende professionell gestaltete Website und schöpfte damit in der Szene zügig alle Mobilfunkgegner ab, die mit der hemdsärmeligen Bürgerwelle unzufrieden waren – und das waren nicht wenige. Nach ungefähr zwei, drei Jahren war der Widerstand der Bürgerwelle gebrochen und Diagnose-Funk begann ab 2010 die deutsche Anti-Mobilfunk-Szene zu dominieren. Dabei kamen dem Verein drei Umstände zugute:

Der Trick von Diagnose-Funk besteht also darin, sich mit dem Habitus von Seriosität und Kompetenz zu umgeben, um intuitive Abwehrmechanismen bei uns Menschen zu überwinden. Ist dies erst einmal geschafft und haben die Menschen Vertrauen gewonnen, beginnt die systematische Desinformation. Auch die verläuft nicht plump mit dem Holzhammer, sondern professionell, indem die Desinformation zwischen unstreitig wahren Behauptungen eingestreut wird. Damit ist Diagnose-Funk per se erfolgreicher als die Bürgerwelle es je war.

Diagnose-Funk kann überall dort den Fuß in die Tür bekommen, wo fachliche Laien den Behauptungen der Vereinsreferenten nichts entgegenzusetzen haben. Dies ist nichts Ungewöhnliches, mir z.B. ergeht es nicht anders, wenn mir ein geschulter Versicherungsvertreter gegenüber sitzt, dem habe ich in aller Regel auch nichts entgegen zu setzen.

Diagnose-Funk scheitert bislang ausnahmslos dort, wo Entscheider mit eigener Fachkompetenz oder mit qualifizierten Beratern sitzen. Dies erklärt, warum sich die Wirkung von Diagnose-Funk bisher praktisch nur auf Kreisebene entfalten kann. Sich dieser Defizite durchaus bewusst, sucht der Verein die Gunst mächtiger Freunde, die das Eis brechen können. Einer dieser gewonnenen Freunde ist der BUND. Kunststück? Nein, denn auch der BUND vertritt ganz ungeniert offen die Interessen der deutschen "Baubiologie" und steckt daher bis zum Hals in einem Interessenkonflikt. Seine fachliche Inkompetenz in EMF-Sachfragen dokumentierte 2008 der BUND mit einem unsäglichen Positionspapier.

Ihre Wahrnehmung, Diagnose-Funk sei eine Gefahr, teile ich nur bedingt, denn in der Abendsonne lange Schatten zu werfen ist selbst für Zwerge keine Kunst und die Schwächen des Vereins sind so gravierend, dass er sie nicht schmerzfrei abstellen kann. Andere sehen dies genauso, Ämter und Behörden ziehen Personal von der Mobilfunkfront ab und auch die Industrie hat mit der Schließung des IZMF Ende 2015 klar gemacht, dass sie Diagnose-Funk nicht als ernst zu nehmenden Gegner sieht. Es knackt und knistert also nur im Unterholz, nicht unähnlich den Bemühungen diverser Interessenverbände, die Homöopathie vom nur allzu berechtigtem Stigma des Hokuspokus und Aberglauben zu befreien. Unterschätzen darf man Diagnose-Funk jedoch nicht, man sollte diesen Verein, wie gewisse andere Gruppierungen, unter Beobachtung haben und genau hinschauen, was er macht. Und solange das Bundesamt für Verfassungsschutz dies nicht tut, muss behelfsweise das IZgMF diesen Job ausüben ;-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Entwertung, Ablenkung, Polemik, Verdrehen, Falschmeldung, Allianz, Taschenspielertrick, Trick, Kolportage, Dossier, Diagnose:Funk, Gleichschaltungsmanipulation, Schundliteratur, Interessenorientiert


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