30 Schüler gleichzeitig im W-Lan-Netz (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.01.2017, 14:45 (vor 954 Tagen) @ diagnose:falsch

- Wie "gefährlich" ist ein EMF, wenn 30 Schüler gleichzeitig mit einem Tablet arbeiten? Nach wie vielen Minuten WLAN Einsatz wird es denn ungesund?

Wissenschaftlich wurde dieser Sachverhalt mWn bislang noch nicht untersucht und er wird voraussichtlich auch nicht mehr untersucht. Warum? Weil eine solche Untersuchung bereits mit Mobiltelefonen unter ungünstigsten Bedingungen (teilgeschirmte Räume) stattgefunden hat mit dem Fazit:

Grundsätzlich ist in teilgeschirmten Räumen mit einer erhöhten Exposition bei der Verwendung von Mobilfunktelefonen zu rechnen. Hinweise für eine Überschreitung von empfohlenen Expositionsgrenzwerten für Personen, die selbst nicht mobil telefonieren, wurden nicht gefunden.

Kurze Erklärung dazu, warum auch bei 100 aktiven W-Lan-Schülern im Raum grundsätzlich kein Gesundheitsrisiko zu befürchten ist: Was Funkwellen nicht reflektiert (z.B. Metall, metallisierte Fensterfronten, nasse Hauswände, Straßen ...) absorbiert sie. Absorber sind z.B. Wände, Böden, Decken, Möbel, Pflanzen, Tiere und – ja, auch die – Menschen. Je mehr dieser Absorber in einem Raum sind (Klassenzimmer, Fahrstuhlkabine, Flugzeug, Reisebus ...), umso besser, denn jeder Absorber wandelt einen kleinen Teil des im Raum wabernden Funkfeldes in Wärme um und entzieht dem Feld damit Energie. Technisch versierte Gartenlaubenbesitzer in der Nähe von starken Rundfunksendern haben diesen Effekt technisch genutzt, ihre Gartenlauben mit Hilfe der Energie des Funkfeldes elektrisch zu beleuchten (abgestimmter Schwingkreis mit Fahrradlämpchen). Doch das gab Ärger, denn das Abzweigen der Funkfeldenergie reduzierte die Reichweite der Sender, was deren Betreiber gar nicht lustig fanden.

Ein Worst-Case-Szenario wäre es, ist ein Lehrer allein in einem Raum mit 100 Tablets, die munter Daten mit dem Access-Point austauschen. Dann wird der Lehrer mit Sicherheit stärker befeldet, als wäre das Klassenzimmer voll. Strahlenhysteriker sehen darin vielleicht eine Gesundheitsgefährdung des Lehrers, ich nicht. Um es genau zu wissen, müsste man so eine Ausnahmesituation einmal simulieren. Doch das ist teuer und eigentlich interessiert es niemanden so stark, dass dafür Geld fließen würde. Es fehlt aus den genannten theoretischen Erwägungen der begründete Anfangsverdacht, dass da etwas passieren könnte (außer Schülern hat ein Klassenzimmer ja noch viele andere Absorber). Nur von diversen Vereinen Aufgehetzte sehen das "gefühlt" anders und machen ein Fass auf, obwohl der Getränkemarkt gleich nebenan ist.

Die folgende Grafik ist der verlinkten Studie entnommen, sie zeigt die Vogelperspektive auf vier mit GSM-900 telefonierende Personen (blaue Melonen) in einer metallenen Aufzugskabine. Diese Simulation der Feldstärkeverteilung (V/m) macht deutlich, schon im Abstand von wenigen Zentimetern vom Mobiltelefon ist die Feldstärke erheblich schwächer (rot bis blau) als direkt am Kopf (gelb).

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Grafik: Bundesamt für Strahlenschutz

Doch Mobiltelefone sind mit W-Lan nicht vergleichbar, wenn Mobiltelefone der Goliath sind, ist W-Lan ein David in Miniaturausgabe:

Fazit: Schüler sind vielen Risiken ausgesetzt, in Syrien sind es noch viel mehr und heftigere Risiken als in Deutschland. W-Lan wird von Laien und einigen selbsternannten Experten als Gesundheitsrisiko eingestuft, echte Experten winken ab. Auch das BfS "warnt" nicht vor W-Lan an Schulen, wie immer wieder gerne behauptet wird, es empfiehlt Ängstlichen nicht mehr und nicht weniger als Vorsorge. Ich halte dies bei W-Lan wegen der mickrigen und in aller Regel körperfern freigesetzten Sendeleistung zwar für übertrieben, ein Amt trägt aber (rechtlich) ganz andere Verantwortung als ein dahergelaufener Nachrichtentechniker wie ich. Also gut: Wer unbedingt Vorsorge mit W-Lan an Schulen betreiben will, der soll unten an die Platten der Arbeitstische eine Lage Alufolie pappen – und gut ist's. Aber bitte den Hausmeister und keinen umsatzfixierten Baubiologen mit dieser Arbeit beauftragen, sonst haben W-Lan-an-Schulen-Gegner schon eines ihrer "nicht kommunizierten" Ziele erreicht ;-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Lehrer, Schüler, Router, Klassenzimmer, Tablets, Absorber


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