Die Irrtümer des Peter Hensinger (Diagnose-Funk) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 17.01.2018, 21:09 (vor 523 Tagen)

Peter Hensinger (Jg. 1948) ist gelernter Drucker im Ruhestand, zuletzt betrieb er in einer Behindertenwerkstatt, Stuttgart, eine Druckerei zur Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen ins Berufsleben. Im Juli 2006 trat er der Anti-Mobilfunk-Szene bei, Anlass war die Errichtung eines Mobilfunk-Dachstandorts nahe seiner Wohnung. Seither hat Hensinger den Kampf gegen Mobilfunk zur Lebensaufgabe gemacht, bei dem Stuttgarter Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk ist er gegenwärtig zuständig für das "Ressort Redaktion und Wissenschaft". Ihm zur Seite steht im Kampf gegen Smartphones und Sendemasten Ehefrau Doris, Lehrerin im Ruhestand.

Dieser Strang will Irrtümer, Verdrehungen und Unterstellungen von Doris & Peter Hensinger ab 2018 dokumentieren. Denn nur wer nichts weiß muss den beiden alles glauben, was sie einem in der Mobilfunkdebatte auftischen. Wer fachlich in allen Belangen Laie ist und dennoch in die Öffentlichkeit drängt, um dort aus Sicht des IZgMF unbegründete Ängste gegenüber Mobilfunk zu wecken oder zu schüren, der provoziert Einsprüche. Die Zuhörer und Leser der Hensingers sollen sich mithilfe dieses Strangs eine differenzierte Meinung bilden können. Da jedoch besonders Peter Hensinger sehr produktiv ist, werden wir lediglich einen Bruchteil seiner Irrtümer kommentieren.

Hintergrund
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01 Hensinger: Kita, Stuttgart, Heilmannstr. 3

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.01.2018, 13:31 (vor 523 Tagen) @ H. Lamarr

Überblick

In der obersten Etage eines mehrstöckigen Gebäudes in Stuttgart, Heilmannstr. 3, befindet sich auf dem Flachdach eine Kindertagesstätte sowie ein Standort für Mobilfunk-Sendeanlagen. Im Frühjahr 2014 entdeckte Peter Hensinger diesen Sachverhalt. Unverzüglich erklärte er sich, unbeauftragt, zum Anwalt der Kinder – und den Sachverhalt zum Skandal. Seither nörgelt er sich in dieser Angelegenheit durch alle Instanzen der Stuttgarter Bürokratie. Vorläufiger Höhepunkt des Hensinger-vs.-Kita-Streits: Ein öffentlicher Auftritt des Ehepaars Hensinger auf dem frostigen "Neujahrsempfang" 2018 der Stuttgarter Lokalpartei SÖS in Sichtweite der Kita. Die Vorgeschichte des sehr einseitig betriebenen Streits, soweit vom IZgMF protokolliert, lässt sich hier nachlesen. Kostprobe: Ein von Hensinger behaupteter freiwilliger Pakt der Mobilfunkbetreiber mit dem Stuttgarter Rathaus erwies sich auf Nachfrage im Rathaus als Hirngespinst.

Hinweis: In der EMF-Karte der BNetzA wird der Standort Stuttgart, Heilmannstr. 3, nicht unverwechselbar angezeigt. Die Nummer des richtigen Standorts lautet 720600 (derzeit 24 Antennen). Der benachbarte Standort (27012131, derzeit 30 Antennen) ist nur in der EMF-Karte scheinbar auf dem Dach der Kita, tatsächlich ist dieser jedoch auf dem Parkdach des Anwesens Cannstatter Str. 46.

Für beide Standorte ist von den drei Netzbetreibern gegenwärtig eine Erweiterung beantragt. Ebenfalls beantragt wurde von ihnen eine ordentliche Messung durch die Bundesnetzagentur, durchzuführen nach der Erweiterung. Der dabei festgestellte Ausschöpfungsgrad der Grenzwerte sollte nach einer gewissen Bearbeitungszeit in der EMF-Karte der BNetzA öffentlich abrufbar sein. Im Mai 2014 erreichte der Ausschöpfungsgrad laut (privat beauftragtem) TÜV-Gutachten 9,79 Prozent.

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01.1 Hensinger: Panikmache mit Schweizer Vorsorgewerten

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.01.2018, 13:47 (vor 523 Tagen) @ H. Lamarr

In einem Beschwerdebrief vom 7. September 2017 an den Oberbürgermeister von Stuttgart schreibt Peter Hensinger anklagend:

Eine Grenzwertausschöpfung von nahezu 10 % entspricht für UMTS 100.000 µWatt/m², das bezeichnen Sie als "üblichen Rahmen" in Stuttgart.

Die von Hensinger genannten 100'000 µW/m² entspringen einer Milchmädchenrechnung. Denn allein aus dem Wert einer Grenzwertausschöpfung lässt sich die Leistungsflussdichte am Ort des Geschehens nicht berechnen (Hintergrund). Herr Hensinger rechnet mit der ungünstigsten Annahme, auf dem Dach der Kita stünden allein UMTS-Sendemasten. Dies aber ist nicht der Fall und daher unzulässig. Die tatsächlich messbare maximale Leistungsflussdichte vor der Kita ist mit Sicherheit kleiner als 100'000 µW/m², um wie viel kleiner lässt sich nur mit Kenntnis der TÜV-Messung sagen, die es dort an Ort und Stelle gegeben hat, die jedoch nicht öffentlich zugänglich ist.

Was den "üblichen Rahmen" angeht scheint Herr Hensinger verdrängt zu haben, dass er selbst noch vor einigen Jahren für eine Dachterasse seines Wohnblocks eine Immission von 582'000 µW/m² gemeldet hat. Dieser Wert beruht auf einem deutlich niedrigeren Messwert, der auf Maximalauslastung der betrachteten Sendeanlage hochgerechnet wurde. Der tatsächliche Messwert vor der Kita wird voraussichtlich ebenfalls deutlich niedriger sein als die Werte, die Herr Hensinger aus dem Hut zaubert, denn üblicherweise wird auch in Gutachten die Hochrechnung von Messwerten auf Maximalauslastung betrieben. Verbindliche Aussagen lassen sich nur mit Kenntnis der TÜV-Messung treffen. Hensinger bedient sich des Umstandes der Hochrechnung, wie es ihm gerade in den Kram passt: Um die Immission vor der Kita möglichst hoch aussehen zu lassen, unterschlägt er dort die mit ziemlicher Sicherheit vorgenommene Hochrechnung und erweckt den Eindruck, seine 100'000 µW/m² wären ein Messwert. Bei seiner Dachterrasse handelte er umgekehrt, um die Immission dort möglichst hoch erscheinen zu lassen, rechnete er den tatsächlichen Messwert auf 582'000 µW/m² hoch.

Weiter schreibt Hensinger in seinem Brief mit Bezug auf die von ihm genannten 100'000 µW/m²:

Das sind Extremwerte, die Gegenmaßnahmen erfordern.

Herr Hensinger leidet unter einer verzerrten Risikowahrnehmung. Denn was er als Extremwert geißelt ist nichts anderes als der weltberühmte "Schweizer Vorsorgewert", auch bekannt unter dem Begriff "Anlagegrenzwert". Denn 100'000 µW/m² sind weniger dramatisch verpackt 0,1 W/m² oder auf Feldstärke umgerechnet rd. 6 V/m, was im UMTS-Frequenzbereich eben der Schweizer Vorsorgewert ist. Dass Hensinger jemals gegen diesen Vorsorgewert Front machte, davon ist nichts bekannt. Die Wahrnehmungsverzerrung wird Herrn Hensinger noch häufiger zu schaffen machen, denn von Rechts wegen sind alle Grenzwertausschöpfungen unter 99,9 Prozent zulässig und nach dem derzeitigen Stand des Wissens mit keinen gesundheitlich negativen Folgen verbunden. Laienhaften Mobilfunkgegnern, die unter ihresgleichen mit ausgewürfelten und unhaltbaren Fantasiegrenzwerten von 1 µW/m² herumspielen, ist diese Sichtweise selbstverständlich fremd.

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01.1 Hensinger: Panikmache mit Schweizer Vorsorgewerten

Kuddel, Donnerstag, 18.01.2018, 21:05 (vor 522 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von Kuddel, Donnerstag, 18.01.2018, 21:40

... Denn 100'000 µW/m² sind weniger dramatisch verpackt 0,1 W/m² ...

Der Bauernfänger Hensiger nutzt hier gnadenlos aus, dass Laien keinen Bezug zu der Größenordnung "Mikrowatt/Quadratmeter" haben.

Bezogen auf die Solarkonstante E0 (1367W/m²):

"Im schlimmsten Fall beträgt die Immission 0,000073 *E0 ...
bzw dem 7 Hunderttausendstel der Sonneneinstrahlung am Äquator"

Oder eine weiter Analogie
An einem hellen Sommertag beträgt die Beleuchtungsstärke durch die Sonne 100.000Lux bzw 100.000 Lumen/m²
Eine typische Wohnzimmerbeleuchtung bringt es auf ca 50..100 lux = lm/m² (Quelle)

Wenn wir ein Sinnesorgan für das "Licht" der Basisstation hätten, dann wäre unsere Wahrnehmung schlimmstenfalls mit 70 lux bzw 70 lm/m² vergleichbar.(Quelle)
Also in etwa er Beleuchtungsstärke ihrer Wohnzimmerbeleuchtung
Einen Sonnenbrand bekommt man davon jedenfalls nicht.
Jetzt stellen Sie sich mal eine blinde Person vor. Wäre diese in der Lage festzustellen, ob das Wohnzimmerlicht "an" oder "aus" ist, oder würde Sie sich daran stören oder sich "unwohl" fühlen ?
Da wir kein Sinnesorgan für diese schwache Strahlung haben, ist kaum anzunehmen, das unsere Biologie durch diese Immission in irgendeiner Weise gestört wird.

So ist es doch viel anschaulicher :-)

K

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Analogie, Bauernfängerei, Sinnesorgan

01.2 Hensinger: Messwerte

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.01.2018, 15:25 (vor 523 Tagen) @ H. Lamarr

Um besser Rabatz gegen die Kita machen zu können, brachte Herr Hensinger im März 2017 einen "Flyer" heraus. Darin heißt es:

Im Klettergerüst sind die Kinder einer Belastung von über 50 000 μWatt/m² ausgesetzt, in der Sitzland-schaft sind es über 40 000 μWatt/m², im Sandkasten über 25 000 μWatt/m². Dauerhaft!

Alle diese Messwerte liegen unterhalb der Schweizer Vorsorgewerte! Das weiß auch der listige Herr Hensinger, deshalb lässt er in seinem Flyer diese ältesten und bekanntesten Mobilfunk-Vorsorgewerte der Welt (die auch detailliert dokumentiert sind) kurzerhand weg und brilliert mit allerlei anderen (schlecht bis gar nicht dokumentierten) Vorsorgewerten, von denen die meisten nur lokale Gültigkeit haben. Dazu muss man wissen: Vorsorgewerte sind wissenschaftlich nicht begründbar, sie werden nach belieben vom Verordnungsgeber mehr oder weniger weit unter den wissenschaftlich begründbaren Immissionsgrenzwerten (ICNIRP-Grenzwerte) angesetzt. Hensinger dokumentiert mit seiner Liste der Vorsorgewerte diese Willkür auch noch, aus meiner Sicht nicht zu seinem Vorteil.

Woher Hensinger die Messwerte hat und vor allem wie sie zustande kamen, darüber gibt er in dem Flyer keine Auskunft. Anzunehmend ist, weil Mobilfunkgegner stets auf Dramatik aus sind, dass die Messwerte einer Spitzenwertmessung entsprungen sind. Diese Messmethode liefert (je nach Funksystem) in aller Regel unzulässig überhöhte Messwerte, die auch nicht mit den Grenzwerten (Effektivwerte) verglichen werden dürfen. Anzunehmen ist weiterhin, dass die Messwerte mit einem breitbandigen Hobbymessgerät ermittelt wurden, das nicht trennscharf zwischen Funkdiensten und Funkkanälen unterscheiden kann. Im Klartext: Hensingers Messwerte können durch die Funksignale naher Smartphones verfälscht worden sein, ohne dass er dies bemerkt hat.

Auch funktechnischen Laien wie Herrn Hensinger sollte inzwischen klar sein: Die Funkemission eines Standorts ist nicht konstant, sondern abhängig von der momentanen Auslastung. Dennoch behauptet er, die von ihm gemessene Immission würde "dauerhaft" einwirken. Das tut sie mit Sicherheit nicht! Der Wert wird wie überall eine gewisse Schwankungsbreite aufweisen, in verkehrsreichen Zeiten sind es höhere Werte, in verkehrsschwachen Zeiten niedrigere. Sollte Hensinger zu einem verkehrsreichen Zeitpunkt gemessen haben, auch darüber gibt er keine Auskunft, wird die Schwankung allein in Richtung niedrigere Werte stattfinden (und umgekehrt).

Alles in allem ist die Darbietung der Messwerte in dem Flyer unqualifiziert und gut dazu geeignet, in der Bevölkerung (Eltern) unberechtigte subjektiv empfundene Ängste gegenüber Mobilfunk und der staatlichen Schutzpflicht (Strahlenschutz) zu wecken oder zu schüren.

Hintergrund
Gibt es in der Schweiz die rechtlich geduldete Grenzwertüberschreitung?

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01.3 Hensinger: Geheim gehaltenes TÜV-Gutachten

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.01.2018, 19:56 (vor 522 Tagen) @ H. Lamarr

In einem Beitrag vom 9. Januar 2018 ist bei Diagnose-Funk folgender Auszug aus der Rede von Doris Hensinger anlässlich des "Neujahrsempfangs" der SÖS zu lesen:

Am 7.9.2017 hat die Bürgerinitiative OB Kuhn nochmals in einem Brief darauf hingewiesen, dass die Kinder einem krankmachenden Cocktail durch Feinstaub und Elektrosmog ausgesetzt sind und fordern Messungen, und dass das bisher geheim gehaltene TÜV-Gutachten zur Strahlenbelastung veröffentlicht wird. Bisher kam keine Antwort.

Im erwähnten Brief vom 7. September 2017 lautete Hensingers diesbezügliche Frage an OB Kuhn noch etwas verhaltener:

Warum wird das TÜV-Gutachten über die Elektrosmogbelastung unter Verschluss gehalten und unserer Bürgerinitiative nicht ausgehändigt?

Der tatsächliche Sachverhalt lässt indes die Äußerungen von Frau Hensinger anlässlich des "Neujahrsempfangs" der SÖS völlig unverständlich erscheinen. Denn bereits am 14. Juli 2017 antwortete OB Kuhn öffentlich auf eine mehrfraktionelle politische Anfrage vom 8. Mai 2017:

Mit Schreiben vom 2. Juni 2015 wurde die Bürgerinitiative Mobilfunk-Stuttgart West [also Hensinger; Anm. Spatenpauli] durch die Stadtverwaltung darüber informiert, dass bezüglich der Belastungssituation im Kindergarten der Träger der Einrichtung aufgefordert wurde, den Nachweis zu erbringen, dass die Grenzwerte der 26. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) eingehalten werden. Diese Messungen wurden vom Träger der Einrichtung beim TÜV Süd in Auftrag gegeben und von diesem durchgeführt.

Damit sollte eigentlich jedem verständigen Menschen klar sein, dass zum Zweck der Einsichtnahme das TÜV-Gutachten nicht von der Stadt Stuttgart zu erbitten ist, sondern vom Träger der Einrichtung, also von der Kita! Als Auftraggeber des Gutachtens hat allein der Träger und nicht die Stadt darüber zu befinden, wem das Gutachten ausgehändigt wird. Dennoch halten sich die Hensingers stur an die Stadt. Vermutlich notgedrungen, weil sie den Träger erst gar nicht gefragt haben oder dort abgeblitzt sind. Die Hensingers haben keinerlei Rechtsanspruch auf das Gutachten. Dann aber Neujahr 2018 öffentlich im Zusammenhang mit OB Kuhn noch immer von einem "geheim gehaltenen TÜV-Gutachten" zu reden, und so den falschen Eindruck zu erwecken, die Stadt würde das Gutachten zurück halten, das ist ohne Zweifel eine grobe Irreführung der Öffentlichkeit.

Jetzt könnte einer entschuldigend einwenden, die Hensingers hätten den Brief vom 2. Juni 2015 vielleicht nicht bekommen und wüssten auch nichts von der politischen Anfrage, auf die OB Kuhn am 14. Juli 2017 antwortete. Doch so ist es nicht. Denn Hensinger zitiert in seinem Brief vom 7. September 2017 (siehe oben) eine Textpassage aus Kuhns Antwort, er muss daher diese Antwort kennen.

Hintergrund
Wie Mobilfunkgegner die Forschung künstlich korrumpieren

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01.4 Hensinger: Grenzwerte für Kurzzeitaufenthalt

H. Lamarr @, München, Freitag, 19.01.2018, 13:39 (vor 522 Tagen) @ H. Lamarr

Einem geradezu atemberaubendem Irrtum erliegt Peter Hensinger in seinem Kita-Flyer vom März 2017. Dort behauptet er frank und frei frisch von der Leber weg:

Die Kindergartenbetreiber werden jetzt einwenden: die Grenzwerte würden eingehalten. Stimmt nicht: diese Grenzwerte sind für einen Kurzzeitaufenthalt von ca. 6 Minuten, nicht für Kinder und sensible Personen definiert, und beinhalten keinerlei medizinische Kriterien, sondern nur eine Erwärmungsgefahr durch die Strahlung, die bei Sendemasten real gar nicht besteht.

Von seiner Sache restlos überzeugt, belehrt der Drucker i. R. in seinem Brief vom 7. September 2017 auch den Stuttgarter Oberbürgermeister Kuhn, was es mit den Grenzwerten auf sich hat. Er erklärt:

Sie schreiben, weil die Grenzwerte eingehalten werden, sei der Aufenthalt im Kindergarten unbedenklich. Die Grenzwerte sind für einen Kurzzeitaufenthalt von ca. 6 Minuten, nicht für Kinder und nicht für sensible Personen, definiert.

Wenn ich mir vergegenwärtige, dass Herr Hensinger, als er seinen Flyer fabrizierte, seit elf Jahren in der Anti-Mobilfunk-Szene aktiv war und in dieser Zeit zum sogenannten "Leiter des Ressorts Wissenschaft" bei Diagnose-Funk aufstieg, dann bin ich über seinen Kenntnisstand erschüttert.

Hensinger hat das 6-Minuten-Intervall, das die 26. BImSchV im Zusammenhang mit den EMF-Grenzwerten nennt, falsch verstanden. So grundlegend falsch, wie es nur ein Kind oder ein fachfremder Laie kann. So ist das, was er dem OB mitteilt, auch semantisch völlig sinnfrei. Dies bemerkt jeder, der versucht den konkreten Sinn in Hensingers Ausführungen zu ergründen, vor allem was "für einen Kurzzeitaufenhalt von 6 Minuten definierte Grenzwerte" mit der weit unter den Grenzwerten liegenden Immissionen vor/in der Kita zu tun haben.

Um es kurz zu machen: Einer grenzwertigen Immission (aber nicht mehr) darf jeder Mensch, egal welchen Alters und welcher Sensibilität, nicht nur sechs Minuten, sondern unbefristet ausgesetzt werden. Die sechs Minuten, die Hensinger so umtreiben, definieren keinen Kurzzeitaufenthalt in, vor, hinter, neben, unter oder über den Grenzwerten, sondern sie sind das zeitliche Intervall, über das EMF-Momentanmesswerte gemittelt werden müssen, will man den resultierenden Mittelwert in Bezug zu den Grenzwerten bringen. Eigentlich ist die zwingende Notwendigkeit dieser zeitlichen Mittelung leicht zu verstehen, denn EMF-Immission ist im realen Leben nie konstant, sie unterliegt zeitlichen und räumlichen Schwankungen. Am stärksten sind diese Schwankungen in geschlossenen Räumen, wenn an Gegenständen und Wänden reflektierte Funkwellen eine chaotische Interferenz eingehen. Nicht bewegte Messgeräte erkennen unter diesen Bedingungen alle paar Millisekunden einen anderen Momentanmesswert, nicht anders ist es, wenn ein Messgerät (oder dessen Antenne) ein paar Zentimeter bewegt wird. Doch welchen der zahllosen unterschiedlichen Momentanmesswerte soll man nun nehmen, um z.B. eine Grenzwertausschöpfung zu berechnen? Laien und Baubiologen nehmen gerne einfach den höchsten Momentanmesswert (Peak-Hold) – und liegen damit falsch. Denn zum Vergleich mit den Grenzwerten taugt nicht der Spitzenwert, der darf bis zu 32-fach über den Grenzwerten liegen (siehe 26. BImSchV), sondern der Mittelwert, der sich ergibt, wenn das arithmtische Mittel aller Momentanmesswerte (das können tausende sein) über ein Zeitfenster von sechs Minuten Dauer gebildet wird.

So eine Mittelung findet z.B. bei Mikrowellenöfen Anwendung, dort, um eine Quasi-Leistungsreduzierung zu erreichen. Denn die Ausgangsleistung des Mikrowellengenerators (Magnetron) solcher Öfen kann nicht stufenlos gesteuert werden, sondern nur ein (100 Prozent Leistung) oder aus (0 Prozent Leistung). Um auf vermeintlich 50 Prozent Ausgangsleistung zu kommen, wird das Magnetron nicht mehr dauerhaft eingeschaltet, sondern rhythmisch gleich lang ausgeschaltet und eingeschaltet. Auf das Gargut wirkt dann noch immer unvermindert die volle Leistung ein, jedoch nur noch halb so lang, was rechnerisch (Mittelung) einer Reduzierung auf 50 Prozent entspricht. Dass sich trotzdem im Ofen stets 100 Prozent Leistung entfalten, kennt jeder, der schon einmal versucht hat, mit vermeintlich moderater "20 Prozent Einstellung" ein Ei zu garen.

Der hier beschriebene kapitale Irrtum des Herrn Hensinger hat seine Ursache darin, dass ein Drucker i. R. besser über Drucktechniken und Druckmaschinen referieren sollte, als über eine Technik, die man mindestens acht Semester studiert haben muss, um wenigstens die Grundlagen zu verstehen. Es wäre für die aufgeregte Mobilfunkdebatte ein Segen, zögen sich alle selbsternannten Experten daraus zurück. Ich meine, dies wäre zugleich das Ende dieser Pseudodebatte.

Hintergrund
Messvorschrift der RegTP (heute BNetzA) für EMVU-Messreihen
Bundesnetzagentur erklärt "Grenzwertausschöpfung"

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02 Hensinger doziert über biologischen 5G-Wirkmechanismus

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 13.12.2018, 23:34 (vor 193 Tagen) @ H. Lamarr

In einem (selbstverständlich) offenen Brief an den Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn gibt Peter Hensinger Einblick in seinen Kenntnisstand, warum 5G, ginge es nach ihm, besser erst in vielleicht 234 Jahren nach unabhängiger gründlicher Prüfung der Maxwellschen Wellengleichungen eingeführt werden sollte. Doch keine Angst, sein Wirkmodell ist gar nicht kompliziert. Hensinger beschreibt die extraordinäre 5G-Gefährlichkeit mit einem virtuosen Halbsatz:

[...] die 5G-Strahlung im Millimeterbereich koppelt sich über die Haut in den Organismus ein, mit unkalkulierbaren Risiken.

Uiiii, das haut rein. Das Vorzimmer von OB Kuhn ist wahrhaftig nicht zu beneiden. Aus ABM-Sicht hingegen ist Hensingers Brief, pardon offener Brief, mit Blick auf den Personalstand im Stuttgarter Rathaus durchaus als wertvoller Beitrag für den Bestandschutz zu werten.

Aus technischer Sicht wäre zunächst festzustellen, welche Frequenzen Funkwellen im Millimeterbereich zuzuordnen sind. Da Herr Hensinger den Bereich nicht näher benennt, nehme ich notgedrungen und willkürlich an, er meint Wellenlängen von 1 Millimeter bis 10 Millimeter. Gemäß der Formel ...

λ = c / f

... mit c = 299'710'000'000 Millimeter pro Sekunde (Lichtgeschwindigkeit in bodennaher Luft) ergeben sich für den entsprechenden Frequenzbereich f Werte von rd. 30 GHz bis 300 GHz. Da die BNetzA in ein paar Monaten jedoch nur Frequenzen bis höchstens 3,7 GHz versteigert, muss ich meine Annahme korrigieren und andersrum rechnen: Welche Wellenlänge hat ein 3,7-GHz-Funksignal? Ein schnuckeliger Umrechner verrät uns: Es sind rd. 81 Millimeter, auch bekannt als 8,1 Zentimeter. Alles was sonst noch auf der kommenden 5G-Frequenzauktion versteigert wird hat keine kürzeren Wellenlängen (längere Wellenlängen klingt doof, deshalb die umständliche Umschreibung).

Erleichtert aufseufzend darf ich also feststellen: Hensinger eilt seiner Zeit voraus, die 2019 versteigerten 5G-Wellen sind gar keine Millimeterwellen, sondern harmlose Zentimeterwellen. Die anscheinend saugefährlichen Millimeterwellen werden erst später versteigert, irgendwann nach 2019. Doch bestimmt vor 2253.

Moment mal! Sind Zentimeterwellen wirklich harmlos? Wie tief dringen die überhaupt in den Körper eines Menschen ein?

Das EMF-Portal weiß Rat und definiert die Eindringtiefe elektromagnetischer Wellen so:

Bei ebenen Wellen eines elektromagnetischen Feldes bezeichnet die Eindringtiefe jene Wegstrecke, nach der die Strahlungsenergie auf 1/e oder 37% ihres Anfangswertes abgesunken ist.

Da schau her, so ist das also! Eben ist eine Welle nicht wenn sie glatt gebügelt wurde, sondern wenn wir uns weit genug von ihrem Entstehungsort entfernt aufhalten. Dann ist ihre Wellenfront eben und nicht mehr bogenförmig wie Wasserwellen nahe der Stelle, wo ein Stein ins Wasser geworfen wurde. Halbwegs eben sind Funkwellen schon nach nur vier Wellenlängen, je mehr Wellenlängen sie zurücklegt desto ebener wird eine Welle, genauer deren Wellenfront. Mobiltelefone am Ohr bombardieren unser Gehirn nicht mit eben Wellen, dazu ist der Abstand nicht groß genug. Die Wellen von Funkmasten treffen hingegen bei uns als ebene Wellen ein. Glück gehabt, denn auch der Hensinger interessiert sich nur für Funkmasten, weil sie ihm 2006 einen vor die Nase gesetzt haben.

[image]Bild: Forschung Frankfurt

So weit so gut. Doch wie tief muss denn nun eine 5G-Funkwelle in mein Fleisch eindringen, damit sie 63 Prozent ihrer Strahlungsenergie verloren hat und nur noch 37 Prozent übrig sind? Dies wiederum weiß Prof. Dr. Werner Mäntele, Direktor des Instituts für Biophysik im Fachbereich Physik der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Er hat 2003 den schönen Beitrag "Wie hoch ist das Strahlenrisiko durch das Handy?" geschrieben und darin findet sich die abgebildete Grafik. Ich hoffe der Professor wird es mir verzeihen, dass ich mich zur vorgerückten Stunde ungefragt seiner Grafik bediene.

Auf den ersten Blick schon macht die Grafik deutlich, mit wachsender Frequenz tun sich Funkwellen zunehmend schwerer, tief in unseren Körper einzudringen, bei 10 GHz schaffen sie nur noch 1 Millimeter. Ein auf der Haut auftreffendes 10-GHz-Signal von z.B. 100 µW/m² Leistungsdichte hat nach 1 mm Reise durch unsere Haut nur noch 37 µW/m², nach 2 Millimeter 18 µW/m² usw. bis auf Null. Doch wo bleibt die Energie? Sie entweicht nicht heimlich in den ohnehin schon aufgeheizten Äther, sondern wird vom Körpergewebe verschluckt (absorbiert) und dabei in schnöde Wärme umgewandelt. Energieerhaltungssatz, Physik, 10. Klasse.

10 GHz würden dem Millimeterwellen-Hensinger so passen, doch darauf wird er gut und gerne noch zehn Jahre warten müssen. Also lieber zurück zu den 8,1-Zentimeterwellen (3,7 GHz), die uns schon demnächst perforieren werden. So eine Funkwelle dringt laut Grafik rd. 1 Zentimeter tief in uns ein und hat dann noch immer 37 Prozent Restenergie. Schrecklich. Geradezu tödlich gar der alte GSM900-Funk (0,9 GHz), der uns 5 Zentimeter tief aufspießt! Wie konnten wir das seit mehr als 25 Jahren überleben? Müssten Mobilfunkgegner nicht eher frenetisch für hohe 5G-Frequenzen skandieren, ihrer geringeren Eindringtiefe wegen, statt vorsorglich daran rumzumäkeln? Und wie konnte es passieren, dass ausgerechnet die GSM900-Tiefenstrahlung an der "Elektrosensiblen" Eva W. aus München völlig spurlos vorüber ging, bevor sie auf 2,1 GHz allergisch reagierte? Fragen über Fragen. Antworten weiß Peter Hensinger. Bestimmt. Der gelernte Drucker muss diese Rätsel lösen können, schließlich ist er bei dem Verein Diagnose-Funk Direktor des Ressorts Wissenschaft. Ob seine Antworten richtig sind ist eine andere Geschichte.

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Hensinger, Brief, Fachkompetenz, Eindringtiefe, 5G, Kuhn, Millimeter-Wellen

Der Schrei nach Liebe

KlaKla, Freitag, 14.12.2018, 09:30 (vor 193 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Freitag, 14.12.2018, 09:45

Ein Mann, der lautstark nach Aufmerksamkeit schreit, wie ein kleines Kind. Er will von den Großen beachtet werden. Das er abgespeist wird mit Textbausteinen, scheint ihn schwer zu treffen. Damit er nicht allein dasteht, schreibt er immer zu in der Mehrzahl.

Auszug: Unsere Fragen an Sie: Können Sie dem Aufbau einer Technologie ohne Technikfolgenabschätzung zustimmen? Wie beurteilt die Stadt Stuttgart selbständig die Studienlage zu 5G? Wir bitten Sie, uns nicht Textbausteine des Bundesamtes für Strahlenschutz und des Deutschen Mobilfunk­forschungs­programms von 2008 zuzusenden und mit nicht schützenden Grenzwerten zu argumen­tieren.

Wie soll eine Stadt Studienlagen beurteilen können. Das geht doch gar nicht. Eine Stadt wird regiert und verwaltet. Volljährige Bürger wählen ihre Volksvertreter. Selbst Wutbürger und Querulanten könnten sich so einer Wahl stellen. Die Aussicht auf Erfolg ist dabei mäßig. Hensinger scheint aber noch immer nicht verstanden zu haben, wie das funktioniert. Hätte er doch bloß aufgepasst in Gemeinschaftskunde. Seine naive Forderung nach Bürgerbeteiligung ist spaßig. Ebenso sein Hinweis auf die Anfrage des BUND. Er selbst ist der aktivste Meinungsmacher des BUND beim Thema Mobilfunk. Kurzsichtige Mitstreiter lassen sich vielleicht blenden. Aber sicher nicht der offizielle Empfänger des Briefes.

Bei der Auftaktveranstaltung: Wie smart ist Stuttgart? konnte ich nix von einer Bürgerinitiative Stuttgart West oder den Hensingers vernehmen. Dort mit der Überzeugung der totalen Überwachung aufzutreten trauen sie sich dann doch nicht. So bliebt Hensinger in seiner Seifenblase und nutzt die Bühne der SÖS, das parteifreie Bündnis Stuttgart ökologisch sozial. Es bleibt abzuwarten, wann die Aufwachen. Vielleicht aber verhält es sich da ähnlich wie mit der ÖDP, wer zahlt schafft an.

Hintergrund
Diagnose-Funk infiziert BUND-Mitglieder
Die Irrtümer des Peter Hensinger (Diagnose-Funk)
Wie P. Hensinger sein Publikum für dumm verkauft

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Meine Meinungsäußerung

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Psychologie, Druck, Geltungsdrang, Wutbürger, Seifenblase, Selbstdarsteller, Aufschrei

03 Peter Hensinger vs. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 31.03.2019, 23:09 (vor 85 Tagen) @ H. Lamarr

Peter Hensinger ist derzeit als Teilnehmer der 5G-Tea-Party in Hochform. Der gelernte Drucker durfte in einem 6-Minuten-Radiobeitrag auf SWR2 den Gegenpart zu Nicole Meßmer geben (BfS-Pressestelle). Über das BfS sagte Hensinger sprachlich etwas unrund (Minute 3:13):

Es ist wie beim Diesel, wie beim Glyphosat andre Bundesämter eine Entwarnungsbehörde, wo die Industrielobby einen mächtigen Einfluss hat.

Soso, das BfS ist also eine Pfui-Teufel-Entwarnungsbehörde.

Doch Hensinger spricht mit gespaltener Zunge. Denn wenn es darum geht, Alarm zu schlagen, kommt Hensingers Verein Diagnose-Funk die angebliche "Entwarnungsbehörde" BfS als wichtiger Belastungszeuge gerade recht. So erschreckte Hensingers Vereinskollege Jörn Gutbier erst im Januar 2019 die Räte der Stadt Herrenberg mit zwei Krebsstudien des BfS:

Mobilfunkstrahlung kann Krebs auslösen. Das ist seit letztem Jahr gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis. Mobilfunkstrahlung lässt auch bei sehr geringer Dosis entartete Zellen schneller wachsen – sie ist Krebs promovierend – zweifach bestätigt durch Wiederholungsstudien des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Hensinger, 2. Vorstand von Diagnose-Funk, entwertet das BfS als "Entwarnungsbehörde", Gutbier, 1. Vorstand von Diagnose-Funk benutzt das BfS hingegen als kompetente "Warnungsbehörde" für seinen Krebsalarm. Offensichtlich weiß in dem Verein die linke Hand nicht, was die rechte tut.

Geht's noch?

Doch damit nicht genug. Gutbier behauptete in Herrenberg, "Mobilfunkstrahlung kann Krebs auslösen. Das ist seit letztem Jahr gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis." Das ist in zweifacher Hinsicht Stuss (auch wenn Gutbier sich gleich im nächsten Satz berichtigend widerspricht). Denn a) stimmt es nicht, dass Funkfelder Krebs auslösen (verursachen) können und deshalb ist es b) nur ein Wunschtraum von Mobilfunkgegnern, die krebsverursachende Wirkung sei sogar eine "gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis". Für Gutbiers Fehler in Herrenberg muss Hensinger nicht haften.

Vor ein paar Tagen aber brachte Diagnose-Funk die Gutbier-Behauptung in leicht abgewandelter Form auf der Website des Vereins zum Vortrage, und dafür muss auch Hensinger gerade stehen:

Übrigens: das Bundesamt für Strahlenschutz selbst hat in zwei Wiederholungsstudien festgestellt, dass ein krebspromovierendes Potential der Mobilfunkstrahlung als gesichert (!) anzusehen ist.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass Gutbiers erster Fehler diskret behoben wurde. Funk kann Krebs jetzt nicht mehr "auslösen", sondern ist nur noch "krebspromovierend", das bedeutet, das Wachstum eines vorhandenen Tumors wird unter Funkeinwirkung begünstigt. Warum das so ist weiß gegenwärtig auch die Wissenschaft noch nicht. Immerhin hat der Verein damit einen bösen Schnitzer seines 1. Vorstands nicht wiederholt. Dass die Erkenntnis der tumorpromovierenden Wirkung "als gesichert (!) anzusehen ist" ist, kann sich der auf Dramatik versessene Verein jedoch nicht verkneifen.

Um zu verstehen, was an dem "gesichert" so bemerkenswert ist, muss man wissen, dass das IZgMF dem Verein Diagnose-Funk 2017 eine Falschmeldung nachgewiesen hat. Damals schob der Verein die Behauptung, "dass die krebspro­­movierende Wirkung unterhalb der Grenzwerte als gesichert angesehen werden muss" noch dem BfS unter. Fälschlich, wie sich herausstellte. Nicht das BfS sah dies so und schon gar nicht die Wissenschaft, sondern allein die Autorin Klose der ersten Wiederholungsstudie sprach davon, ihre Erkenntnis sei als "gesichert anzusehen". Diagnose-Funk versuchte also, die Einschätzung einer einzigen externen Person (Jacobs University, Bremen) als Einschätzung des BfS auszugeben.

Mit Vergnügen sehe ich jetzt, dass Diagnose-Funk und namentlich Jörn Gutbier der Kritik des IZgMF Folge leisten und dem BfS die Einschätzung der Studienautorin nicht mehr fälschlich in die Schuhe schieben. Mit Kopfschütteln sehe ich hingegen, dass sie stattdessen versuchen, die Einschätzung der Studienautorin als gesicherten Stand des Wissens auszugeben. Ich erkenne darin unseriöses Dramatisieren, denn seit der Folgestudie zur Wiederholungsstudie hat sich bis auf eine Studie zur Dosimetrieverfeinerung nichts weiter getan, was es rechtfertigen könnte, die Erkenntnisse als "gesichert" anzusehen.

So fehlt denn auch das Zauberwort "gesichert" dort, wo das BfS selbst sich zu den angeblich gesicherten Erkenntnissen über die tumorpro­­movierende Wirkung von Funkfeldern äußert, also zu den vom BfS beauftragten zwei Studien (und der am Anfang stehenden Pilotstudie von Tillmann et al.). Zum Bedauern von Diagnose-Funk resümiert das Amt undramatisch:

Die Frage nach der Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen kann durch keine der drei Studien beantwortet werden. Bei kleinen Tieren wie Mäusen werden die inneren Organe stärker von den Feldern erreicht als beim Menschen.

Bereits die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Tiermodelle ist schwierig, denn bei Ratten (Hirntumore) und anderen Mausmodellen (Lymphome) wurde ein krebsfördernder Einfluss hochfrequenter elektromagnetischer Felder nicht gefunden.

Zur Ableitung von Grenzwerten können die Ergebnisse nicht herangezogen werden. Sie stützen aber die Empfehlungen des BfS zur Minimierung der Exposition gegenüber hochfrequenten EMF.

Interessanterweise räumt das BfS auf der verlinkten Seite auch mit der Behauptung von "zwei Wiederholungsstudien" auf. Gutbier und sein Verein wollen mit dieser Formulierung den Eindruck erwecken, die ursprüngliche Pilotstudie (Tillmann et al., 2010) sei 2-mal bestätigt worden und der Befund deshalb "bombensicher". Doch das ist eine Täuschung. Die Pilotstudie wurde nur 1-mal wiederholt (Klose et al., 2015). Die angebliche zweite Wiederholung (Lerchl et al., 2018) war keine Replikation, sondern eine Studie zur Abklärung grundlegender Wirkmechanismen.

Wenn man sich nun rückblickend ansieht, welcher Aufwand nötig ist, um eine nur wenige Zeilen umfassende teils kaum erkennbare Desinformation des Vereins Diagnose-Funk zu veranschaulichen und nachvollziehbar zu widerlegen, wird deutlich, warum Fake-News im Netz so selten widersprochen wird. Autoritäten und Entscheider reagieren so gut wie nie auf Falschmeldungen aus der Anti-Mobilfunk-Szene. Für sie sind Vereine wie Diagnose-Funk meiner Erfahrung nach wie nörgelnde Kinder, die selbst dann gewohnheitsmäßig um etwas betteln, wenn die Chance erhört zu werden Null ist.

Hintergrund
Schon lange versucht die Anti-Mobilfunk-Szene, die Glaubwürdigkeit des BfS zu untergraben, um die Stimme des Amtes in der Streitfrage zu entwerten, ob Mobilfunk biologisch gefährlich ist. Ein gescheiterter Entwertungsversuch aus dem Jahr 2011 ist <hier> dokumentiert. Dort geht es um die Kompetenz des Amts. Üblicherweise wird den Strahlenschützern von Mobilfunkgegnern die heimliche Vertretung von Interessen der Mobilfunkindustrie unterstellt mit der Begründung, der Staat habe anno 2000 rund 50 Mrd. Euro für die UMTS-Lizenzen eingenommen und sei so in einer Bringschuld gegenüber der Industrie. Beweise oder auch nur ernst zu nehmende Hinweise für ihre Unterstellungen konnten organisierte Mobilfunkgegner allerdings zu keiner Zeit beibringen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologe, Entwertung, Unseriös, Medien, Täuschung, SWR, Hensinger, BfS, Falschmeldung, Gutbier, Drucker, Autorität, Diagnose Funk, Fake-News, 5G-Tea-Party

03 Peter Hensinger vs. Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 01.05.2019, 22:24 (vor 54 Tagen) @ H. Lamarr

Mit Vergnügen sehe ich jetzt, dass Diagnose-Funk und namentlich Jörn Gutbier der Kritik des IZgMF Folge leisten und dem BfS die Einschätzung der Studienautorin nicht mehr fälschlich in die Schuhe schieben.

Zu früh gefreut.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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