Wirksame Gesundheitsvorsorge mit Sendemasten in Wohngebieten (Technik)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 09.04.2019, 19:35 (vor 221 Tagen)

Nahezu alle Mobilfunkgegner müssen mit dem Widerspruch leben, mehr oder weniger heimlich Smartphones zu benutzen. Treffender müssten sie deshalb Sendemastengegner heißen. Doch damit wird der Widerspruch nicht kleiner, sondern größer. Denn wenn von Mobilfunk überhaupt ein Gesundheitsrisiko ausgeht, dann nicht von bedrohlich aussehenden Sendemasten, sondern von den harmlos wirkenden Mobiltelefonen. Technische Laien tun sich schwer, dies zu begreifen, zumal organisierte Mobilfunkgegner alles tun, die Legende von den gesundheitsschädlichen Sendemasten am Leben zu erhalten. Ein weiterer Anlauf, in die Irre geleiteten Sendemastengegnern die Augen zu öffnen.

Obwohl wir jetzt bald 30 Jahre digitalen Mobilfunk haben gibt es noch immer Sendemastengegner, die den Mobilfunk mit ihrem Smartphone zwar gerne nutzen, vor ihrer Haustür jedoch keinen Sendemasten sehen möchten. Das Dissoziale an dieser egoistischen Sichtweise erkennen Sendemastengegner nicht, für sie steht die Sorge um das persönliche Wohlergehen im Vordergrund. Verübeln kann man es den Leuten nicht, denn die Anti-Mobilfunk-Szene und die Medien überbieten sich gerne gegenseitig im Berichten von Schauergeschichten, was nicht alles an mörderischen Risiken dem droht, der das Unglück hat, in Sichtweite eines Mobilfunksendemasten zu wohnen. Dabei gibt es seitens der Wissenschaft keine ernsthaften Hinweise, von Sendemasten könne ein Gesundheitsrisiko ausgehen. Wenn überhaupt, geht ein solches Risiko von Mobiltelefonen aus. Diese haben zwar nur eine geringe Sendeleistung, werden jedoch direkt am Körper genutzt. Doch Bedenken gegen Mobiltelefone zu äußern wagen Mobilfunkgegner und Medien bestenfalls sporadisch, sie wissen nur zu genau, dass dieses "Lieblingsspielzeug" für Erwachsene besser unangetastet bleibt, um sich nicht nachhaltig den Unmut sämtlicher Bevölkerungsschichten einzufangen.

Der Mast muss nicht weg, sondern her!

Wenn aber der Gebrauch von Mobiltelefonen stärker risikobehaftet ist als das Leben in Sichtweite eines Mobilfunksendemasten, dann ist es dumm, die Sendemasten so weit wie möglich von sich fort schieben zu wollen. Denn je größer die Distanz zwischen Sendemast und Telefon, desto stärker muss das Telefon senden, um die Distanz überbrücken zu können. Im GSM-Modus kann so die Sendeleistung eines Telefons bis auf 2 Watt ansteigen. Ist die Distanz hingegen klein, genügen einem Mobiltelefon bereits weniger als 10 Milliwatt Sendeleistung, um eine Verbindung halten zu können, das ist mindestens 200-mal weniger als die Maximalleistung. Wer verständig ist und Gesundheitsvorsorge beim Mobilfunk walten lassen möchte, sollte deshalb stets auf guten Empfang seines Mobiltelefons achten, denn guter Empfang bedeutet automatisch schwache Sendeleistung. Vereinfacht gesagt betreibt derjenige die wirksamste Gesundheitsvorsorge, der Sendemasten herbei holt, statt sie in die Pampa zu verbannen.

Da ich in jungen Jahren nicht nur aufmerksam den "Playboy" studiert habe, sondern erfolgreich auch Nachrichtentechnik, darf man mir meine Ausführungen, auch wenn es im Nahfeld von Antennen etwas komplizierter als beschrieben ist, getrost glauben. Wer nur einen Funken Ahnung von Funktechnik hat wird nicken und zustimmen. Doch was ist mit Architekten, Druckern, Heilpraktikern oder Obsthändlern? Funktechnische Laien erreiche ich allein mit Worten nicht, schon gar nicht, wenn sie zuvor von organisierten Mobilfunkgegnern mit Desinformation vollgetankt wurden. Deshalb müssen Bilder her, Bilder, die das Gesagte auch für funktechnische Laien so veranschaulichen, dass aus Glauben Wissen wird.

Unbesorgt 25-mal länger telefonieren

Zwei passende Bilder habe ich in Kapitel 7 des Dokuments "Möglichkeiten und Grenzen der Minimierung von Mobilfunkimmissionen" gefunden, das 2004 von ausgewiesen Fachleuten (C. Bornkessel und M. Wuschek, beide sind heute Professoren an Hochschulen) im Auftrag des Bayerischen Landesamt für Umweltschutz verfasst wurde. Da es um Grundlagen der Funkfeldausbreitung geht, spielt das Alter des Dokuments keine Rolle. Die Autoren untersuchten mit Messfahrten in zwei bayerischen Gemeinden (Griesbach und Ruhstorf a. d. Rott), wie es sich auf die Sendeleistung von Mobiltelefonen in diesen Gemeinden auswirkt, stehen zwei Mobilfunksendemasten am Ortsrand (Griesbach), oder steht einer mitten im Ort (Ruhstorf). Die gefundenen Werte der Telefon-Sendeleistung entlang der Messstrecken wurde farbig codiert in die Bilder eingetragen, rot bedeutet hohe Sendeleistung (0,5 Watt bis 2 Watt), hellgrün bedeutet niedrige Sendeleistung (weniger als 10 Milliwatt). Dazwischen gibt es Abstufungen, die in den Bildlegenden erklärt werden.

Bild 1: Sendeleistung von Mobiltelefonen bei zwei Sendemasten am Ortsrand.
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Bild 2: Sendeleistung von Mobiltelefonen bei einem Sendemast in Ortsmitte.
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Bilder: EM-Institut, IMST, LfU

Die selbsterklärenden Bilder zeigen unmissverständlich, in welcher der beiden Gemeinden die Bewohner eine weniger starke Befeldung durch ihre Mobiltelefone erfahren. Im Mittel beträgt die Sendeleistung der Telefone in Griesbach volle 2 Watt, in Ruhstorf strahlen Mobiltelefone hingegen mit im Mittel 80 Milliwatt 25-mal schwächer. Oder anschaulicher gesagt: In Ruhstorf darf ein Bewohner in weiten Teilen des Ortsgebiets 25 Stunden ununterbrochen mit seinem Smartphone telefonieren oder surfen, bevor er den gleichen elektromagnetischen Energieeintrag in seinen Körper erzielt, den er bei einem nur 1-Stündigen Telefonat in Griesbach hätte. Als Mittelwert haben die Autoren der Feldstudie nicht den arithmetischen Mittelwert gewählt, sondern den Median, bei dem Extremwerte nach unten und oben von der Mittelwertbildung ausgeschlossen werden. Was es damit auf sich hat ist <hier> erklärt. Auffällig ist auch: Die vorteilhaften grünen Strecken in Griesbach befinden sich zum Großteil außerhalb bewohnter Gebiete, dort aber nutzen sie den Griesbachern so gut wie nichts.

Ja, aber der Sendemast strahlt ständig ...!

Sendemastengegner werden nun das Mantra vorbringen, dass der zentral gelegene Sendemast in Ruhstorf die Bewohner stärker bestrahlt, als die beiden in Randlage gelegenen Sendemasten in Griesbach – und dies vor allem rund um die Uhr 365 Tage im Jahr. Dagegen wende ich ein:

► Wer in Griesbach in den Randlagen wohnt, wo die beiden Sendemasten stehen, ist nicht weniger "benachteiligt" als die Bewohner im Zentrum von Ruhstorf. Sozial gerecht ist dies in Griesbach nicht. Sozial gerechter geht es in Ruhstorf zu. Dort werden die Bewohner – in konzentrischen Ringen – gleichmäßiger befeldet als in Griesbach. Doch diese Betrachtung ist müßig, denn hier wie dort hat niemand etwas von den Sendemasten zu befürchten, die mit Abstand stärkere Feldeinwirkung geht ohne Wenn & Aber von den Smartphones aus.

► Im Gegensatz zu radioaktiver Strahlung, die sich durch Nahrungsaufnahme oder einatmen von Partikeln über die Zeit im Körper anreichern kann, reichern sich elektromagnetische Felder im Körper nicht an. Das bedeutet: Die schwachen elektromagnetischen Felder eines Mobilfunksendemasten unterhalb der Grenzwerte werden dadurch nicht "schädlicher", nur weil sie dauerhaft einwirken, wie organisierte Mobilfunkgegner einem mit Hinweis auf "athermische Effekte" gerne einreden wollen. Um das besser zu verstehen hilft meine Lieblingsanalogie: Ein Hühnerei wird auch dann nicht gar, wenn man es nur lange genug bei 20 °C lagert! Athermische Effekte unterhalb der Grenzwerte bestreitet niemand, auch die viel geschmähte ICNIRP nicht, keiner dieser Effekte ist nach dem Stand des Wissens jedoch erwiesenermaßen gesundheitsschädlich. Auch hier mag wieder eine Analogie helfen: Ein bekannter nützlicher athermischer Effekt ist z.B. die Pupillenverengung beim Einfall von Licht ins Auge. Bei anderen athermischen Effekten weiß die Wissenschaft noch nicht, ob sie für die Gesundheit gut, schlecht oder belanglos sind. Deshalb wird unermüdlich weltweit weiter geforscht. Doch allzu schlimm kann das, was noch gefunden wird nicht sein, denn wäre es anders, grobe Klötze hätte die Wissenschaft nach bald drei Jahrzehnten digitalen Mobilfunk nicht übersehen können.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Ruhstorf, Vorsorge, Sendemast, Wohngebiet, Wuschek, Bornkessel, Sendeleistung, Gemeinde, Feldstudie, Griesbach, Nachrichtentechnik


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