Warum es keinen einheitlichen Weg geben kann (Elektrosensibilität)

Doris @, Freitag, 21.03.2008, 16:23 (vor 4133 Tagen) @ Fee

Noch gleich eine andere Frage, Sie schreiben als Logo unter jeden Beitrag "nicht die Masten sind das grössere Problem, sondern die Handys". Es würde mich interessieren, ob und was Sie dagegen unternehmen.

Nach sehr intensivem Auseinandersetzen mit dem Thema komme ich immer mehr zu der Überzeugung, dass die "Sendemastkritiker" und die "Handykritiker" nie eine einheitliche Lösung finden können. Die Weiterentwicklung vom Kritiker der 1. Generation zum Kritiker der 2. Generation kann nur bei einem Nicht Betroffenen/ES stattfinden, der sozusagen theoretisch bewertet und sich an die Fakten oder wie das BfS sagt "an den aktuellen wissenschaftlichen Stand" hält. Der aktuelle Stand der Wissenschaft sieht bei schwachen Feldern keine Gesundheitsschäden und bei Handytelefonierern eine schwache Tendenz zur Steigerung eines Gehirntumors. Aus dieser Erkenntnis, die offensichtlich eindeutig mit der Intensität zusammenhängt, wird eine Schädigung bei schwächeren Feldern eher ausgeschlossen. Eine intensive Auseinandersetzung von Seiten der Wissenschaft mit schwächerer aber ständiger Dauerbelastung, wie sie von Basisstationen herrühren kann, findet m.E. deshalb nicht statt, weil es a) nicht vorstellbar ist und b)vielleicht auch nicht vorstellbar sein darf, weil es ein Problem mit einer eher unmöglichen Lösung bereiten könnte.
Erschwerend kommt auch dazu, dass ansatzweise vernünftige Vorschläge von Sendemastbekämpfern, wie Aufstellen der Masten außerhalb und eine entsprechende Höhe von anderen Sendemastbekämpfern wieder bekämpft werden, die sich zum Ziel gesetzt haben, jeden Masten abzulehnen, zumindest vor ihrer eigenen Haustür. Ein Sendemastbekämpfer und auch der ein oder andere ES betreibt m.E. eher eine "Heimatortbezogene Mobilfunkkritik", die anderen (Kritiker der 2. Generation, die das größere Problem in den körpernahen Geräten sehen) versuchen die Mobilfunkkritik allumfassend zu betreiben. Die Sendemastbekämpfer haben selbst untereinander keinen einheitlichen Konsens.
Dann die unterschiedlichen Forderungen nach absolut nicht umsetzbaren Grenzwerten im µW-Bereich und auch die Aussagen von manchen ES, bereits auf Werte im µW-Bereich zu reagieren, zeigt mir, dass es nie ein Lösung für alle geben kann. Ein Kritiker, der sich mit evtl. Gefahren durch das Handy auseinandersetzt und hier aktiv werden will kann und wird sich niemals an solchen Forderungen nach derartig niedrigen Grenzwerten beteiligen können. Und sollte sich in absehbarer Zeit tatsächlich Schäden durch Handytelefonieren herausstellen, die ja dann zwangsläufig eine Lösung für dieses Problem nach sich ziehen müsste, wird diese Lösung mit den Sendemastgegnern kollidieren müssen, vor allen Dingen, solange es Menschen gibt, die eine Gefährdung schon im µW-Bereich sehen oder auch erleben (ich kann und möchte das nicht bewerten) Deshalb werden wir hier noch in paar Jahren diskutieren und die verschiedenen Kritiker werden und können sich nicht einig sein und auch von den Regierungsverantwortlichen werden wir nie eine wirklich alle glücklich machende Lösung erwarten können.
Für die Forderung keine weiteren Funkdienste zuzulassen gibt es schlichtweg keine Handhabe. Die Forderung nach funkfreien Gebieten als Schutzzone für ES kann ich persönlich nicht unbedingt sehr ernst nehmen, weil es funkfreie Gebiete gibt, das braucht mir niemand erzählen. Ich sehe darin eher den Versuch einen moralischen Druck auf die Regierung oder auf diejenigen auszuüben, die dieses Leiden nicht ernstnehmen "seht her, wir sind gezwungen uns auszugrenzen, weil ihr es zulasst, dass so hirnlos ausgebaut wird". Denn es sollte hier mal berücksichtigt werden, welche Probleme in solchen Schutzgebieten auftreten können, wenn Menschen verschiedener Charaktereigenschaften zusammenwohnen müssen, nur weil sie an derselben Erkrankung leiden. Und was ist eigentlich aus all den ES geworden, die vor Jahren hier mitgeschrieben haben, die auch im Schweizer Gigaherz mitgeschrieben haben, die denselben LEidensdruck hatten und glaubten, dies nicht zu überleben. Wo sind sie heute, wie geht es ihnen heute. Ich gehe davon aus, sie haben für sich einen Weg gefunden zu leben, obwohl der wirklich fast hirnlose Ausbau der Funktechnik rasant weiterging.
Es muss zwar nicht ein "heiliger Krieg" gegen die Sendemastgegner sein, der hier geführt wird, aber ein Kritiker der 2. Generation kann niemals denselben WEg gehen wir ein Elektrosensibler. Beide Parteien können zwar als Endziel haben, "macht Mobilfunkstrahlung krank", aber uneinig wird man schon wieder sein, wenn man die "evtl. krankmachende Strahlung" an der Intensität aufhängt.
Zu dieser Erkenntnis komme ich immer mehr und gerade mein Versuch beiden Seiten gerecht zu werden bringt mich oft emotional so derart zwischen die Fronten, dass dies mir persönlich nicht guttut. Nun kann ich mich nicht einfach für eine Seite entscheiden, so denke ich oft, die einzige Lösung für mich wäre mich aus der Mobilfunkkritik rauszunehmen. Mehrere gestartete Versuche jedoch scheiterten bisher ;-)

Tags:
Zeichen, Wissenschaft, Forderung, Beweggründe, Realo


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