rbb (2019): Mobilfunktest in Berlin – Frequenz und Risiko hoch? (Medien)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 17.04.2019, 19:12 (vor 210 Tagen) @ H. Lamarr

Sendeanstalt: Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)
Sendereihe: Super.Markt
Sendung: Mobilfunktest in Berlin: hohe Frequenzen, hohes Risiko?
Ausstrahlung: 18. März 2019
Beitragsdauer: 7:36 Minuten
Moderation: -
Regie: unbekannt
Autor: Thomas Förster
Produktion (Auftragnehmer): unbekannt
Auftraggeber: unbekannt
Redaktion: unbekannt

Auftretende Personen
- Till Hartmut Metzger (Anwohner)
- Franz Adlkofer (Ex-Tabaklobbyist und Mobilfunkgegner)
- Gunde Ziegelberger (Bundesamt für Strahlenschutz, BfS)
- Georg von Wagner (Deutsche Telekom)
- Reiner Wild (Berliner Mieterverein)

Nachfolgend der zugehörige Begleittext von der rbb-Website:

5G - die fünfte Generation der Mobilfunktechnik soll kommen. Muss kommen. Sagen Menschen, die in der Politik arbeiten oder in der Wirtschaft. Denn, so sagen sie, diesem Standard gehört die Zukunft, damit können Autos vernetzt werden, und das sogenannte Internet der Dinge kommt dann endlich in Fahrt.

Noch vor der Vergabe der Lizenz zum Aufbau dieses Netzes testet die Telekom in Berlin bereits die Hochfrequenztechnik an über 70 Masten zwischen Schöneberg und Mitte.

Manchen Menschen jedoch breitet der Umstieg auf 5G Sorgen. Denn es gibt ernstzunehmende Studien, die vor den Gefahren der hier noch stärkeren Funkstrahlung warnen. Was sagen die Verantwortlichen dazu? SUPER.MARKT über den aktuellen Stand beim neuen Mobilfunkstandard.

Auf Anfrage teilte mir die rbb-Service-Redaktion mit, der Autor Thomas Förster sei kein Mitarbeiter von rbb, sondern freier Mitarbeiter.

Wertung Postingautor: Der Beitrag ist tendenziös und schürt unbegründete Ängste in der Bevölkerung gegenüber "höheren Frequenzen". Welche Auswirkungen diese höheren Frequenzen auf Menschen haben, so wird fälschlich behauptet, sei nicht untersucht worden [ab Minute 1:15]. Richtig ist: Die 2019 versteigerten 5G-Frequenzen erreichen maximal 3,7 GHz, das ist lediglich rund 1 GHz über der bisher in Deutschland verwendeten LTE-Frequenz von 2,6 GHz. Es gibt keinerlei Anfangsverdacht, die nur geringfügig höhere 5G-Frequenz könnte in irgendeiner Weise gesundheitsschädlich sein.

Begründung
► Anschließend darf Franz Adlkofer als "Mobilfunkexperten" zu Wort kommen [Minute 1:20]. Mit keiner Silbe wird die lange Karriere Adlkofers als wissenschaftlicher Lobbyist der Tabakindustrie erwähnt (stattdessen wird er beschönigend als Biochemiker und Mediziner vorgestellt), ebenso wenig wird darauf hingewiesen, dass Adlkofers Wiener Mobilfunkstudie (2004) – über die er auch in der Szene redet – unter begründetem aber umstrittenen Fälschungsverdacht steht, eine Untersuchungskommission bei der Studie unstreitig wissenschaftliches Fehlverhalten feststellte und bislang jeder Replikationsversuch dieser Studie negativ verlaufen ist. Kein Wort auch davon, dass Adlkofer organisierter Mobilfunkgegner ist, der mit seiner Stiftung Pandora exklusiv Aktivitäten zum Vorteil von Mobilfunkgegnern finanziert. Der Zuschauer bekommt von Förster ein völlig verzerrtes beschönigendes Bild Adlkofers serviert. Man muss sich ernsthaft fragen, was den Autor veranlasst hat, einen derart vorbelasteten Akteur überhaupt vor die Kamera zu holen.
► Der Beitrag behauptet, unter Mobilfunkeinwirkung sei eine Temperaturerhöhung von +1 °C "gesetzlich erlaubt" [Minute 2:20]. Das ist falsch. Richtig ist, Privatpersonen dürfen maximal mit 1/50 der Leistungsflussdichte befeldet werden, die zu +1 °C Temperaturerhöhung führen würde. Offensichtlich hat sich der Autor bei seinen Recherchen der Desinformation organisierter Mobilfunkgegner bedient, statt qualifizierte Quellen wie das BfS aufzusuchen.
► Die Äußerungen zur Ramazzini- und NTP-Studie [ab Minute 2:35] sind unqualifiziert und angstschürend, es wird z.B. behauptet, die Italiener hätten eine auffällige Häufung von Tumoren bei lebenslang befeldeten Ratten gefunden, diese Tumoren wären vom selben Typ, der vermehrt auch bei Menschen auftrete, die mit Handys intensiv telefonierten. Mutmaßlich hat der Autor auch diese verzerrte Darstellung bei organisierten Mobilfunkgegnern abgeschaut. Mir ist keine seriöse Studieninterpretation bekannt, die diesen Zusammenhang konstruiert hätte. Kritik an der Ramazzini/NTP-Studie, die es durchaus gibt, wird in dem Beitrag selbstverständlich nicht erwähnt.
► Der Beitrag behauptet allein aufgrund der Tatsache einer unstreitigen Netzverdichtung bei 5G, die "Strahlendosis" (dieser Begriff ist radioaktiver Strahlung vorbehalten!) würde massiv steigen und man könne sich dem kaum entziehen [Minute 4:00]. Dass eine Netzverdichtung und adaptive Antennen auch deutlich geringere Immission für unbeteiligte Anwohner bedeuten können, wird verschwiegen.
► Selbstverständlich kolportiert der Beitrag auch das Märchen von den 180 "Wissenschaftlern", die sich gegen 5G ausgesprochen hätten [Minute 4:12], auf die Idee, die Namen der deutschen Fraktion einmal zu googeln, kam Thomas Förster offenkundig nicht.
► Ab Minute 5:13 dreht der Beitrag Gunde Ziegelberger vom BfS das Wort im Mund herum. Details dazu <hier>.

Den Rest des Beitrags möchte ich nicht weiter kommentieren, ich meine es ist schon jetzt ausreichend klar, welcher ungewöhnlich dichten Desinformation rbb mit der Abnahme dieses tendenziös recherchierten und geschnittenen Videoschnipsels aufgesessen ist. Unklar ist hingegen, wer die grobe Schieflage zu verantworten hat, der Autor oder die Redaktion der Sendung Super.Markt. Denn wenn rbb ausdrücklich einen alarmierenden Beitrag bestellte, hat der Dienstleister nur geliefert, was der Auftraggeber wollte. Andersrum muss man sich fragen, wie ein solcher Beitrag von der Redaktion abgenommen werden konnte, wenn diese einen objektiven, sachlichen und fachlich qualifizierten Bericht zum 5G-Test in Berlin bestellt hat.

Hintergrund
Zum Fragezeichen im Titel der rbb-Sendung über 5G

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Medien, Reflex, Wissenschaftliches Fehlverhalten, Adlkofer, Ablenkungsforschung, Tabak-Library, Lügenpresse, Super.Markt, Entwertung Distanzierung


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