WELT: Desinformation auf Kosten von Gunde Ziegelberger (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.03.2019, 18:20 (vor 181 Tagen) @ H. Lamarr

Eine niederträchtige Form des Journalismus betreibt WELT mit dem Beitrag Wissenschaftler warnen vor 5G-Strahlenbelastung. Opfer ist dort nicht BfS-Präsidentin Paulini, sondern Gunde Ziegelberger. Kein Autor bekennt sich zu dem Beitrag, dessen Verfasser sich im Netz aus Sekundärquellen Material zusammengegoogelt und mit entstellendem Begleittext versehen hat. Folgend zwei Beispiele:

WELT: Dr. Gunde Ziegelberger räumt gegenüber dem rbb-Magazin „Super.Markt“ ein, dass man die Risiken von 5G zwar erforschen müsse – aber erst nach dem Ausbau: „Wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt, das werden wir auch in Forschungsvorhaben begleiten und beobachten.“

Ein erstes Indiz, dass mit Ziegelbergers verstörender Aussage etwas nicht stimmt ist daran zu erkennen, dass Ziegelberger die Aussage in indirekter Rede in den Mund gelegt wird, also ohne die Anführungszeichen eines wörtlichen Zitats.

Das Video des rbb-Magazins „Super.Markt“ findet sich <hier>, die relevante Szene spielt ab Minute 5:10. Zunächst sagt nicht Ziegelberger, sondern eine Sprecherin aus dem Off:

Die oberste Strahlenschutzbehörde sieht im Moment nirgendwo Handlungsbedarf, Forschen müsste man zwar schon, aber später, erst dann wenn die Technik eingeführt ist.

Das ist zunächst einmal nur eine Behauptung. Anschließend kommt Gunde Ziegelberger zu Wort, womit die Behauptung vermeintlich belegt werden soll:

Da sehen wir Forschungsbedarf. Und wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt, das werden wir auch in Forschungsvorhaben begleiten.

Jetzt muss man noch wissen, der neue Antennentyp (adaptive Antennen) für 5G ist auch nur eine Funkantenne. Neu daran ist, dass durch "Beamforming" die Strahlenkeulen dieser Antennen nicht wie bisher starr ausgerichtet, sondern elektrisch steuerbar sind. Auf diese Weise kann so eine Strahlenkeule z.B. einem telefonierenden Passanten auf der Straße nachgeführt werden, ähnlich wie Spotscheinwerfer einem Schauspieler auf einer Bühne folgen können, nur mit dem Unterschied, dass die Nachführung der Strahlenkeule automatisch vonstatten geht. Vorteil: Weniger Energieverschwendung, der Passant bleibt im Zentrum der Strahlenkeule gut versorgt, außerhalb des Kegels fällt die Energie des Funkfelds schnell ab, Unbeteiligte werden nur sehr schwach befeldet. Ein allgemeines Gefährdungspotenzial solcher Antennen ist nicht ersichtlich, wenn überhaupt, dann nur nahe der Antenne. Wegen der Bündelung der Energie ist dort mit merklich höheren Leistungsflussdichten zu rechnen als unten auf der Straße. Da es diese Antennen erst seit etwa 2017 kommerziell gibt und bislang die 5G-Infrastruktur fehlte, die Antennen im realen Betrieb zu erproben, konnte das BfS notgedrungen zuvor keine praktischen Erfahrungen sammeln. Und weil eine Personengefährdung nicht in Aussicht steht, ist an der begleitenden und nicht vorauseilenden Forschung aus meiner Sicht nichts auszusetzen. Überspitzt gesagt: Wenn ein Autohersteller im Zuge der Modellpflege ein Auto mit anderer Dachhimmelbespannung und ohne Zigarettenanzünder sowie ohne Aschenbecher anbietet, dann wird er dieses Modell wohl kaum für Crashtests gegen eine Mauer knallen müssen.

Wie "Super.Markt" und WELT Ziegelbergers Äußerung entstellt haben, lässt den Schluss zu, dass beide Medien nicht an seriösen Aussagen zu 5G interessiert sind, sondern Unruhe stiften möchten. So ist es eher kein Zufall, dass Ex-Tabaklobbyist Franz Adlkofer in beiden Medien zu Wort kommen darf. Um Adlkofer wichtig zu machen wird in dem "Super.Markt"-Video (Minute 1:25) behauptet, Adlkofer habe "im Auftrag der EU" geforscht. Wer sich auskennt weiß, so war es nicht, von einem Auftrag der EU kann keine Rede sein. Adlkofer hat für sein Projekt bei der EU Fördermittel beantragt und auch Geld bekommen, das nach Fälschungsvorwürfen gegen sein Projekt jedoch teilweise wieder an die EU zurück floss.

WELT: Einen ähnlichen Ton schlugen jüngst 180 Wissenschaftler aus 36 Ländern an. Sie forderten in einem offenen Brief, den Berliner Testlauf wegen möglicher Gesundheitsrisiken zu stoppen.

Das ist völliger Blödsinn, nichts davon stimmt. Den offenen Brief gibt es nicht. Im Originaltext auf WELT ist das Textfragment mit einem Link zu Diagnose-Funk versehen und es wird deutlich: Es geht um das 5G-Moratorium, das Hardell et al. im Herbst 2017 gefordert hatten, und das mit 5G in Berlin nicht das geringste zu tun hat. Eine derart dreiste Faktenfälschung kenne ich sonst nur von einem Anti-Mobilfunk-Verein in der Schweiz.

Wahrscheinlich sind in den Beiträgen von "Super.Markt" und WELT noch viel mehr Tellerminen verborgen, da aber die beiden Beispiele schon genug Arbeit machten, habe ich nicht weiter nach Spuren von Minen gesucht.

Meine Empfehlung fürs BfS: Sich nur noch dann als Interviewpartner zur Verfügung stellen, wenn die schriftliche Zusage vorliegt, dass der sendefertig geschnittene Beitrag zur Freigabe eingereicht wird. Wird dies mit allerlei Geschwafel verweigert, dann auf den Auftritt verzichten. Kein Auftritt ist immer noch besser als ein entstellend verbogener Auftritt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

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