NDR (2017): Wo strahlt es wie stark? (Medien)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 26.12.2018, 20:08 (vor 349 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus ndr.de vom 30.01.2017 (Teil 2 von 2):

Elektrosmog: Wo strahlt es wie stark?
von Carmen Woisczyk, NDR 1 Niedersachsen, Carsten Vick, NDR Info

Ist alles gut, wenn bei Messungen die Grenzwerte eingehalten werden? Oder gibt es auch unterhalb dieser Grenzwerte Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Befragt man dazu einige Experten, dann ist es wie so häufig: Es gibt ganz unterschiedliche Einschätzungen und Analysen - je nach dem, wen man gerade fragt.

Michael Mumm besitzt ein Smartphone, benutzt es aber fast ausschließlich im Flugmodus. Als Ingenieur berät er den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Sachen Elektrosmog. Und er ist - nach eigener Aussage - ein "Betroffener": "Wenn das Handy die ganze Zeit an wäre, dann wäre mein Kopf aus. Mein Kopf bekommt dann migräneartige Kopfschmerzen in kürzester Zeit, sodass ich das nicht die ganze Zeit anhaben könnte."

Jahre habe es gedauert, bevor er sein ständiges Unwohlsein den elektromagnetischen Strahlungen habe zuordnen können. Heute - ohne den ständigen Elektrosmog - gehe es ihm deutlich besser.
[...]

Kritik: Der Artikel stellt Michael Mumm als "elektrosensiblen" Elektrosmog-Berater des BUND vor und räumt dem "Ingenieur" viel Platz ein. Unerwähnt bleibt: Mumm ist seit 2011 ein sogenannter Baubiologe in Hamburg. Er unterliegt daher einem unübersehbaren kommerziellen Interessenkonflikt, was ihn für Journalisten als unvoreingenommenen Gesprächspartner zum Thema Elektrosmog völlig unmöglich machen sollte. Beim NDR hat man dazu offensichtlich eine ganz andere Meinung. Kann man haben. Doch dann wäre vom NDR zumindest zu erwarten gewesen, den Interessenkonflikt offen zu legen, statt diesen zu vertuschen.

Immer verdächtig ist die Nennung akademischer Grade wie "Ingenieur", ohne die Fachrichtung zu erwähnen, in welcher der Grad erworben wurde. Aus dem Kontext des NDR-Artikels heraus ist ein Leser gezwungen anzunehmen, Mumm sei Ingenieur der Elektrotechnik. Doch das ist falsch, er ist eigenen Angaben zufolge Diplom-Wirtschaftsingenieur. Aufgabe von Wirtschaftsingenieuren ist die Optimierung von technischen Betriebsabläufen, um maximale Produktivität und Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Mumms berufliche Expertise liegt in mechanischer Schwingungstechnik, was mit E-Technik oder Nachrichtentechnik wenig bis nichts zu tun hat.

Obwohl Mumm als Baubiologe kein ernst zu nehmender Elektrosmog-Experte ist, lässt der NDR-Artikel ihn gegen zwei kompetente Meinungsgegner aus Kreisen der Wissenschaft antreten (Sarah Drießen vom EMF-Portal der RWTH Aachen und Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlenschutz). Dies soll dem Artikel mutmaßlich zum Anschein von Ausgewogenheit verhelfen. Doch das Kompetenzgefälle ist dafür unangemessen groß. Nutznießer ist Mumm und die Branche der Baubiologen, die von Lesern irrtümlich als gleichwertig kompetente Meinungsgegner zu Wissenschaftlern wahrgenommen werden könnten. Wer sich beim NDR diese Auswahl der Kontrahenten ausdachte, er möge Asche auf sein Haupt streuen, niemand sonst käme zum Vergleich auf die Idee, anlässlich einer Diskussion über Stickoxidgrenzwerte einem Erstklässler und Sohn eines Autohändlers zwei Oberprimaner gegenüber zu stellen.

Völliges Versagen zeigt der NDR-Artikel mit dem Textkasten "Welche Geräte senden welche Strahlung aus?". Angeboten werden dort (im Original mit Links) null seriöse Informationsquellen, sondern ausschließlich (vier) baubiologisch hoffnungslos verseuchte:

► Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit (IBN)
► Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
► Ökotest
► Ökotest-Artikel: Elektrosmog im Haus/Büro
► Akademie Bauen, Wohnen, Gesundheit - Baubiologie

Und für diese dichte Desinformation aus Hamburg bezahlen wir Rundfunkgebühren :no:.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologie, Desinformation, Oeko-Test, Kritik, NDR, Mumm


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