Problematik ökologischer Studien (Forschung)

KlaKla, Samstag, 25.11.2017, 09:04 (vor 719 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Samstag, 25.11.2017, 09:24

Auszug Mobilfunk aus Sicht von Arzt und Patient
Autoren, Prof. Dr. med. Thomas Eikmann, Prof. Dr. med. Caroline Herr, Dr. rer. nat. Matthias Otto

Der Bedarf an entsprechender Information zum Thema Mobilfunk und Gesundheit lässt Ärzte daher auch immer wieder selbst aktiv werden. Beobachtungen aus dem Praxisalltag der Mediziner bilden häufig die Grundlage von diversen Studien oder Initiativen.

In der Öffentlichkeit sorgen Hausarztstudien, die über räumlich-zeitliche Krankheitscluster in ihrem Einzugsbereich berichten, immer wieder für Aufsehen. So beschrieb 2004 eine Ärztegruppe aus Naila (Bayern) in einem ökologischen Ansatz den Einfluss der räumlichen Nähe von Mobilfunksendeanlagen auf das Risiko für Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren. Bei der „Naila-Mobilfunkstudie“ handelt es sich um eine ökologische Studie, die in die Gruppe der epidemiologischen Beobachtungsstudien einzuordnen ist. Ökologische Studien eignen sich, um Assoziationen zwischen Risikofaktoren und erhöhten Erkrankungsraten innerhalb eines Kollektivs darzustellen. Daten werden auf Gruppenebene erhoben und analysiert. Exposition, Erkrankung und Kovariable stellen somit Eigenschaften von Gruppen von Individuen dar und nicht Eigenschaften der Individuen selbst. Übertragen auf die Naila-Studie bedeutet das: Personen im Nahbereich einer Basisstation wurden als exponiert betrachtet, Personen im Fernbereich als Vergleichsgruppe gehandelt. Es erfolgte keine individuelle Messung oder Abschätzung der Mobilfunkexposition. Die Krebsneuerkrankungen wurden über die Abrechnungsdaten der Hausärzte ermittelt. Weitere Kovariablen (sogenannte Störgrößen oder Confounder), die mit einer Tumorerkrankung assoziiert sein könnten (z.B. Rauchen, Ernährung, Beruf, familiäre Disposition), waren für die Studienpopulation nicht bekannt. Sind diese Risikofaktoren, z.B. eine familiäre Disposition für Mammakarzinom, in beiden Regionen unterschiedlich verteilt, kann sich eine verzerrte Risikoabschätzung (Scheinkorrelation) ergeben.

Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz beurteilte daher in einer Stellungnahme die Aussagekraft der Naila-Studie als sehr begrenzt. Studien mit aggregierten Daten haben erhebliche Probleme, insbesondere, wenn kausale Aussagen gefordert sind. Unabhängig von den oben gemachten Ausführungen zum ökologischen Ansatz und zu Scheinkorrelationen bedeutet in einer solchen Studie eine Korrelation der geografischen Nähe zu Mobilfunksendeanlagen mit der Inzidenz von Krebserkrankungen nicht unbedingt einen ursächlichen Zusammenhang.

Die analytische Epidemiologie als Ursachenforschung hat stets die Problematik der Multikausalität zum Inhalt. Deshalb hat Bradford Hill eine eigene Kriterienliste aufgestellt, die der Beurteilung dient, ob es sich bei einer beobachteten Korrelation um eine ursächliche Beziehung oder um ein Zufallsergebnis, einen Scheinzusammenhang, handelt. Der Nachweis einer Dosis-Wirkungs-Beziehung als eine der Bradford-Hill-Kriterien ist dabei von entscheidender Bedeutung. Rückschlüsse von aggregierten Daten auf den Einzelfall sind sehr schwierig und können zu falschen Schlussfolgerungen führen.

Ebenso kommen auf Kasuistiken bzw. Einzelfälle gestützte Beobachtungen gelegentlich zu alarmierenden Schlussfolgerungen beim Thema Mobilfunk und Gesundheit. So löste beispielsweise der 2002 veröffentlichte „Freiburger Appell“ große Besorgnis in der Bevölkerung aus. Initiator des Appells war die Interdisziplinäre Gesellschaft für Umweltmedizin e.V., eine Vereinigung niedergelassener Ärzte aller Fachrichtungen. Diese berichteten, bei ihren Patienten in den letzten Jahren einen „dramatischen Anstieg schwerer und chronischer Erkrankungen“ sowie ein „vermehrtes Auftreten unterschiedlicher Störungen“ beobachtet zu haben, die in Tabelle 2 zusammengefasst sind.
Die Gesundheitsbeschwerden wurden von den Medizinern in direkten Kausalzusammenhang mit der EMF-Exposition gebracht, sowohl durch Mobilfunk-Basisstationen als auch durch mobile Endgeräte. Angesichts dieser scheinbar alarmierenden Entwicklung forderten die unterzeichnenden Ärzte des „Freiburger Appells“ eine Reihe von Maßnahmen, etwa den Ausbaustopp der Mobilfunknetze, ein Handyverbot in öffentlichen Gebäuden oder die
Senkung der Grenzwerte.

Kommentar: Wenn auch ich früher Suchende auf die Ärzte verwies, die den Freiburger Appell unterzeichneten, rate ich heute dringend davon ab. Ich gehe davon aus, dass sich darunter die Mediziner befinden, die ihren Patienten Therapien anbieten, die lediglich ihren Geldbeutel füllen Stichwort: IGEL-Leistungen. Betroffene zu bestärken in ihrer Annahme, verhindert dass diese wieder ins Normale Leben zurück finden. Beispiel: der tragische Selbstmord aus Oberammergau. Weitere Folge, finanzielle Belastung der Kranken- und Rentenkassen.

Der Vortrag ist nicht auf dem aktuellen Stand, dass ist bedauerlich. Denn die kleine Gruppe warnender Mediziner versuchen auch heute noch Alarm zu schlagen. Wenn es zu einem Mediziner eine Eintrag bei Psiram gibt, ist äußerste Vorsicht geboten. Da trifft man die Peudowissenschaftler, die verstärkt mit dem Ausbau ihres Einflusses beschäftigt sind.

IGUMED - EMF-Leitlinie 2016
Quacksalber im Interessenvertreter der Umweltmediziner
Mediziner - Heilpraktiker - Homöopathen - Scharlatane

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Meine Meinungsäußerung

Tags:
Kasuistiken, Epidemiologie, Eikmann, Hausarztstudien, Dosis-Wirkungs-Beziehung, Herr, Otto, Krebs-Cluster


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