Ärzte im www: Computerbild testete Gesundheitsportale (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 21.12.2016, 14:42 (vor 1057 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus einer Medienmitteilung der Zeitschrift "Computerbild":

Von A wie Atembeschwerden bis Z wie Zahnschmerzen – wer sich in Sachen Gesundheit informieren will, findet zu fast jedem Thema unentgeltlichen Rat im Internet. Bei Gesundheitsdiensten wie Netdoktor.de oder Apotheken-Umschau.de geben Patienten oder Ärzte Antworten auf medizinische Fragen. Welche Risiken und Nebenwirkungen es dabei gibt, zeigt ein COMPUTERBILD-Test von sechs Anbietern (Heft 11/2010).

Was im Test überraschte: Der Rat vom Arzt ist nicht automatisch besser. COMPUTERBILD veröffentlichte in jedem Forum je zwölf Testfragen und legte die erhaltenen Antworten anonymisiert einem Fachbeirat zur Bewertung vor. Fazit: Die fachärztlichen Antworten waren insgesamt nur geringfügig besser als die Laien-Ratschläge, die Expertenantworten bei Lifeline.de und Qualimedic.de sogar schlechter. Generell großes Manko: In den Laienforen blieben zahlreiche Fragen unbeantwortet. So gab es im Forum der Apotheken-Umschau auf die zwölf Testfragen lediglich drei Nutzerantworten. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei den anderen Anbietern. Nur bei Gesundheit.de verzeichneten die Tester im Schnitt auf jede Frage eine Antwort. Bei der Resonanz schnitten die Experten deutlich besser ab. Bei Qualimedic.de und Apotheken-Umschau.de wurden dort alle, bei Lifeline.de elf von zwölf Fragen beantwortet.

Für das qualitativ relativ schlechte Abschneiden der Gesundheitsportale liefert das Impressum des fragwürdigen schweizer Portals gesundheitstipp.ch eine plausible Erklärung:

Zum Zeitpunkt der Abfrage (heute) beschäftigte das Portal (ohne publizistische Leitung) neun MitarbeiterInnen (Tobias Frey, Katharina Baumann, Mirjam Gmür, Andreas Gossweiler, Sonja Marti, Claudia Mascherin, Luzia Mattmann, Lara Wüest), jedoch mit Thomas Walser nur einen einzigen Doktor der Medizin.

Ein großes Problem kommerziell betriebener Gesundheitsportale ist aus meiner Sicht die Wahrnehmungsverzerrung, die von diesen Portalen ausgeht. Sie legen viel Augenmerk auf spektakuläre Alarme jedoch nur wenig auf entlastende Meldungen. So berichtet 2007 z.B. gesundheitstipp.ch über eine nicht näher beschriebene britische Fachgruppe, die 60 Meter Schutzabstand zu Hochspannungsfreileitungen empfiehlt. Nicht berichtet wird hingegen über eine 2014 veröffentlichte Großstudie britischer Forscher, die ein zuvor erkanntes Leukämierisiko im Umfeld von Hochspannungstrassen bei einer neuerlichen besseren Untersuchung nicht mehr vorfanden.

Hintergrund
gesundheitstipp.ch im IZgMF-Forum

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Aerzte, Netdoktor, Laien, Apotheken-Umschau, Gesundheitstipp


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