MCS/EHS-Fall mit Empfehlung für mehr als 50 % BU (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 21.02.2017, 14:11 (vor 999 Tagen) @ H. Lamarr

M.B. 41-jähriger Mann klagte über eine Fülle von Befindlichkeitsstörungen wie ständige Kopf- und Zahnschmerzen, Brennen im Mund, Tinnitus, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Globusgefühl, Schlafstörungen u.a., die durch kleinste Mengen von Parfüm, Benzin, Kunststoffen, auch durch die elektromagnetischen Felder von PC, Handy oder Mikrowellen ausgelöst würden. Nur in der frischen Luft gehe es ihm besser. Schlafen könne er nur in einem leeren Zimmer ohne Teppichboden, Kunststoffe, Tapeten oder Polstermöbel mit offenem Fenster, auch im Winter. Die Familie müsse dies akzeptieren, man besitze weder Teppiche, noch irgendwelche Kunststoffgegenstände. Im Urlaub mit der Familie habe er einmal in seinem alten Auto übernachten müssen, da in der Ferienwohnung entsprechendes Mobiliar stand. Sein ganzes Leben drehe sich um seine Krankheit. Er sei bei vielen Ärzten gewesen, eine ausgedehnte neurologische Untersuchung bis hin zu MRT und PET habe keinen pathologischen Befund ergeben. Von Umweltmedizinern sei „MCS" festgestellt worden. Geholfen habe man ihm jedoch nicht. Die Entfernung von Amalgamfüllungen habe nichts gebracht. Er habe sich auf Empfehlung der Umweltmediziner alle Zähne ziehen lassen - jetzt vertrage er das Prothesenmaterial nicht. Bezüglich der biografischen Anamnese gab sich der Proband sehr verschlossen, es klangen belastende Lebensereignisse an, die er nicht näher thematisieren wollte. Eine Psychotherapie lehnte er ab, er sei ja umweltgeschädigt. Beruflich ursprünglich Kfz-Mechaniker, wegen der Beschwerden Umschulung zum Informatiker „noch schlimmer wegen der Elektrosensibilität". Seit einigen Jahren arbeitsunfähig krank geschrieben, zuletzt „Hartz IV". Organisch unauffälliger Befund, psychisch völlig auf seine Beschwerden fixiert, die sein ganzes Denken beherrschten und auch alle seine Freizeitaktivitäten blockierten. Zu keinem Zeitpunkt Hinweise auf Aggravation oder Simulation. Es war von einer schweren chronifizierten Somatisierungsstörung (F 45.0) auszugehen gewesen, der eindeutiger Krankheitswert zukam und daraus resultierend von einem aufgehobenen Leistungsvermögen, mit der Empfehlung einer mehr als 50%-igen BU.

Quelle: Die Begutachtung für die private Berufsunfähigkeitsversicherung: Ein Leitfaden für medizinische Gutachter und Sachbearbeiter in den Leistungsabteilungen privater Versicherer

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
EHS, MCS, Berufsunfähigkeit


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