Elektrosmog-Anhörung 2012: Neues aus dem Intrigantenstadel (Medien)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 01.07.2012, 11:38 (vor 2724 Tagen) @ H. Lamarr

In 3 1/4 Stunden kann bei zehn Referenten jeder gerade einmal 15 Minuten sprechen, mit anschließend 5 Minuten Diskussion. Da bleibt für Tiefgang keine Zeit, selbst bei nur fünf Referenten wird es schon ganz schön eng.

Im hese-Forum ist folgende wunderschöne Problemlösung zu lesen:

Im Anschluss an die Anhörung vom 05.07.2012, ab ca. 13.00 Uhr, möchten Sie Diagnose Funk und der BUND Naturschutz Bayern zu einem gemeinsamen Pressegespräch einladen.

Treffpunkt:
Unions-Bräu Haidhausen, Einsteinstraße 42,
Tel.: 089 477677, 81675 München
U4/5 - Max-Weber-Platz (wenige hundert Meter vom Landtag entfernt)

Als Umwelt- und Verbraucherorganisationen, die industrieunabhängig die Forschungslage analysieren, möchten wir Ihnen unsere Einschätzungen darlegen und Ihre offenen Fragen beantworten.

Das hört sich harmlos an, ist mMn aber eine intrigante Sache, wie so oft, wenn der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk seine Finger im Spiel hat.

Was mich so stört?

Bislang war es bei Elektrosmog-Anhörungen im Bayerischen Landtag so, dass nach den Referaten Pressevertreter/interessierte Laien mit den Referenten vor Ort zu einem Stelldichein zusammenfinden konnten. So waren bei der Anhörung 2008 nur halb so viele Referenten eingeladen wie jetzt und die Dauer der Veranstaltung mit sechs Stunden rd. doppelt so lang wie jetzt. Das hatte, ohne Mitwirkung von Diagnose-Funk, noch Hand und Fuß, die pluralistische Meinungsbildung wurde nicht behindert. Auch eine Pressekonferenz im Anschluss an die Anhörung gab es damals nicht.

Die Veranstaltung 2012 ist mit zehn Referenten in 3 1/4 Stunde dagegen so überladen, dass für Diskussionen und Gespräche mit den Referenten nicht viel Zeit bleibt. Das baut "Leidensdruck" bei Journalisten auf, denn die brauchen schließlich eine Story. In die Lücke grätscht nun Diagnose-Funk mit der erlösenden Nachricht, man möge doch zu einer Pressekonferenz (PK) nach ebenan kommen. Listigerweise ist diese PK unmittelbar nach der Veranstaltung vorgesehen (Fußweg inklusive). Das hat die gewünschte Sogwirkung auf die Journalisten, die mangels Alternative gleich nach dem Hearing aufbrechen und in hellen Scharen in den Unions-Bräu strömen sollen.

Dort erwartet sie dann freilich eine ganz andere Truppe, als die, die noch im Landtag zur Verfügung gestanden hätte. Kein einziger Referent von der unaufgeregten Seite der sachlich-kompetenten Staatsmannschaft sitzt im Unions-Bräu auf dem Podium, das Wort führen dort allein die folgenden überzeugten Mobilfunkgegner mit ihrer insgesamt eher bescheidenen Kompetenzausstattung in Elektrosmog-Sachfragen:

- Anne Franke, Antragstellerin (MdL Bündnis 90/Die Grünen)
- Dr. Hans-Jürgen Fahn, Antragsteller (MdL Freie Wähler)
- Peter Hensinger (Vorstandsmitglied Diagnose Funk, Moderation)
- Bernd Rainer Müller (BUND)
- Helga Krause (Mobilfunkbeauftragte, BUND Naturschutz Bayern)
- Karl Heinz Jobst (ÖDP)

Und damit hat der Anti-Mobilfunk-Verein aus meiner Sicht sein Ziel erreicht: Er kann Journalisten, die in diese Falle getappt sind, ungestört von Gegenstimmen in seinem Sinne beeinflussen, sie in aller Ruhe mit den hinlänglich bekannten einseitig selektierten Alarmbotschaften aus der Anti-Mobilfunk-Szene einwickeln.

Der Informationszug im Bayerischen Landtag ist einigermaßen paritätisch besetzt und damit nicht groß zu beanstanden. Das Abkoppeln des Waggons mit den Journalisten, nur um diesen dann eine Sonderbehandlung im Sinne der Mobilfunkgegnerei zukommen zu lassen, ist aus meiner Sicht ein grobes Foul, das leider wieder einmal die Erfahrung bestätigt, Mobilfunkgegner nutzen jedes Mittel zur Meinungsmanipulation, ungeniert auch unfaire.

Ich empfinde das Vorgehen der Mobilfunkgegner als Trittbrettfahrerei: Vordergründig wird eine ausgewogene Veranstaltung angeboten, damit man eine weiße Weste vorzeigen kann, hintergründig traut man dem Ergebnis dieses fairen Kräftemessens jedoch nicht über den Weg und versucht deshalb, mit nachgeschobener einseitiger "Information" gegenüber der Presse die Deutungshoheit zu ergattern. Schade, dass sich die beiden Antragsteller der Anhörung auf dieses mMn intrigante Spiel eingelassen haben.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
BUND, Die Grünen, Baden Württemberg, ödp, Diagnose-Funk, Manipulation, Hensinger, Journalisten, Netzwerk, Knotenpunkt, Leidensdruck, Intrigant


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