Fliegengewicht Wolf fordert Schwergewicht Enders heraus (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 09.10.2019, 02:40 (vor 9 Tagen)

Das Kompetenzgefälle zwischen den Streitparteien ist ein gravierendes Problem der Mobilfunkdebatte. Üblicherweise verzerrt es die Berichterstattung in den Medien, wenn Wissenschaftler sich nicht mit ihresgleichen auseinandersetzen müssen, sondern mit selbsternannten Experten. Sind bei einem 5G-Gegner die Selbstüberschätzung und der Drang zur Selbstdarstellung hinreichend groß, steigt ein fachliches Fliegengewicht auch schon mal siegessicher gegen einen Champion in den Ring.

Nicole Wolf ist Sprecherin der Bürgerinitiative "Stopp 5G" im Landkreis Gifhorn, Niedersachsen. Nebenbei leitet sie dort ein Werk des US-Autozulieferers Inteva. Die junge und selbstsicher auftretende Dipl.-Betriebswirtin ist allem Anschein nach eine erfolgreiche Powerfrau, für mich zugleich aber auch ein lebendiges Beispiel für die These des Peter-Prinzips. Diese besagt, in einer Hierarchie steigt jeder solange auf, bis er in seiner Stufe der Unfähigkeit angekommen ist. Üblicherweise ist dann Schluss mit dem Aufstieg. Bei Frau Wolf verhält es sich genau genommen etwas anders, denn sie hat ihre Stufe der Unfähigkeit nicht im Beruf erreicht, sondern als Wutbürgerin gegen 5G. Und das kam so ...

Als Dipl.-Betriebswirtin ist Frau Wolf fachlicher Laie in der Bewertung gesundheitlicher Auswirkungen elektromagnetischer Felder, denn sie verfügt auf diesem Fachgebiet über keine Ausbildung und Eigenkompetenz. Das ist nicht weiter schlimm, denn als Sprecherin einer Bürgerinitiativen gegen 5G muss man von der Sache nicht unbedingt etwas verstehen, schließlich lassen sich erkannte Kenntnislücken mit Hilfe von Google heutzutage schnell schließen (gegen unerkannte Kenntnisdefizite hilft dies freilich nicht). Doch Frau Wolf will höher hinaus als die Sprecher anderer Bürgerinitiativen.

Sie legte sich öffentlich mit niemand geringerem an, als mit Prof. Dr. Achim Enders von der TU Braunschweig. Enders leitet an dieser TU das Institut für Elektromagnetische Verträglichkeit, zudem ist er stellv. Vorsitzender der Strahlenschutzkommission (SSK) und Leiter des SSK-Ausschusses Nichtionsisierende Strahlen. Die junge Betriebswirtin, eine Gefolgsfrau von Diagnose-Funk, sieht sich mit dem Material, mit dem sie der Anti-Mobilfunk-Verein munitioniert hat, gut genug gerüst, um Enders vorzuwerfen, dieser habe in einem "einseitigen Interview" mit der Braunschweiger Zeitung eindeutig "Falschaussagen" getätigt. Ich weiß nicht, was ein einseitiges Interview sein soll, in Wolfs Husarenritt gegen Enders aber erkenne ich die grenzenlose Selbstüberschätzung der eigenen Fähigkeiten wieder, die bei etlichen öffentlich wahrgenommenen Mobilfunkgegnern zu beobachten ist und deren Außenwirkung prägt.

Wolf stellte Enders mit einer Mail vom 9. Mai 2019 zur Rede. An Enders selbst kam die Herausforderin nicht heran, der sah sich als Schwergewicht von dem Fliegengewicht wohl zu stark unterfordert. So musste sich die Werksleiterin mit der Pressesprecherin der TU zufrieden geben, die den Vorwurf der Falschaussage zurückwies. Doch Wolf blieb hartnäckig, quälte jetzt mit einigen weiteren Mails die Pressesprecherin gezielt mit Arbeitsbeschaffungsfragen, was dazu führte, dass sie bald keine Antwort mehr erhielt. Ich sehe darin den technischen k.o. der Pressesprecherin durch das Bombardement einer Querulantin. Wolf wertet dies anders, nämlich als Schuldeingeständnis der TU Braunschweig.

Die Wortgefechte Wolfs im Wortlaut lassen sich nicht im Spiegel nachlesen, nicht in der Süddeutschen, der FAZ oder der Zeit, sondern bei KenFM.

Nachtrag vom 9. Oktober: Wer die Wortgefechte Wolfs bei KenFM nicht lesen, sondern hören möchte, den bedient KenFM mit einem Podcast.

Hintergrund
Gifhorn: Verfassungsgericht nimmt Klage der 5G-Gegner nicht an
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Klage, BI, Diagnose-Funk, Selbstüberschätzung, Gutmensch, KenFM, Lobbyverein, Gifhorn, Mindermeinung, Menschliche Welt


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