Hintergründe zur 5G-Podiumsdiskussion in Gifhorn (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 20.06.2020, 17:42 (vor 321 Tagen) @ H. Lamarr

Die Anti-5G-Bürgerinitiative Gifhorn ist augenscheinlich der Meinung, die Podiumsdiskussion am 5. März 2020 in Gifhorn zeige keine grausame "Hinrichtung" von Klaus Buchner, und stellte deshalb am 28. Mai 2020 ein rd. 1-stündiges Video der Veranstaltung bei YouTube ein.

Podiumsdiskussion: Nicole Wolf & Klaus Buchner vs. Achim Enders & Thomas Kürner

Ab Minute 9:08 zeigt das Video anstelle der Referate von Klaus Buchner (4. v.l.), Achim Enders (1. v.l.) und Thomas Kürner (2. v.l.) nur die dürre Textbotschaft:

Die nun folgenden Präsentationen wurden aufgrund von Copyrightansprüchen der TU Braunschweig nicht aufgezeichnet. Um eine Ausgewogenheit in der Berichterstattung zu wahren, wurde auch der Beitrag von Prof. Dr. Buchner nicht aufgezeichnet.

Was war da los? Sperrte sich die TU Braunschweig wirklich?

Das IZgMF hat bei Prof. Achim Enders nachgefragt.

Anlass für den Copyright-Einspruch

Enders bestätigt, unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung habe er den SPD-Veranstaltern die Aufzeichnung seiner Power-Point-Präsentation untersagt. Aus gutem Grund. Denn in der Einladung der Veranstalter sei ihm nicht mitgeteilt worden, dass ein Kameramann die gesamte Veranstaltung aufzeichne. Davon habe er erst Kenntnis bekommen, als er den Veranstaltungsraum betrat und die Videokamera dort bereits aufgebaut war. Auf Nachfrage wurde ihm gesagt, Kameramann und Kamera seien auf Veranlassung der ÖDP im Vortragssaal.

Sein Veto begründet er damit, in eine später im www abrufbare Präsentation hätte er mehr Information hineingepackt oder als Anhang hinzugefügt, insbesondere eine für Laien geeignete Darstellung von Wirkungsmechanismen sowie Tipps für eigene Internetrecherchen. Das von ihm auf der Veranstaltung ausgelegte Informationsblatt zum Mitnehmen wäre in einer abrufbaren Version seiner Präsentation wesentlich ausführlicher ausgefallen. Dies schon wegen der Behauptung aus mobilfunkkritischen Kreisen, in den zitierten Gremien seien immerzu die gleichen "industriegesteuerten" Leute vertreten, was Enders zurückweist. Ein "Live-Vortrag" mit begleitenden Folien sei etwas völlig anderes als ein für das Netz gedachtes Dokument. Dies habe er erst kürzlich arbeitsintensiv hautnah erfahren, als er seine Vorlesungen an der TU wegen Corona auf jederzeit abrufbare Videostreams umstellen musste.

Wie dem auch sei, die SPD-Veranstalter entschuldigten sich für ihr Versäumnis, akzeptierten das Veto und sicherten zu, Enders' Erklärung für sein Veto den Betrachtern des Videos nicht vorzuenthalten. So gesehen ist der Copyright-Hinweis im Video formal korrekt, inhaltlich jedoch irreführend.

(Un)heimliche ÖDP-Doppelspitze

Erst gut zwei Wochen nach der Veranstaltung vom 5. März 2020 wurde Enders klar, dass Nicole Wolf seit 19. Februar 2020 Vorsitzende des neu gegründeten ÖDP-Kreisverbands Gifhorn ist, sie und Ex-ÖDP-Chef Buchner auf dem 5G-Infoabend der SPD daher bereits als Parteikollegen aufgetreten sind. Da diese Interessenbündelung auf der Veranstaltung nicht offengelegt wurde, was aus seiner Sicht hätte geschehen müssen, fragte der Wissenschaftler am 20. März beim SPD-Kreisverband Gifhorn wenig amused nach, ob der Vorfall als aktive Unterstützung der ÖDP durch die SPD in Gifhorn betrachtet werden könne. Antwort bekam er nicht.

Kaum noch Interesse an aufwendiger EMF-Forschung

Auf meine Frage hin, ob die Veranstaltung aus seiner Sicht sinnstiftend gewesen sei, meinte der EMVU-Spezialist: Im großen Ganzen schätze er den 5G-Infoabend in Gifhorn als durchaus nützlich ein. Er habe den Eindruck, den Besuchern dort begreiflich gemacht zu haben, dass aus Sicht der Wissenschaft das Risiko Mobilfunk im Wesentlichen abgefrühstückt sei. Dies erkläre auch, warum es kaum noch seriöses Interesse an ressourcenaufwendiger Forschung zu diesem Thema gäbe.

Anekdote am Rande: Geschäftsmodell "Absorber"

Enders entwaffnete seine Argumentationsgegner im Publikum mit dem augenzwinkernd eingestreuten Hinweis, aufgrund seines Wissens um die Technik elektromagnetischer Absorber könnte er viel Geld verdienen, böte er solche Absorber – er hatte fürs Publikum einen mitgebracht – für häusliche Schlafzimmer an. Insbesondere wäre die Funkstrahlung dann tatsächlich vernichtet und nicht – wie bei üblichen Schirmmaßnahmen – einfach nur "ausgesperrt". All das wäre mit harter Messtechnik auch klar nachweisbar. Um nicht in falschen Verdacht zu geraten habe er dann jedoch klar gestellt, er verzichte freiwillig auf dieses vielversprechende Geschäftsmodell, weil er die Leute eben nicht für dumm verkaufen wolle. Vielleicht, meint Enders, habe ihm auch diese Anekdote zur Glaubwürdigkeit im Publikum verholfen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
ödp, Nachgefragt, Täuschung, Glaubwürdigkeit, Enders, Gifhorn


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