Belo-Horizonte-Krebsstudie bei ELMAR (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 22.03.2012, 23:24 (vor 3223 Tagen) @ AnKa

Man mag sich darin täuschen, aber es scheint z.Zt. eine Studie zu angeblichen Krebsfällen in der brasilianischen Stadt Belo Horizonte, angeblich verursacht durch einen dortigen Mobilfunksender, regelrechte Begeisterungsstürme in den Reihen der alarmistischen Mobilfunkgegnerbewegung auszulösen.

Die Dokumentationsstelle Elmar*), Schweiz, hat die "Belo-Horizonte"-Studie aufgenommen und listet unter Bemerkungen eine ganze Reihe von Schwachpunkten auf, die die Aussagekraft der Arbeit erheblich infrage stellen.

Nachricht von "Kureck" hier.

*) Nachtrag vom 06.01.2018: Da die Dokumentationsstelle Elmar seit geraumer Zeit nicht mehr aktualisiert wird und möglicherweise unvermittelt aus dem Netz genommen wird, nachfolgend die Bewertung der Belo-Horizonte-Studie durch Elmar:

Die Aussagekraft dieser Studie wird dadurch eingeschränkt, dass keine Informationen über die tatsächliche Hochfrequenzbelastung der einzelnen Personen vorlagen. Die Entfernung von einer Basisstation sagt wenig über die Exposition der Anwohner in der Umgebung aus, weil die Ausbreitung der hochfrequenten Felder sehr inhomogen ist und von vielen Faktoren beeinflusst wird. Zudem wurde nicht berücksichtigt, wie lange die Personen vor ihrer Erkrankung an der entsprechenden Adresse gewohnt hatten. Risikofaktoren für Tumorerkrankungen wie Rauchen, berufliche Expositionen oder Vererbung wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Auch hinsichtlich der Datenauswertung bleiben einige Fragen offen:

Bei der Berechnung der Sterblichkeitsraten wurde die Altersstruktur in der zugrundeliegenden Bevölkerung nicht beachtet, und es ist unklar, warum die Todesfälle in den Kreisen um die Basisstation herum aufsummiert wurden. Wenn man die Umkreise getrennt auswertet (0 bis 100 m, 100 bis 200 m usw.), ergibt sich keine lineare Abnahme der Sterberaten mit zunehmender Entfernung von einer Basisstation. Ebenfalls unklar ist, wie die Anzahl der Einwohner in den verschiedenen Umkreisen abgeschätzt wurde. Diese Anzahl diente als Nenner für die Berechnung der kumulativen Sterberaten. Auffallend ist, dass die geschätzte Bevölkerungsdichte in der Nähe von Basisstationen (< 200 m) wesentlich höher war als in Regionen mit grösseren Entfernungen. Dies spricht für Unterschiede in der Siedlungsstruktur und könnte auf einen niedrigeren Sozialstatus der Bevölkerung in den dicht besiedelten Gebieten mit zahlreichen Basisstationen hinweisen. Gesellschaftsschichten mit niedrigerem Sozialstatus haben bekanntermassen ein erhöhtes Krebsrisiko durch Lebensstilfaktoren (z.B. Rauchen, Alkoholkonsum) und eine schlechtere Gesundheitsversorgung.

Ausserdem wurden in der Studie alle Altersgruppen (0 bis 99 Jahre) und Tumorarten gemeinsam ausgewertet. Das ist nicht sinnvoll, weil die Häufigkeit von Krebserkrankungen stark altersabhängig ist. Zudem ist für einige Tumorarten ein Zusammenhang mit der Exposition durch Basisstationen sehr unwahrscheinlich. Das gilt zum Beispiel für Lungenkrebs, der in der Studie die meisten Todesfälle verursachte (n=1405) und in über 90% der Erkrankungen durch Rauchen verursacht wird.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Belo-Horizonte-Studie


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