Belo Horizonte: eine ganze Stadt als Studiengebiet (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 03.10.2011, 20:26 (vor 3394 Tagen) @ Kuddel

Ich hatte das so verstanden, daß nicht ein einzelner Mast untersucht wurde, sondern ein ganzer Stadtteil mit 182 Masten.

Stimmt, da geht es nicht um einen einzelnen Masten, sondern um alle Masten in Belo Horizonte. Mein Fehler: Bild 2 im Volltext der Studie hat mich zum Einzelmastenirrtum inspiriert. Das kommt davon, wenn man sich ums Lesen des umfangreichen englischen Studientextes herumdrücken möchte.

Das habe ich jetzt zumindest teilweise nachgeholt und wenn ich den Abschnitt "2.1 Area of study" richtig interpretiere, dann hat Dode nicht nur einen Stadtteil von Belo Horizonte untersucht, sondern alle neun Stadtteile zur "Area of study" erklärt. Die rot umrandete Zone in Bild 4 ist nicht, wie es auf den ersten Blick scheint, das Studiengebiet, sondern nur die Innenstadt von Belo Horizonte, dort wo die meisten Masten sind.

Dode hat die zwischen 1996 und 2006 in Belo Horizonte aufgetretenen 7191 EMF-Krebsfälle ausgewertet und geprüft, wie weit weg die Betroffenen von einem der etwa 856 Sendemasten in Belo Horizonte wohnten. 3569 der Krebstoten wohnten näher als 100 Meter zu einem Masten (Bild 6 im Volltext), 1408 wohnten zwischen 100 und 200 Metern weit weg, 973 zwischen 200 und 300 Metern usw. (482: 300-400m, 292: 400-500 m).

Wer kennt EMF-Krebse?
Eine Schwäche der Studie scheint mir die willkürliche Auswahl der EMF-Krebse. Es wurden nicht alle Krebstoten gezählt, sondern nur die, die an einem Krebs gestorben sind, der angeblich für EMF-Einwirkung typisch sein soll ("...the researcher selected 4924 which types - prostate, breast, lung, kidney, liver, for example - are recognized in scientific literature as being related to electromagnetic radiation"). Die "literature" ist dann, wie von "Doris" schon entdeckt, im wesentlichen die Naila-Studie (siehe Volltext Tabelle 1). Das haben wir hier schon an anderer Stelle diskutiert, solche typischen EMF-Krebse sind z.B. dem Deutschen Krebs-Informationsdienst nicht bekannt. Die Selektion erscheint willkürlich und könnte eine Verzerrung bewirken.

Dazu noch dies: In dem UFMG-Unibulletin vom April 2010 ist für den fraglichen Zeitraum von 4924 Krebstoten infolge EMF-Krebs die Rede. Die Gesamtanzahl der Krebstoten beziffert diese Quelle auf 22'543. In der Studie selbst sind es dann jedoch 7191 Krebstote infolge EMF-Krebs (insgesamt 22'493). Die Differenz beträgt +2267 EMF-Krebstote. Wo kommen die plötzlich her? Möglicherweise wurde die Definition der EMF-Krebse nachträglich großzügiger gefasst, um auf die höheren Werte zu kommen. Oder das Krebsregister der Stadt hat Daten nachgeliefert, warum auch immer.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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