Tabak und EMF - schwarze Liste mit weißen Flecken (Allgemein)

Sektor3, Sonntag, 04.04.2010, 12:06 (vor 4192 Tagen) @ Doris

Sie setzen Joshua Muscat als weiteren EMF-Gefahrenfinder auf Ihre schwarze Liste und stützen Ihre Argumentation auf eine Aussage der Bürgerwelle, ohne diese nachzuprüfen.

Muscat ist kein EMF-Gefahrenfinder. Im Gegenteil, die Kritiker werfen im vor, tatsächliche Erkenntnisse unterschlagen zu haben und im Dienst der Mobilfunkindustrie zu stehen.

Sie werden jedoch durch seine Verbandelung mit Carlo und Wynder und das was Sie dazu gefunden haben, trotzdem an Ihrer These festhalten. Ob das so ist, das steht für mich auf einem anderen Blatt. Bedeutend für mich ist mehr, dass die obige Aussage der Bürgerwelle eine bewusste Falschaussage ist, die durch Zusammensetzen von aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen aus Microwavenews Mai/Juni 1999 entstanden ist. [Markierung hinzugefügt]

MMn fängt die Legendenbildung schon bei Microwave News an. Meine These ist Folgende:

Die Tabakindustrie und Burson Marsteller lockten die Mobilfunkindustrie mit dem Versprechen in das Mobilfunkforschungsprojekt, dass damit die schlechte bisherige wissenschaftliche Arbeit entlarvt und somit EMF-Gefahren widerlegt würden.

Tatsächlich war die Tabakindustrie aber schon damals stark an der Gefährlichkeit des Mobilfunks interessiert. Sie bezahlte Leserbriefschreiber gegen EMF, versuchte, Journalisten gegen EMF aufzuwiegeln und klagte vor Gericht gegen vermeintliche Ungleichbehandlung von EMF und Passivrauchgefahren.
Leiter des Mobilfunkforschungsprogramms wurde George Carlo, der einerseits dick mit der Tabakindustrie im Geschäft stand (wegen Passivrauchens!), andererseits aber auch durch seine Gefahrenverharmlosung bei Dioxin bekannt war.

Tatsächlich sprechen einige Anhaltspunkte dafür, dass im Mobilfunkforschungsprojekt die Tabakindustrie die Fäden zog und nicht die in Forschungsfragen unbedarfte Mobilfunkindustrie.

Indizien sind:

Die erste große Legende wurde mMn um Arthur W. Guy und Henry Lai gestrickt. Guy war der ehemalige Chef Lais und mit ihm zusammen auch als "Gefahrenfinder" erfolgreich. Als Lai mit Singh seine (anscheinend auf Guys Dosimetrie beruhende) DNA Studie veröffentlicht, kann dies kaum im Interesse der Mobilfunkindustrie gewesen sein; und bestimmt gab es Fragen bezüglich der Rolle von Guy.
Microwavenews berichtete von einem Zerwürfnis zwischen Guy und Lai, das darauf, beruht hätte, dass Guy Lai im Jahr 1994 wegen nicht genehmigter Verwendung von Forschungsgeldern angeschwärzt hätte. Allerdings wurde diese Version nicht nur vehement von Guy zurückgewiesen, sie kann eigentlich auch so nicht gewesen sein, weil Guy und Lai noch 1996 zusammen veröffentlichten.
Der Sinn der Legende war mMn nach,
a) dass Lai nicht als Carlos Forscher angesehen wurde, und
b) dass Guy für die Mobilfunkindustrie ein "Gefahren-Nichtfinder" sein sollte
(Lai und Carlo arbeiten heute nach außen sichtbar zusammen. MMn taten sie das auch früher schon, aber nicht offen)


Die zweite Legende betrifft mMn Muscat. Möglicherweise änderte die American Health Foundation AHF ihre Forschungsarbeit nach der Enttarnung ihrer Verknüpfung zur Tabaindustrie (zeitlich würde das gut passen). Muscat war zuvor jedenfalls "Gefahrenfinder" und die AHF machte der Tabakindustrie einen Vorschlag zum Gefahrenverbreiten. Die Geschichte um Muscat erscheint mir deshalb mehr die eines Abtrünnigen zu sein, bzw. die eines Forschers bei dem von der Tabakzugehörigkeit abgelenkt werden soll.

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Ihre Einschätzung zu Muscat als "Nicht-EMF-Gefahrenfinder" sehe ich nicht so. Wichtig ist in der Regel, was gefunden wird, und nicht so sehr die Einschränkungen. Dass Tabakforscher unwahrscheinliche Forschungsergebnisse machen und diese dann einschränken, ist mir schon häufiger aufgefallen.

Tags:
Legende, Dosimetrie, Journalisten, Lai, Carlo, DNA-Strangbrüche, Dioxin, Forschungsgeld, Burson-Marsteller


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