... und was "Diagnose-Funk" daraus macht (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 10.03.2015, 02:46 (vor 1741 Tagen) @ Alexander Lerchl

Die Diagnose-Funker sind über ihren Schatten gesprungen und haben die Presse-Information der privaten (:wink:) Jacobs University abgedruckt, freilich erst, nachdem Prof. Adlkofer seinen blutleeren Kommentar zur Lerchl-Studie fertig hatte. Zu bestaunen gibt es beides auf dieser Diagnose-Funk-Seite. Der Verein ist offensichtlich bemüht, seine schwere Schlagseite bei der (ausgewogenen) Berichterstattung diesmal nicht ganz so deutlich zu zeigen.

((Nachtrag vom 26.01.2018: Diagnose-Funk hat den Inhalt auf der verlinkten Seite nachträglich irgendwann einmal gegen eine dürre kurze Neufassung ausgetauscht. Ob dies eine Folge der fehlerhaften Darstellung war ist nicht bekannt. Einen Hinweis, dass der Inhalt der Seite nachträglich grundlegend verändert wurde, zeigt die Seite nicht!))

Die Eigenleistung des Anti-Mobilfunk-Vereins konzentriert sich auf die folgende Textpassage:

Dieses Studienergebnis hat eine besondere Bedeutung. Prof. A. Lerchl, ehemaliger Vorsitzender der Strahlenschutzkommission, vertrat bisher, dass von der Mobilfunkstrahlung prinzipiell keine Gesundheitsgefahren ausgehen könnten: "Aus biophysikalischen Gründen ist nicht zu erwarten, dass neben thermischen Effekten, die durch Grenzwerte ausgeschlossen werden, weitere, bisher nicht bekannte Wirkmechanismen identifiziert werden." (A. Lerchl / C. Herr in hausarzt - online.at, Zugriff 01.12.2010) Diese neue Studie, so entnehmen wir dem Abstrakt, weist nach, dass Kokarzinogene, denen auch der Mensch ständig ausgesetzt ist (Feinstaub, Pestizide, Abgase, Verbrennungsimmissionen, u.ä.), in Verbindung mit Mobilfunkstrahlung, eine krebspromovierende Wirkung haben können.

Diagnose-Funk wäre nun nicht Diagnose-Funk, würden sie in den paar Zeilen nicht alles mögliche durcheinander bringen. So sind laut Prof. Lerchl (IZgMF-Interview) subtile Temperatureffekte als Ursache des Befunds eben nicht sicher auszuschließen. Sicher auszuschließen ist dagegen, Prof. Lerchl wäre jemals Vorsitzender der Strahlenschutzkommission gewesen.

Ob nun Feinstaub, Pestizide, Abgase und Verbrennungsimmissionen tatsächlich Kokarzinogene sind, wie Diagnose-Funk dies im Zitat behauptet, oder eher Karzinogene (wie Dieselabgase) - oder ob diese Stoffe gar nur im Verdacht stehen (ko)karzinogen zu sein (Feinstäube), darüber mögen sich Berufenere äußern.

Sehr bedenklich finde ich, wie verdreht Diagnose-Funk in dem Zitat die Rolle der Mobilfunkfelder darstellt. Die Dilettanten aus Stuttgart haben nämlich Karzinogen und Kokarzinogen vertauscht! Bei denen ist EMF das Karzinogen (krebserregend) und z.B. Abgase sind das Kokarzinogen (krebsfördernd). Das ist natürlich Stuss. Richtig ist: Hat z.B. das Karzinogen Dieselabgase bei einem Bergmann Lungenkrebs bewirkt, dann kann EMF als Kokarzinogen den Lungenkrebs beschleunigen - doch dazu müsste die EMF nach dem Stand der Dinge lebenslang und stark (50 % Grenzwert) einwirken.

So ist das. Ich räume ein, dass auch mir diese verwirrenden Begrifflichkeiten (Karzinogen, Kokarzinogen) anfangs Schwierigkeiten bereitet haben. Schließlich bin ich genauso wenig vom Fach Biologie wie es die Herrschaften sind, die in dem Anti-Mobilfunk-Verein das Sagen haben. Immerhin habe ich meine Fehler selbst bemerkt und noch rechtzeitig vor Veröffentlichung des Artikels korrigieren können.

Nachdem Diagnose-Funk sich mit der Korrektur von Falschmeldungen schwer tut, bin ich gespannt, ob sich der Verein diesmal dazu durchringen kann, seine peinlich fehlerhafte und irreführende Darstellung zu korrigieren.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Dilettantismus, Diagnose-Funk, Desinformation, Falschmeldung, Lerchl, Autodidakt, Kompetenzgefälle, Wirkmechanismen, Tumorraten


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