"Festgesetzter Strahlenhöchstwert" ist eine Irreführung (Allgemein)

Kuddel, Donnerstag, 22.03.2012, 19:41 (vor 2735 Tagen) @ kureck
bearbeitet von Kuddel, Donnerstag, 22.03.2012, 20:46

"Der neue Mast würde eine 57-fache Überschreitung des vom Land Salzburg festgesetzten Strahlenhöchstwertes bedeuten."

Der Begriff "vom Land Salzburg festgesetzter Strahlenhöchstwert" ist eindeutige Irreführung, denn offiziell (seitens Politik) war nur der Wert von 1mW/m² als Richtwert "festgesetzt" (empfohlen) und das wiederum "offiziell" nur bis 2005, als er von der Politik gekippt wurde. Seither gibt es nur noch unverbindliche Empfehlungen von Dr. Oberfeld, welche sich an den Empfehlungen des Baubiologenverbandes IBN orientieren.

Es verhält sich nämlich so (link):

Der Wert von 1 mW/m² entstand 1998 durch 500-fache Reduzierung einer bei Schlaflabor-Experimenten verwendeten Leistungs-flussdichte, bei welcher eine (umstrittene) Beeinflussung des menschlichen Schlafs gefunden wurde.

Selbst in den 1mW/m² war also bereits ein Sicherheitsfaktor von 500 eingerechnet !

Weitere Senkung: Im Februar 2002 wurde von der Landessanitätsdirektion Salzburg aufgrund von "empirischen Erkenntnissen der letzten Jahre" eine erneute Senkung vorgeschlagen...
(Anmerkung: 1uW/m² in Innenräumen, entsprechend den vom Baubiologenverband "IBN" herausgegebenen "SBM"-Richtwerten.)
...Dies wurde den GSM-Netzbetreibern und der Politik in Salzburg mitgeteilt, ohne jedoch eine weitere Beachtung bzw. Berücksichtigung zu finden.

Bereits von Anfang an wurde die Einhaltung des Salzburger Vorsorgewertes in Frage gestellt und seine Überschreitung (in Salzburg) durch verschiedene Messungen bestätigt.

2005: Salzburg verabschiedet sich vom Vorsorgewert (Anm.:1mW/m² !!)

Um auch in der Landeshauptstadt Salzburg die Installation eines UMTS-Netzes zu ermöglichen, wurde dort im April 2004 nach einigen Diskussionen schließlich von der Idee eines starren Immissionsgrenzwertes Abschied genommen und mit einer flexibleren Lösung eine immer noch immissonsverminderte, aber realisierbare Mobilfunkversorgung ermöglicht.

* Die Analysen der Immissionslagen zeigen im weiteren, dass bei modernen GSM – Netzen, auf städtischem Gebiet die bei den Anwohnern von Sendeanlagen auftretenden Immissionen im Mittel zwischen 10 und 200 mW/m² liegen.

Gerd Oberfeld (Mitarbeiter der Landessaniätsdirektion Salzburg) ist zusammen mit dem Baubiolgen Wolfgang Maes (gelernter Journalist) im "Wissenschaftlichen Beirat" des privatwirtschaftlichen Baubiolgenverbandes IBN.
Der IBN beurteilt Immissionen nach dem von ihm publizierten "Standard der Baubiologischen Messtechnik" (SBM), herausgegeben unter der Federführung von Wolfgang Maes.
Übrigens ein "Standard", von welchem sich andere Baubiologenverbände, wie z.B das österreichische IBO wegen angstschürender Wirkung ausdrücklich distanzieren. (siehe dieses PDF, grauer Kasten Seite 29)

Zitat IBO

Seit Jahren werden sogenannte „Baubiologische Richtwerte“ von manchen Baubiologen zur Bewertung von Innenraumfaktoren angewendet, die mit einiger Vorsicht zu genießen waren. Störend dabei war auch die Vereinnahmung und Diskreditierung des Begriffes Baubiologie durch derartige Empfehlungen.
...
Weiters ist zu bedenken (wie der Initiator diese „Richtwerte“, der Journalist Wolfgang Maes selbst in der Zeitschrift Wohnung u. Gesundheit 126, Frühjahr 2008 angibt) dass die Richtwerte streng wissenschaftlich nicht nachvollziehbar sind. Die Frage drängt sich auf: was dient denn sonst als Basis als wissenschaftliche Evidenz? Hr. Maes gibt darauf sinngemäß eine entlarvende Antwort: Wissenschaft ja, aber nur, wenn sie den „Menschen, der Natur und dem Leben“ dient.
Ob dies allerdings der Fall ist, entscheidet wieder der Autor ...
Das IBO distanziert sich daher ausdrücklich von diesem auf der Ideologie „Je mehr Angst ich mache, umso besser“ basierenden Richtwertekonzept und empfiehlt, diese sogenannten „Baubiologischen Richtwerte“ nicht für Gutachten etc. zu verwenden.

K

Tags:
Oberfeld, Landessanitätsdirektion, Indoor, SBM, Maes, Richtwert, IBN, Verband-Baubiologie, Aufmerksamkeit, Lobbyverein, Immissionsgrenzwerte


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