Naila reloaded - Interpretationsspielräume (Forschung)

Alexander Lerchl @, Dienstag, 10.03.2009, 18:57 (vor 3902 Tagen) @ H. Lamarr

Wenn in der 400-Meter-Zone die Krebsrate - warum auch immer - zunächst niedriger war als erwartet (9 statt 16,5), dann ist es für die Wahrnehmung der Leute dort doch schon richtig, die niedrige 9 als Bezugsgröße zu verwenden und nicht den höheren Erwartungswert. Denn der Erwartungswert ist doch nur eine rein statistische Größe aus die Tiefen des saarländischen Krebsregisters, die mit dem realen Krebsszenario in der 400-Meter-Zone zu Hennen nichts zu tun hat und den Leuten dort ziemlich egal sein dürfte. Die wissen nur: Wir hatten im Zeitraum 1 nur 9 Krebsfälle. Und jetzt sind es 14.

Was ich damit sagen will: Ist die von Eger gewählte Bezugsgröße nun definitiv falsch im Sinne der üblichen wissenschaftlichen Vorgehensweise bei solchen Krebsclustern (keine Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen anderer Krebscluster)? Oder gibt es bei der Wahl der Bezugsgröße einen legitimen Ermessensspielraum, den Eger einfach genutzt hat, um seiner jüngsten Studie einen Schuss mehr Dramatik zu verpassen?

Die erwarteten Krebsfälle im Zeitraum 1 (5 Jahre) sind laut der Studie und unter Bezug auf das Saarländische Krebsregister 16,45. Mal angenommen, dass das Saarländische Krebsregister einen brauchbaren Wert für die Anzahl zu erwartender Krebsfälle liefert, ist ganz klar, dass die Anzahl der beobachteten Fälle (9) in Hennen niedriger sind als zu erwarten gewesen wäre. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern zu erwarten, da die Zahl von 16,45 natürlich nicht genau für alle 5-Jahreszeiträume eintreten. Mal mehr, mal weniger. Was man in solchen Fällen üblicherweise berechnet, ist die Anzahl (Inzidenz) der Krebsfälle im Vergleich zur Inzidenz eines Bundeslandes oder innerhalb Deutschlands. Es geht nicht, dass man (wie gesagt, willkürlich!) zwei Zeiträume definiert und die Inzidenzen vergleicht. Das könnte man nämlich für beliebige Orte und Zeiträume analog durchführen und käme zu abenteuerlichen zeitlichen "Krebsclustern".

Ein weiteres Argument: Im gesamten Beobachtungszeitraum von 7,5 Jahren sind insgesamt 23 Krebsfälle in dem 400m-Radius in Hennen gezählt worden. Erwartet wurden für diesen Zeitraum laut der "Studie" von Eger und Neppe 26,21. Ich hoffe, jetzt ist dann alles klar.

Schönen Abend,

Alexander Lerchl

--
"Ein Esoteriker kann in fünf Minuten mehr Unsinn behaupten, als ein Wissenschaftler in seinem ganzen Leben widerlegen kann." Vince Ebert

Tags:
, Krebsregister, Krebscluster


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum