Prof. Neil Sherry (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 12.11.2022, 22:27 (vor 79 Tagen) @ KlaKla

Scheidstegers Recherche ist mit Vorsicht zu genießen. Den Namen, des längst Verstorbenen Neuseeländers schreibt Scheidsteger falsch und er gibt ihn fälschlicherweise als Professor aus. Neil Cherry hat sich stets korrekt als Dr. (rer. nat.) Neil Cherry vorgestellt..

[image]◄ Auszug aus Scheidstegers Buch "Thank you for Calling", erschienen anno 2018 in dem alternativen Informationsportal rubikon.news.

Auch an solchen hinreißend komischen Fehlern mache ich fest, dass Klaus Scheidsteger ein oberflächlich recherchierender Märchenonkel ist, der mit der Mobilfunkdebatte eine dumme Kuh entdeckt hat, die er mit seinen Filmen und Geschichten kommerziell melken kann bis zum letzten Tropfen. Schon der Umstand, dass er auf der dubiosen Plattform Rubikon einen Auszug seines Buches bringt und nicht bei einem Medium von Rang und Namen ist ein Warnsignal. Doch mutmaßlich hätte eine seriöse Plattform ohnehin abgewunken, denn was Scheidsteger einem vorsetzt, verlangt eher nach Glaubensstärke als nach einem verständigen kritischen Geist.

So erzählt der Filmemacher in dem gebotenen Auszug detailliert die bunte Anekdote, wie er an "Beweismaterial" gekommen sei, das die Mobilfunkindustrie belaste. Darunter auch das angebliche "War Game Memo" von Burson Marsteller, das Mobilfunkgegner aller Schattierungen liebend gerne kolportieren, obwohl Scheidsteger den Inhalt dieses Papiers zu keiner Zeit offen gelegt hat. Man muss ihm blind glauben, dass das, was er über dieses Papier verbreitet, den Tatsachen entspricht. Doch zurück zu Scheidstegers Erzählung, wie ihm Privatdetektiv "Bob" aus Baltimore das besagte Beweismaterial zuerst faxte und Scheidsteger sich im Februar 2005 mit seinem Informanten in Baltimore getroffen haben will. Dort beichtete Bob: Das Material, das er dem Deutschen gefaxt hatte, will er im Auftrag der Rechtsanwältin Joanne Suder beschafft haben. Dazu muss man wissen: Suder war einer der beiden Anwälte, die Christopher Newman vor Gericht in Baltimor anlässlich seiner Klage gegen Motorola vertraten und 2002 unterlagen. Motorola wurde verklagt, weil Newman von 1992 bis 1998 ein analoges (!) Motorola-Funktelefon benutzte und er seinen Hirntumor diesem Gerät anlastete. Aller Voraussicht nach benutzte Newman ein Gerät vom Typ AMPS.

Bob vertraute Scheidsteger weiter an, mit Suder liiert gewesen zu sein. Suder habe jedoch ausgerechnet an dem Tag, da Scheidsteger erstmals telefonisch Kontakt mit Bob aufnahm, das Techtelmechtel für beendet erklärt. Bob will darüber so verärgert gewesen sein, dass er das herrlich belastende "Beweismaterial", das eigentlich Suder gehörte, spontan dem wildfremden Scheidsteger per Fax übergab.

Soweit die Anekdote aus dem Scheidsteger-Buch.

Scheidsteger räumt selbst ein, seine Geschichte sei zu schön, um wahr zu sein. Aus meiner Sicht liegt er damit richtig. Ich sehe zwei Alternativen, die nicht so schön sind, der Wahrheit möglicherweise aber näher kommen:

► Scheidsteger bindet seinen Lesern schlicht und ergreifend einen Bären auf. Die Geschichten, mit denen er die Lücken zwischen den Szenen in ty4c füllen will, entspringen der regen Phantasie des Filmemachers.

► Die Geschichte hat sich tatsächlich in etwa so zugetragen, wie Scheidsteger sie berichtet. In USA waren "interessierte Kreise" über die ersten Kontaktversuche eines unbekannten deutschen Filmemachers hoch erfreut und man kam schnell überein, dem gutgläubigen Mann die Story seines Lebens zu servieren. Die "interessierten Kreise" waren nicht die Beklagten. Wegen der tragenden Rolle, die Scheidsteger hingebungsvoll dem Lobbyisten George Carlo einräumt, nehme ich an, der Wind hat aus dessen Ecke geblasen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Qualitätsmängel, Cherry, Scheidsteger, Faktencheck, Burson-Marsteller, EMX-Chip, Newman, Angelos, Noise Field Technology, Suder


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