13 Hensinger beschuldigt BfS einseitiger Studiendarstellung (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 22.09.2020, 18:38 (vor 67 Tagen) @ H. Lamarr

Anlässlich der Präsentation der Thill-Metastudie zum Insektensterben veranstaltete Diagnose-Funk eine Pressekonferenz. Die Schwäbische Zeitung war zugegen und schreibt am 18. September 2020 (Auszug):

[...] Hinsichtlich des Streits in der Wissenschaft über die tatsächliche Schädlichkeit der Strahlung unterstellte Hensinger dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das für die Abwehr von Gefahren durch Strahlung zuständig ist, in der Pressekonferenz vor allem Interessen der Wirtschaft zu verfolgen. Laut Hensinger stelle das BfS die Forschungslage einseitig dar. [...]

Die Behauptung, das BfS stelle die Forschungslage einseitig dar, schlägt dem Fass den Boden aus. Fast könnte man meinen, Peter Hensinger habe bei Schopenhauer einen Kunstgriff entdeckt, der da lautet: "Werfe deinem Argumentationsgegner das vor, was du selber tust". Wenn hierzulande einer die Forschungslage einseitig darstellt, dann zweifelsfrei Diagnose-Funk, niemand praktiziert das so perfekt einseitig und damit irreführend wie dieser Verein.

Als Verantwortlicher für die Diagnose-Funk-Alarmstudiendatenbank EMFdata sitzt Steinewerfer Hensinger in einem so zerbrechlichen Glashaus, dass es schon von einer Knallerbse zum Einsturz gebracht werden kann. Denn EMFdata listet ausschließlich Studien auf, die schädliche Wirkungen von Funkwellen gefunden haben wollen. Gegenwärtig umfasst der Bestand 509 Studien, die aus Sicht von Hensinger die Schädlichkeit von Funkfeldern belegen. Gäbe es allein diese 509 Studien, könnte man Hensinger ernst nehmen. Doch so ist es nicht.

Für den Frequenzbereich > 10 MHz liefert das EMF-Portal gegenwärtig 4796 Studien.
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EMFdata: So schmerzhaft einseitig wie einseitige Liebe
Das EMF-Portal der RWTH Aachen ist eine seriöse Datenbank für EMF-Studien, es listet alarmierende und entwarnende Studien friedlich nebeneinander auf. Eingeschränkt auf Studien für den Frequenzbereich ab 10 MHz und darüber zeigt das EMF-Portal gegenwärtig 4796 experimentelle und epidemiologische Studien an. Ziehen wir davon Hensingers 509 Alarmstudien ab, bleiben 4287 Studien übrig, die mutmaßlich nicht alarmierend sind, weil sie sonst von Hensinger seiner eigenen Datenbank einverleibt worden wären. Unter diesen Voraussetzungen stehen jeder einzelnen von Hensingers 509 Alarmstudien nicht weniger als 8,4 Studien gegenüber, die der Diagnose-Funker seinen Besuchern vorenthält, weil sie seiner Einschätzung nach nicht zum Alarmieren taugen. Diese unerträgliche Verzerrung des tatsächlichen Wissensstandes in der EMF-Forschung ist eine Manipulation ersten Ranges. Denn Wissenschaft ist ein kumulativer Prozess, bei dem fachkompetente Personen gegensätzliche Studienergebnisse regelmäßig analysieren, bewerten, gewichten und gegeneinander abwägen. Das Ergebnis ist das, was gemeinhin als Stand des Wissens in einem Fachgebiet gilt.

Suchabfrage im EMF-Portal für das obige Suchergebnis von 4796 Studien.
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Hensinger und seinen Helfern fehlt es mehr oder weniger an allem, was zu qualifizierten Bewertungen erforderlich ist und erschwerend kommt hinzu, dass er keinerlei Ergebnisoffenheit zeigt, sondern im Gegenteil auch banale Alarmstudien dramatisiert. Um eine abgegriffene Metapher zur Verdeutlichung heranzuziehen: Wer im III. Reich allein den Reichsrundfunk hörte, nicht aber die deutschsprachigen Sendungen der BBC, der irrte bis zum bitteren Ende desorientiert durch dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte. Das tausendjährige Reich ist nach zwölf Jahren in Schutt und Asche versunken, seine Methoden der Desinformation haben hingegen heute Hochkonjunktur.

Publikationsverzerrung
Um zu validen Ergebnissen zu kommen, mühen sich seriöse Wissenschaftler ab, möglichst viele Störgrößen auszuschließen, die ihre Studien verfälschen könnten. Eine dieser Störgrößen ist bei Literaturstudien die "Publikationsverzerrung". Gemeint ist damit laut Wikipedia die statistisch verzerrte Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit "positiven" bzw. signifikanten Ergebnissen. Hensinger ist so dreist, auf EMFdata sämtliche entwarnende Studien wegzulassen, also Studien mit "negativen" Ergebnissen (nichts Schlimmes gefunden), das Ergebnis ist eine lupenreine Publikationsverzerrung von 100 Prozent. Mit anderen Worten: Desinformation eiskalt pur (on the Rocks).

EMFdata-Personal fragwürdig
In Anbetracht der schon vom Ansatz her auf Meinungsmanipulation ausgelegten Alarmstudiendatenbank EMFdata spielt die Qualifikation des Diagnose-Funk-Personals, das die Datenbank befüllt, keine tragende Rolle mehr. Diagnose-Funk hält sich äußerst bedeckt, dieses Personal beim Namen zu nennen. Bekannt ist, Peter Hensinger sonnt sich darin "Leiter des Ressorts Wissenschaft" von Diagnose-Funk zu sein. Einem gelernten Drucker diese Aufgabe anzuvertrauen weist deutlich auf a) Selbstüberschätzung, b) Fehleinschätzung und c) einen Mangel an fachkompetentem Personal hin. Mit dem Tagesgeschäft der Datenbank hat Hensinger also nichts zu tun, er beherrscht es schlichtweg nicht. Bleibt nur als zweiter und letzter bekannte Name Isabel Wilke übrig, eine Dipl.-Biologin im Ruhestand.

Für Frau Wilke spricht ihre Ausbildung, wenngleich diese ihr in Sachfragen der Dosimetrie nicht weiterhilft. Gegen sie spricht, dass sie rund zwölf Jahre lang Redakteurin des kostenpflichtigen "Elektrosmog-Report" war, eines EMF-Kampfblättchens, das 25 Jahre lang Nutznießer der Angst vor Elektrosmog monatlich mit frischen Argumentationshilfen versorgte, bevor der Herausgeber es 2019 an Diagnose-Funk vererbte. Ergo war in dem dünnen Blättchen nie von Entwarnung gegenüber EMF die Rede, sondern nur von vielen Gründen zu tiefer Besorgnis. Man kann sich leicht vorstellen, wie ergebnisoffen Frau Wilke am Ende ihrer beruflichen Laufbahn noch ist, das Risiko Mobilfunk kundig und neutral zu bewerten.

Der Aufforderung, das Personal der Diagnose-Funk-Studienbewertungen zu benennen, damit sich jeder ein Bild von dessen Qualifikation und von möglichen Interessenkonflikten machen kann, kam der Verein nicht nach. Wegen seiner dünnen Kompetenzdecke ist EMFdata aus meiner Sicht nicht imstande, Studien umfassend fachkundig zu beurteilen und qualitativ minderwertige von vornherein auszuschließen, wie das die professionellen interdisziplinären Studienbewerter in nationalen/internationalen Expertenkommissionen machen. Im Gegensatz zu Profis lässt Diagnose-Funk auch völlig im Dunkeln, nach welchen Kriterien Studien ausgewählt werden, um auf EMFdata übernommen zu werden. Mutmaßlich kann Diagnose-Funk diese Kriterien gar nicht benennen, der Verein würde sich damit selbst belasten.

Hintergrund
Studiendatenbank EMF:data auf dem Prüfstand (2020)
BfS-Leitfaden - Beurteilung von Studienergebnissen (2018)
BfS & Krebspromotion: Falschinformation von Diagnose-Funk (2017)
Cora: Objektive Wertung von Mobilfunkreviews durch Laien (2017)
Diagnose-Funk: Studienrecherchen, sogenannte (2016)
EMF für Dummies: Die W-LAN-Studien des Peter Hensinger (2015)
Studienreport - mit Jugend-Forscht Experimente (2014)
www.mobilfunkstudien.de - Totgeburt von Diagnose-Funk (2013)

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Zerrbild, Selbstüberschätzung, Täuschung, Manipulation, Hensinger, Risikobewertung, Kompetenzgefälle, Wilke, EMF:Data, Pressekonferenz


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