01.2 Hensinger: Messwerte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 18.01.2018, 15:25 (vor 514 Tagen) @ H. Lamarr

Um besser Rabatz gegen die Kita machen zu können, brachte Herr Hensinger im März 2017 einen "Flyer" heraus. Darin heißt es:

Im Klettergerüst sind die Kinder einer Belastung von über 50 000 μWatt/m² ausgesetzt, in der Sitzland-schaft sind es über 40 000 μWatt/m², im Sandkasten über 25 000 μWatt/m². Dauerhaft!

Alle diese Messwerte liegen unterhalb der Schweizer Vorsorgewerte! Das weiß auch der listige Herr Hensinger, deshalb lässt er in seinem Flyer diese ältesten und bekanntesten Mobilfunk-Vorsorgewerte der Welt (die auch detailliert dokumentiert sind) kurzerhand weg und brilliert mit allerlei anderen (schlecht bis gar nicht dokumentierten) Vorsorgewerten, von denen die meisten nur lokale Gültigkeit haben. Dazu muss man wissen: Vorsorgewerte sind wissenschaftlich nicht begründbar, sie werden nach belieben vom Verordnungsgeber mehr oder weniger weit unter den wissenschaftlich begründbaren Immissionsgrenzwerten (ICNIRP-Grenzwerte) angesetzt. Hensinger dokumentiert mit seiner Liste der Vorsorgewerte diese Willkür auch noch, aus meiner Sicht nicht zu seinem Vorteil.

Woher Hensinger die Messwerte hat und vor allem wie sie zustande kamen, darüber gibt er in dem Flyer keine Auskunft. Anzunehmend ist, weil Mobilfunkgegner stets auf Dramatik aus sind, dass die Messwerte einer Spitzenwertmessung entsprungen sind. Diese Messmethode liefert (je nach Funksystem) in aller Regel unzulässig überhöhte Messwerte, die auch nicht mit den Grenzwerten (Effektivwerte) verglichen werden dürfen. Anzunehmen ist weiterhin, dass die Messwerte mit einem breitbandigen Hobbymessgerät ermittelt wurden, das nicht trennscharf zwischen Funkdiensten und Funkkanälen unterscheiden kann. Im Klartext: Hensingers Messwerte können durch die Funksignale naher Smartphones verfälscht worden sein, ohne dass er dies bemerkt hat.

Auch funktechnischen Laien wie Herrn Hensinger sollte inzwischen klar sein: Die Funkemission eines Standorts ist nicht konstant, sondern abhängig von der momentanen Auslastung. Dennoch behauptet er, die von ihm gemessene Immission würde "dauerhaft" einwirken. Das tut sie mit Sicherheit nicht! Der Wert wird wie überall eine gewisse Schwankungsbreite aufweisen, in verkehrsreichen Zeiten sind es höhere Werte, in verkehrsschwachen Zeiten niedrigere. Sollte Hensinger zu einem verkehrsreichen Zeitpunkt gemessen haben, auch darüber gibt er keine Auskunft, wird die Schwankung allein in Richtung niedrigere Werte stattfinden (und umgekehrt).

Alles in allem ist die Darbietung der Messwerte in dem Flyer unqualifiziert und gut dazu geeignet, in der Bevölkerung (Eltern) unberechtigte subjektiv empfundene Ängste gegenüber Mobilfunk und der staatlichen Schutzpflicht (Strahlenschutz) zu wecken oder zu schüren.

Hintergrund
Gibt es in der Schweiz die rechtlich geduldete Grenzwertüberschreitung?

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Vorsorgewert, Kinder, Hensinger, Flyer, Eltern, Messwerte, Alarm, Kita, Neckartor, Immissionsgrenzwert


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