14 Hensinger: "Über Strahlung zu reden ist nichts Esoterisches" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 20.10.2020, 17:53 (vor 711 Tagen) @ H. Lamarr

Der Südkurier zitierte am 14. September 2020 Peter Hensinger, als dieser sich öffentlich nicht etwa zu Sachfragen einer Drucktechnik äußerte, sondern zu Sachfragen einer Technik, von der er nichts versteht:

"Über Strahlung zu reden ist nichts Esoterisches."

Doch, nämlich dann, wenn ein gelernter Drucker im Ruhestand, der sich für einen Wissenschaftler hält, über Strahlung redet, obwohl es sich gar nicht um gefährliche Strahlung handelt, sondern um harmlose elektromagnetische Funkfelder weit unterhalb zulässiger Grenzwerte.

"Leute, die in der Nähe eines Funkmastens wohnen, sind stärker belastet als die mit Abstand über 300 Meter“, so Hensinger.

Nein, so pauschal lässt sich das nicht behaupten, denn der horizontale Abstand allein ist kein zuverlässiges Maß für eine Funkimmission. Bei GSM, UMTS und LTE hängt die maximale Immission auch stark vom Downtilt und vom Typ einer Antenne ab sowie von der Höhe des Messorts über dem Erdboden, gar nicht zu reden von starken Nebenkeulen in bis zu etwa 30 Meter Entfernung vom Funkmasten. Und bei 5G mit smarten Antennen versagt Hensingers irreführende Pauschalprognose sowieso völlig.

Technisch sei es problemlos möglich, die Masten außerhalb von Wohngebieten zu errichten.

Was für ein Blödsinn. Einen Funkmasten z.B. im unbewohnten Außenbereich mit Strom zu versorgen und ans Kernnetz anzuschließen ist ungleich aufwendiger als im Innenbereich. Entscheidend ist aber etwas anderes: Wird ein Funkmast wegen irrationaler Einwände nicht in einem Wohngebiet errichtet, sondern z.B. im Außenbereich oder in einem abseits gelegenen Gewerbegebiet, müssen alle Mobiltelefone im Wohnbereich unnötig stark senden, um den Funkmasten dort zu erreichen. Auch der Funkmast muss seinerseits unnötig stark senden, um die Telefone zu erreichen. Wer wie Peter Hensinger den hohen Energiebedarf von Smart Citys beweint, zugleich aber predigt, Funkmasten dürften nicht in Wohngebieten stehen, der hat ein substanzielles Verständnisproblem. Ich empfehle Herrn Hensinger für die gesunde Verdauung meiner Erwiderung dieses vertiefende Posting.

„Da diese höher gebaut werden könnten, erreichten sie außerdem einen größeren Umkreis“, betonte Hensinger.

Irgendjemand sollte Herrn Hensinger einmal erklären, wie zelluläre Funknetze funktionieren und dass es keineswegs immer von Vorteil ist, einen "größeren Umkreis" zu erreichen. Mobilfunksender sind keine Rundfunksender. Ein "größerer Umkreis" kann insbesondere bei älteren Funksystemen wie GSM und UMTS zu empfindlichen Empfangsstörungen an den Zellenrändern führen (Stichwort: Interferenzstörungen).

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Desinformation, Instant-Experte, Hensinger, Interferenzstörung


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