09 Hensinger schlägt Bitkom-Vertreterin 27:0 (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 05.09.2020, 19:42 (vor 447 Tagen) @ H. Lamarr

Die "Frage der Woche", eine kleine Meinungsumfrage der Bayerischen Staatszeitung vom 20. August 2020, galt dem Thema "Sollen Schulen mit WLAN ausgestattet werden?". Für "Ja" warb Nina Brandau, Referentin für Bildungspolitik des Digitalverbands Bitkom, für "Nein" sprach sich Peter Hensinger aus, zweiter Vorsitzender des Anti-Mobilfunk-Vereins Diagnose-Funk.

Leser der beiden konträren Standpunkte hatten Gelegenheit mit Kommentaren ihre Meinung zum Thema einzubringen und diese Kommentare ergaben mit 27:0 eine überwältigende Zustimmung zu Hensingers Standpunkt. Mit diesem Posting will ich zeigen wie es dazu kam, denn abgesehen von den nicht-repräsentativen Meinungsbekundungen der Kommentatoren ist der vorläufige Endstand 27:0 (Stand: 5. September 2020, 16:12 Uhr) das Ergebnis von, nun sagen wir mal anstelle von Manipulation weniger hart, "Nachhilfe" durch Peter Hensinger, der das Duell mit Bitkom offenbar unbedingt gewinnen wollte.

Da ist zunächst das Medium Bayerische Staatszeitung (BSZ), eine regionale Wochenzeitung mit einer verbreiteten Auflage von derzeit rd. 15'000 Exemplaren, davon 1640 bezahlte E-Papers, die vorwiegend in der Bau- und Bauzulieferwirtschaft gelesen wird. Mobilfunk, Elektrosmog oder elektromagnetische Felder sind Stichworte, die im aktuellen Themenplan der Zeitung nicht vorkommen, dennoch hat sich das Blatt seit 2013 klar aufseiten der Mobilfunkgegner positioniert und räumt Sprechern der Anti-Mobilfunk-Szene zuweilen Raum ein, ihre Standpunkte zu verbreiten. Das Motiv dafür ist nach Einschätzung des IZgMF in persönlichen Belangen des Chefredakteurs zu erkennen.

Üblicherweise ruft eine "Frage der Woche" der BSZ durchschnittlich zwei bis drei Kommentare hervor, bei Reizthemen wie "Sollen die Grundschulen ab sofort wieder komplett öffnen?", können es auch deutlich mehr sein, im konkreten Beispiel sind es 42 durchaus kontroverse. Die hier betrachtete "Frage der Woche" zu W-Lan an Schulen rief bislang 35 Kommentare hervor: Zwei davon sind neutral, fünf habe ich nicht mitgezählt, weil diese von mir unter dem Pseudonym Spatenpauli eingetragen wurden und nicht der Frage gelten und einen Kommentar von "Björn" habe ich nicht mitgezählt, weil dieser ebenfalls mit der Sache nichts zu tun hat. Alle übrigen 27 Kommentare von 26 mutmaßlich unterschiedlichen Kommentatoren teilen Hensingers Standpunkt. Kein einziger teilt den der Bitkom-Vertreterin.

Die einhellige Meinung der 26 Kommentatoren ist leicht zu erklären, nimmt man an, dass diese 26 überzeugte Mobilfunkgegner sind. Und für diese Annahme gibt es konkrete Hinweise, denn in der Anti-Mobilfunk-Szene wurde auf die kleine Meinungsumfrage explizit aufmerksam gemacht:

► 21. August 2020: Diagnose-Funk-Beitrag "Bayerische Staatszeitung: Sollen Schulen mit WLAN ausgestattet werden?" verlinkt auf BSZ.
► 21. August 2020: Bündnis für humane Bildung (vertreten durch Peter Hensinger) verlinkt auf BSZ und auf den Diagnose-Funk-Beitrag.
► 25. August 2020: Diagnose-Funk-Newsletter mit Link auf den Beitrag vom 21. August 2020.
► 29. August 2020: Bürgerinitiative stoppt-5g.jetzt verlinkt in ihrem Newsletter auf BSZ und weist auf die Kommentarmöglichkeit hin.

Keiner der vier Multiplikatoren fordert gezielt dazu auf, Peter Hensingers Standpunkt in der BSZ wohlwollend zu kommentieren. Das ist in der Anti-Mobilfunk-Szene aber auch nicht nötig, denn jeder der kleinen verschworenen Gemeinschaft weiß auch so, was von ihm erwartet wird.

Was mich zu diesem Posting gebracht hat war die Frage: Hat auch der Verein Bitkom seine Reichweite dazu genutzt, seine Sympathisanten in Richtung BSZ in Marsch zu setzen? Nein, hat er nicht. Der Suchbegriff "Staatszeitung" auf bitkom.com ergab keinen einzigen Treffer. Dies gilt auch für die Website bitkom-research.de. Da niemand Nina Brandaus Standpunkt gut heißt, kann auch eine Mobilisierung von Sympathisanten auf irgendwelchen anderen Kanälen ausgeschlossen werden.

Fazit: Die extrem einseitige Kommentierung zugunsten von Peter Hensinger ist glaubhaft damit zu erklären, dass in erster Linie Websites, für die er mitverantwortlich ist, Gesinnungsgenossen zur BSZ schickten. Hensingers Gegenpart von Bitkom, eine Vertreterin "der (bösen) Industrie", verzichtete darauf. Jeder kann sich nun selbst einen Reim darauf machen, ob diese Nachhilfe zum Erlangen der Deutungshoheit anständig ist oder nicht.

Unfreiwillig zeigt der Vorfall auch, wie gering die Reichweite von Anti-Mobilfunk-Vereinen entgegen dem Anschein tatsächlich ist. Dies wiederum erklärt, warum es der Szene seit gut 20 Jahren nicht gelingt, dauerhaft Rückhalt in der Bevölkerung zu bekommen. Der Rückhalt beschränkt sich auf zeitweise beispringende Wutbürger, die "ihren" – und nur "ihren" Sendemasten weg haben wollen, vielleicht 300 bis 400 überzeugte Mobilfunkgegner und "Elektrosensible" sowie auf ebenso viele Personen, deren Geschäftsmodelle auf irrationalen Ängsten gegenüber Elektrosmog beruhen. Wie schlimm es um die Argumentationsstärke der Szene bestellt ist, zeigen exemplarisch die Hensinger beipflichtenden Kommentare in der BSZ.

Anerkennung verdient die Kommentar-Moderation der BSZ, dass sie meine Kommentare, die stellenweise der Zeitung nicht gerade zum Vorteil gereichen, freigeschaltet hat. Bei anderen Medien, auch bekannten wie merkur.de, habe ich da schlechte Erfahrungen sammeln müssen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Manipulation, Hensinger, W-LAN, Schule, Kommentarfunktion, Bayerische Staatszeitung, Bitkom, Humane Bildung, Vervielfältiger, Sockenpuppen


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