05 Hensinger meldet elektrohypersensible DDR-Funker (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 07.10.2019, 21:08 (vor 10 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug von einem Diagnose-Funk-Beitrag vom 8. Juni 2019

NVA-Untersuchung von 1967 an Funkern

Elektrosensibilität war Stand des Wissens

"Funkstrahlung im nicht-ionisierenden Bereich ist unschädlich", dieses Märchen begleitet die Vermarktung des Mobilfunks seit den 90er Jahren. Davor waren in der medizinischen Literatur die Risiken nicht umstritten. Eine Untersuchung der NVA (Nationale Volksarmee der ehem. DDR) an Funkern zeigt, welche Auswirkungen die Strahlung auf den Organismus hat. Die Funker wurden elektrohypersensibel.

Der Beitrag beruht auf einer Doktorarbeit, die Klaus-Peter Wenzel 1967 zur Erlangung der Doktorwürde an der militärmedizinischen Sektion der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald einreichte. Da Peter Hensinger die Dissertation auf seiner privaten Website hostet, (PDF, 73 MByte) nehme ich an, dass er auch für den Beitrag verantwortlich ist.

Nun ist es schon per se eine wacklige Sache, wenn ein gelernter Drucker über elektrosensible Funker der Nationalen Volksarmee (NVA) der damaligen DDR berichtet. Doch weil die Doktorarbeit in deutscher Sprache verfasst wurde, sind nicht Übersetzungsfehler für den Unsinn verantwortlich, den Hensinger meldet, sondern mutmaßlich seine fachlichen Defizite in Nachrichtentechnik – oder anderes.

Denn was Hensinger "Funker" nennt, waren gar keine Funker, sondern Techniker, die "Funk-Messgeräte" bedienten. Dies geht zweifelsfrei aus dem Original der Doktorarbeit hervor. Funker waren für die Abwicklung eines Funkverkehrs zuständige Personen, z.B. an Bord von Schiffen übermittelten sie Funksprüche und Notrufe an andere Schiffe oder ans Festland. Der tapfere Funker der "Titanic" sendete 1912 unermüdlich so lange SOS, dass er schließlich mit dem Dampfer unterging.

Funk-Messtechniker (beim Militär) sind etwas völlig anderes, nämlich das, was heute als "Radarsoldaten" auch Laien bekannt ist. Der Begriff geht auf die Deutsche Wehrmacht zurück, die vor und während des II. Weltkriegs anstelle von Radar von Funk-Messgeräten sprach. Deren Aufgabe war es, feindliche Flugzeuge oder Schiffe zu orten. Mehr dazu auf Wikipedia. Mit Sprechfunkgeräten haben Funk-Messgeräte nichts zu tun, bis drauf, dass beide elektromagnetische Felder senden und empfangen. Sprechfunk mit geringer Sendeleistung, Radar mit extrem starker Sendeleistung.

Im Gegensatz zu Funkern waren die Radarsoldaten der NVA (und auch anderer Armeen) zeitweise Röntgenstrahlung ausgesetzt, die bei alten Radaranlagen als unerwünschtes Nebenprodukt der Mikrowellenerzeugung anfiel (Details). Röntgenstrahlung ist ionisierende Strahlung und damit für Menschen schon bei geringer Dosis gefährlich, das weiß heute jedes Kind. Mikrowellen sind nicht-ionisierend und deshalb für Menschen ungefährlich, solange der in Wärme umgesetzte Energieeintrag in Körpergewebe unter bestimmten Grenzwerten bleibt. So zumindest lautet der anerkannte Stand des Wissens, gegen den Herr Hensinger seit 2006 mit allen Mitteln anrennt.

Warum Hensinger Radarsoldaten in Funker umetikettiert hat, kann nur er allein verbindlich erklären. Ich könnte mir jedoch vorstellen, die Verdrehung ist nicht seiner Unkenntnis der Begrifflichkeiten geschuldet. Denn sein Verein Diagnose-Funk lässt keine Gelegenheit aus, auch banale Umstände zu dramatisieren, um in der Bevölkerung irrationale Ängste gegenüber Funk zu schüren. So will ich Absicht bei ihm nicht ausschließen. Denn niemand, der ein Mobiltelefon gebraucht, würde auf die Idee kommen die Krebserkrankung eines Radarsoldaten infolge Röntgenbestrahlung mit seinem Lieblingsspielzeug in Verbindung zu bringen. Wird ein Radarsoldat jedoch zum Funker umetikettiert, der noch dazu mit Mikrowellen hantierte wie sie künftig auch beim 5G-Funk eingesetzt werden, stehen die Chancen deutlich besser, bei technischen Laien eine falsche Konnotation herbei zu führen. Ist doch bei Licht besehen jeder, der nicht drahtgebunden telefoniert, ein Funker.

Für absichtliches Verdrehen der beiden Begriffe spricht auch die auffallende Häufigkeit, mit der Diagnose-Funk Sachverhalte mehr oder weniger geschickt uminterpretiert. Gingen diese Verdrehungen hin und wieder einmal auch in Richtung Entwarnung, wäre der Verdacht der Absicht nicht aufrecht zu erhalten. Doch wenn der Verein verdreht, tut er dies konsequent immer nur in eine Richtung: Alarm. Dies deutet auf systematisch betriebene Desinformation hin.

Hintergrund
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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Verdrehung, Desinformation, Hensinger, Irreführung, Schliephake, Radarsoldaten, Lobbyverein


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