Kantonale Umweltämter: Gigaherz-Jakobs fünfter Giga-Gägg (Technik)

H. Lamarr @, München, Freitag, 01.03.2019, 23:11 (vor 260 Tagen) @ H. Lamarr

Neues von der Drama-Queen aus Schwarzenburg (1. März 2019 "Die 5 Giga-Gäggs"). Auf die Gefahr hin, die letzten treuen Stammleser dieses Forums mit dem Stuss des Gigaherz-Präsidenten zu vergraulen, möchte ich von seinen jüngsten fünf "5G-Gäggs" wenigstens einen kommentieren. Jakob befasst sich in seinem Beitrag mit angeblichen Behauptungen der kantonalen Umweltämter, die in dem 2018 entstandenen Papier "Informationsblatt 5G – «Zukunft des Mobilfunks: Auswirkung auf Behörden» enthalten sein sollen. Das Papier wird demnächst auf der Website des Vereins Cercl’Air auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dem IZgMF liegt es bereits vor, und deshalb darf ich feststellen: Zumindest der folgende fünfte "Gägg" (nur diesen habe ich geprüft), wird in dem Informationsblatt weder wörtlich noch sinngemäß genannt. Jakob hat diesen "Gägg" frei erfunden und schiebt ihn böswillig den kantonalen Umweltämtern in die Schuhe:

G5) Auch die Funkfrequenzen von 3.4Gigaherz und höher, auf welchen 5G läuft, sind genügend erforscht.

Antwort: Das ist Unwahr. Die Wissenschaft hinkt der technischen Entwicklung immer 5 bis 10 Jahre hinterher. Die neueste und grösste, je in Sachen Mobilfunkstrahlung durchgeführte Studie, die 25 Millionen Dollar teure und über 5 Jahre dauernde NTP-Studie in den USA, hat übermässige viele bösartige Tumore bei männlichen Ratten, sogenannte Schwanome ergeben. Diese neueste Studie ging nur bis 1.8Gigahertz. 5G läuft jedoch auf einer doppelt so hoher Frequenz. Und hier gibt es noch NICHTS.
Befürchtet wird bei diesen extrem hohen Frequenzen sowohl von den Ärzten für Umwelt wie von den FMH-Ärzten eine starke Zunahme von Hautkrebs.

1. Gigaherz-Jakob ist der einzige, der behauptet, 5G würde (nur) auf 3,4 GHz und höher laufen. Richtig ist (laut Nokia): 5G ist für Frequenzen von 400 MHz bis 90 GHz spezifiziert. Richtig ist aber auch, das 3,6-GHz-Band ist in Europa (und weltweit) das wichtigste Pionierband für 5G, es soll der neuen Technik zum Durchbruch verhelfen.

2. Es ist geradezu lächerlich, die angebliche Behauptung, biologische Wirkungen von Frequenzen > 3,4 GHz seien genügend erforscht, mit dem Fingerzeig auf die NTP-Studie kontern zu wollen. Die NTP-Studie verwendete nicht, wie Jakob behauptet, 1,8 GHz, sondern 0,9 GHz und 1,9 GHz (Quelle). Sie hat damit nicht das geringste mit "3,4 GHz und höher" zu tun. Originaltext NTP: "NTP studies of RFR used in 2G and 3G cell phones do not apply to 4G or 5G technologies".

3. Die NTP-Studie kostete nicht 25 Mio. Dollar, sondern 30 Mio. Dollar und sie dauerte nicht über 5 Jahre, sondern länger als 10 Jahre (Quelle wie zuvor). Es wurden auch nicht "übermässige viele" Schwannome gefunden, sondern in den exponierten Tieren lediglich mehr als in den Tieren der unbefeldeten Kontrollgruppen. Was Jakob verschweigt: Die Tiere wurden maximal zwei Jahre oder lebenslang bis zu ihrem Tod täglich neun Stunden lang intermittierend befeldet (10 min. ein, 10 min. aus) mit bis zum 75-fachen des für Menschen zulässigen Grenzwerts. Und trotzdem lebten die befeldeten Tiere länger als die unbefeldeten Tiere!

4. Jakobs Behauptung es gäbe keine Mobilfunkstudien mit Frequenzen > 3,4 GHz ist falsch. Das EMF-Portal warf auf Anhieb eine Kinderstudie für 3,5 GHz aus. Wer Zeit übrig hat, darf gerne im 5G-Frequenzbereich von 400 MHz bis 90 GHz nach weiteren Studien suchen, ich bin zuversichtlich, dass es hunderte Treffer geben wird.

5. Niedergelassene Ärzte sind keine Wissenschaftler. Die verzerrte Risikowahrnehmung niedergelassener Ärzte in Bezug auf EMF veranlasste den Wissenschaftler Norbert Leitgeb nach einer Erhebung von Daten zu der Äußerung: "Es ist eher einzigartig, dass es einen derartig weit verbreiteten Widerspruch zwischen den Meinungen von Ärzten und der anerkannten nationalen und internationalen Risikobewertung gibt." (Quelle). Wer als Arzt jetzt Hautkrebs in Verbindung mit 5G bringt, disqualifiziert sich selbst als Panikmacher (Begründung <hier>).

Fazit: Wenn Gigaherz-Jakob so weiter macht, kann er demnächst von Leuten mit gefälschtem Hauptschulabschluss mühelos widerlegt werden :-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Hautkrebs, Tierversuch, Schweiz, Falschmeldung, Elektriker, NTP, über Grenzwert, Schwannome


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