Coronakrise: Warten auf die Kampagnen der Impfgegner (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 15.05.2020, 17:58 (vor 935 Tagen) @ Gast

Die erste Covid-19-Welle klingt ab und die Welt wartet nun darauf, ob weitere Wellen folgen werden. Inzwischen laufen die Forschungen an einem Impfstoff in aller Welt auf Hochtouren. Damit lässt sich schon jetzt absehen: Sobald erste Impfstoffe gegen Covid-19 verfügbar sein werden, wird es zu Massenimpfungen kommen. Gehen nicht ausreichend viele freiwillig zum Impfen, um die Ansteckungskettenreaktionen zuverlässig zu unterbrechen, sind obligatorische Impfungen absehbar. Dann schlägt die Stunde der Impfgegner. Der Stuss, der heute über Covid-19 und 5G behauptet wird, gerät dann schnell in Vergessenheit und neuer Stuss über mögliche und unmögliche Impfrisiken wird in der öffentlichen Wahrnehmung die Oberhand gewinnen.

Mir kommt dieses Spielchen, mühelos und flink irgendwelchen Unsinn in die Welt zu setzen, der anschließend mühevoll und langsam andernorts widerlegt wird, vor, wie die Fabel vom Wettlauf des Igel mit dem Hasen. Bekanntlich kann der Hase nicht gewinnen.

Auch die Faktenchecker werden den Desinformanten immer hinterherrennen. Es sei denn, das Recht zur freien Erfindung oder Verbreitung von Blödsinn, das sich vom Nischendasein mit dem Aufkommen des Internets zum Volkssport entwickelt hat, wird überdacht und dem Zeitgeist behutsam angepasst. So könnte ich mir vorstellen, dass die ungeprüfte Verbreitung falscher Behauptungen künftig mit Sanktionen belegt werden darf. Vorbild wäre die Verkehrssünderkartei. Wer sich von Geldbussen nicht abschrecken lässt und munter weiter öffentlich Stuss verbreitet, sammelt Punkte in einer Stusskartei. Ab einem bestimmten Punktestand muss der Sünder z.B. Schulhöfe kehren, einen IQ-Test absolvieren, einen Kurs über angemessenes Sozialverhalten besuchen bis hin zu einem obligatorischen Besuch bei einem Psychiater. Berufsmäßigen Desinformanten darf ab einem gewissen Punktestand der Internet-Zugang gesperrt werden, zuerst befristet, nach mehrfacher Wiederholung dauerhaft.

Schade, dass es so aus "rechtlichen Gründen" nicht kommen wird. Dennoch halte ich es für sinnvoller, nicht zahllose Klärwerke entlang des Informationsflusses zu errichten, sondern die Einleitung von Schmutz schon am Oberlauf zu unterbinden. Wie das zu machen ist, um die freie Meinungsäußerung nicht missbräuchlich zu unterbinden, wäre Sache des Gesetzgebers.

Alternativ könnte der Staat natürlich auch in deutlich mehr Bildung und Medienkompetenz investieren, um die Bevölkerung seines Landes besser gegen Desinformanten zu immunisieren :-).

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Desinformation, Faktencheck, Impfgegner, Impfung, Covid-19


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