Fehlgeburt der EMF-Leitlinie: Zwischenfall in Österreich (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 27.07.2017, 20:17 (vor 907 Tagen) @ H. Lamarr

Mit medizinischen Jargon umschrieben war die Geburt der "EMF-Leitline" zur sogenannten Elektrosensibilität eine Zangengeburt mit zeitweisem Herzstillstand des Kindes. Die Chronik des unglücklichen Papiers beginnt 2012:

Ich dachte ich wüsste alles über die schwere Fehlgeburt der EMF-Leitlinie, doch eines hatte ich übersehen:

In einem Schreiben an das FMK teilte Salzburgs LHstv und Gesundheitslandesrat Dr. Stöckl gestern, 30.3.16 mit, dass für die Beurteilung eines geplanten Mobilfunkstandortes nicht die ÖNORM, sondern die so genannte „EUROPAEM EMF Leitlinie“ gelte [...]

Quelle dieses peinlichen Zwischenfalls ist eine Presse-Information des FMK (Interessenvertretung der österreichischen Mobilfunk-Netzbetreiber).

Was in Deutschland der Ministerpräsident eines Bundeslandes ist, ist in Österreich der Landeshauptmann. Dr. Stöckl ist stellvertretender Landeshauptmann von Salzburg (Land) und zugleich Gesundheitsminister dieses Bundeslandes. Was er am 30. März 2016 dem FMK schrieb lässt einem den Atem stocken. Wie kann es passieren, dass ein hoher Politiker der Alpenrepublik einer "EMF-Leitlinie" so viel Gewicht beimisst, die von einer Fachbehörde wie dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz als wertlos eingestuft wird?

Dass Stöckl von Beruf Lehrer und kein Mediziner ist, dürfte nicht der Grund gewesen sein, denn Stand des Wissens ist, dass Mediziner in aller Regel kaum mehr über EMF und deren biologische Wirkung wissen als Lehrer. Es muss also etwas anderes sein. Aus meiner Sicht steckt Amtsarzt Gerd Oberfeld von der Landessanitätsdirektion Salzburg hinter der Desinformation, denn als Gesundheitsminister ist Stöckl Oberfelds oberster Dienstherr. Gegen Desinformation aus dem eigenen Haus dürfte Stöckl kaum gewappnet sein, zumal <hier> zu erkennen ist, dass Oberfeld Rückhalt bei dem früheren Landessanitätsdirektor hatte und nichts auf einen Verlust dieses Rückhalts hindeutet.

Gefallen dürfte Stöckl daran gefunden haben, dass nicht weniger als fünf Österreicher an der "EMF-Leitlinie" mitgewirkt haben. So etwas erfüllt nicht nur Politiker mit einem gewissen Stolz. Nach meinem Dafürhalten wäre Stöckl jedoch einiges erspart geblieben, hätte er gründlich hinterfragen lassen, auf wen er da eigentlich stolz sein sollte.

Möglicherweise hat sich Stöckl auch von dem bombastischen Namen EUROPA EM (Europäische Akademie für Umweltmedizin) blenden lassen. Er wäre nicht der erste, der den kleinen Würzburger Verein, der sich tatsächlich hinter EUROPA EM verbirgt und von Verfechtern der "EMF-Leitline" ausnahmslos verschwiegen wird, irrtümlich für eine seriöse wissenschaftliche Institution der EU gehalten hat.

Für eine (nur) punktuelle Infektion Stöckls mit der "EMF-Leitlinie" spricht, dass der stellvertretende Landeshauptmann ausgerechnet dann das FMK mit seinem Hinweis auf das Papier beglückte, als die Leitlinie schon wegen Plagiats bis 25. Juli 2016 aus dem Verkehr gezogen war. Für den Politiker muss die Presse-Information des FMK eine Blamage gewesen sein, die allerdings Hoffnung macht, dass der Minister merklich zurückhaltender war, sollte Dr. med. Oberfeld es gewagt haben, ihm auch noch seine überarbeitete "EMF-Leitlinie 2016" zur Kenntnis geben zu wollen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Filz, Oberfeld, Desinformation, Oesterreich, Salzburg, EMF-Leitlinie, Europaem, FMK, Plagiat, Gesundheitsminister, Stöckl


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