EUROPAEM wurde evtl. von IZMF zur EMF-Leitlinie inspiriert (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 13.06.2017, 09:02 (vor 797 Tagen) @ H. Lamarr

Die Chronik des unglücklichen Papiers beginnt 2012
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Das Gras begann bereits über der Vermissten zu wachsen, als sie am 27. November 2015 plötzlich zu neuem Leben erwachte und auf englisch in der Fachzeitschrift "Reviews on Environmental Health" publiziert wurde.

"IZMF veröffentlicht medizinischen Leitfaden zur Beratung und Behandlung von Patienten", so heißt es auf dieser Webseite, die auf den 19. Juni 2015 datiert ist. Zeitlich ist es damit gut möglich, dass die EuropaEM EMF-Leitlinie eine hastige Trotzreaktion auf den Vorstoß des IZMF ist. Die Begleitumstände sprechen nicht gegen diese Vermutung. Denn inhaltlich lehnte sich die EMF-Leitlinie (2015) der Mobilfunkgegner unbotmäßig eng an den Report der BioInitiative an. Der Arbeitsaufwand für das damals noch 17-köpfige Autorenkollektiv, in 104 Tagen mal eben schnell eine EMF-Leitlinie zusammenzuschustern, war also überschaubar. Die 104 Tage sind die Differenz zwischen dem 19. Juni 2015 und, nein, nicht dem 27. November, sondern dem 1. Oktober 2015, dem Tag, an dem die Leitlinie bei der Zeitschrift Reviews on Environmental Health (RevEH) eingereicht wurde. Üblicherweise dauert es bei wissenschaftlichen Zeitschriften Monate oder Jahre, bis ein Beitrag veröffentlicht wird. Doch RevEH peitschte seinerzeit das Paper im Schnellgang durch, nach nur zehn Tagen der Prüfung wurde es am 13. Oktober 2015 angenommen, nach weiteren 45 Tagen veröffentlicht. RevEH scheint auf die EMF-Leitlinie geradezu gewartet zu haben. Die Hast, mit der die Leitlinie 2015 von den Autoren zusammengestellt und von RevEH geprüft wurde, blieb bekanntlich nicht ohne Folgen: Wegen Plagiat musste das Paper wenige Tage nach der Veröffentlichung zurückgezogen werden.

Da das IZMF Ende 2015 seinen Dienst einstellte ist auf der oben genannten Website der Link zu dem medizinischen Leitfaden inzwischen tot, dieser Link aber führt doch noch zum Ziel (PDF, 42 Seiten).

Ärzte können also zwischen den EMF-Leitlinien zweier gegensätzlicher Interessenvertreter wählen: Das IZMF, Berlin, war die Lobbyorganisation der deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber, EuropaEM ist eine Lobbyorganisation geschäftstüchtiger Umweltmediziner, die besonders gerne Privatpatienten von ihren "EMF-Leiden" befreien möchten.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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