Nabu entschuldigt sich für Pressemitteilung zur Thill-Studie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 24.09.2020, 01:23 (vor 225 Tagen) @ H. Lamarr

Nachtrag des Nabu vom 22. September 2020:

Auf unsere Pressemeldung zur Veröffentlichung des Studienüberblicks von Alain Thill zum Einfluss von elektromagnetischen Feldern (EMF) auf Insekten gab es großes Interesse von Seiten der Medien und auch von Wissenschaftlern. Neben Lob hat uns auch Kritik an unserer Darstellung erreicht.

Für diese Kritik bedanken wir uns, weist sie uns doch auf Schwachstellen in der Studie hin und vor allem in unserer Pressemitteilung, die wir begleitend zur Veröffentlichung der Studie herausgegeben haben. Uns ist es wichtig, die Dinge richtig darzustellen, Transparenz zu schaffen und Fehler auszuschließen. Dies ist uns diesmal nicht gut gelungen und dafür entschuldigen wir uns. Folgende Korrekturen und Erklärungen sind aus unserer Sicht notwendig:

► Der Titel unsere Pressemitteilung lautete „Metastudie: Mobilfunkstrahlung belastet Insekten“. Es handelt sich jedoch nicht um eine Metastudie, sondern um eine Überblicksstudie, auch Review genannt. Das haben wir falsch übersetzt. Ein Review ist also ein „Studienüberblick“, der eine Zusammenfassung und eine Diskussion der Studien zu diesem Thema bietet. Bei einer richtigen Metastudie (auch Metaanalyse genannt) hätten die Ursprungsdaten früher Studien zusammengetragen und quantitativ und statistisch ausgewertet werden müssen. Das ist aber nicht erfolgt und war im Rahmen dieser Studie auch gar nicht möglich.

► In der Pressemitteilung heißt es: „Die Studienanalyse basiert auf 190 wissenschaftlichen Veröffentlichungen“. Diese Aussage war irreführend und unpräzise. Es wurden insgesamt 190 Studien als potenziell relevant für das Review identifiziert, aber nur 83 Studien letztlich als tatsächlich relevant betrachtet und ausgewertet. Von diesen 83 Studien haben 72 einen Effekt elektromagnetischer Felder auf Insekten festgestellt. Korrekt ist: „Für die Studienanalyse wurde eine Literaturrecherche durchgeführt, die insgesamt 190 wissenschaftliche Veröffentlichungen erbrachte. Davon wurden 83 Studien identifiziert, die für die Fragestellung als relevant und von ausreichender wissenschaftlicher Qualität erachtet wurden. Auf diese Studien stützt sich das Review.“

► Ein weiterer Vorwurf lautet, wir erweckten den Eindruck, die Studie habe etwas Neues entdeckt. Diese Kritik weisen wir zurück, denn das haben wir so nicht behauptet. Neu ist lediglich die Gesamtschau und zusammenfassende Betrachtung von Studien zu diesem speziellen Thema. Wer sich schon länger mit der Thematik beschäftigt, wurde vom Ergebnis des Reviews nicht sonderlich überrascht. In der Öffentlichkeit und auch in vielen Fachkreisen sind die Effekte elektromagnetischer Felder (EMF) auf Insekten aber wenig bekannt. Das Neue an dem Review ist somit lediglich, dass es den Stand der Forschung im Bereich der EMF in Bezug auf Insekten zusammenfasst und damit für Interessierte einfacher zugänglich macht. Darin sahen und sehen wir auch in Zukunft unsere Aufgabe als Umweltverband. Wurde bisher behauptet, dass es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse über schädlichen Wirkungen von elektromagnetischer Strahlung auf Insekten gebe, kann dies nun nicht mehr behauptet werden. Mit dem Review kann sich jede und jeder mit der Studienlage auf diesem Gebiet auseinandersetzen. Aus unserer Sicht ist das der Mehrwert des Reviews und dies war auch die Motivation des NABU, das Ergebnis über unsere Pressearbeit einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Wir sind der Meinung, dass mehr unabhängige Forschung in diesem Bereich nötig ist.

► Kritisiert wurde auch, dass die Studie nicht in einem einschlägigen Fachmagazin mit dem üblichen „Peer Review“ veröffentlicht wurde. Diesen Punkt kann man durchaus kritisieren. Wir haben die Studie von verschiedenen Wissenschaftlern auf diesem Gebiet gegenlesen lassen und durchweg positive Rückmeldung erhalten. Der NABU ist jedoch der Meinung, dass das Peer Review in einem international anerkannten Fachmagazin in englischer Sprache sobald wie möglich nachgeholt werden sollte, damit die Studienergebnisse auch international in der Wissenschaftswelt anerkannt und diskutiert werden können.

Quelle: https://baden-wuerttemberg.nabu.de/news/2020/september/28698.html

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Korrektur, Klarstellung, Baden-Württemberg, NABU, Pressemitteilung, Thill, Insekten, Review


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