Vollbremsung und Weltanschauung: Abstürzende Neuwagen (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 03.01.2013, 11:14 (vor 3624 Tagen) @ Lilith

Mythen sind Erzählungen. Sie haben i.a. einen spirituellen Hintergrund. Es braucht jedenfalls jemanden, der sie erzählt - sonst sind sie nicht in der Welt.

Womit wir wieder mitten drin sind, in der Anti-Mobilfunk-Szene. Was dort bei oberflächlicher Betrachtung als Fakt wahrgenommen wird, etwa die dramatische Krebshäufung um einen Mobilfunksender im österreichischen Hausmannstätten (Stichwort: Oberfeld) oder die stetig hereintröpfelnden Fallgeschichten von "Elektrosensiblen", die wegen Überempfindlichkeit gegen Funkwellen in abgelegenen Wäldern, Wohnmobilen und Kellern ein kärgliches Leben fristen müssen, das zerbröselt bei kritischer Betrachtung ausnahmslos zu - Mythen. So gesehen wird die Szene Pfarrer Thiede noch für viele Jahre mit Stoff für Neuauflagen versorgen können.

Und, in der Tat, auch andere Entwicklungen der Kommunikationstechnik eignen sich trefflich, den Teufel mahnend an die Wand zu malen. Heutzutage geht das ja sehr komfortabel via www vom Arbeitzimmer aus, es genügt per Maschine zu suchen und kräftig zu filtern. Ein schönes Beispiel liefert heute der "Spiegel" mit dem Bericht Abstürzende Neuwagen. Es geht dort darum, dass die Anbindung von Autos ans Internet böse Buben dazu bringt, in Gegenrichtung zu marschieren, und z.B. die Firmware eines Steuergeräts übers Internet so zu manipulieren, dass (erfunden) am 6. Januar 2013 um 17:43 Uhr ein infiziertes Auto selbsttätig eine Vollbremsung hinlegt, egal ob auf der Autobahn bei 220 km/h oder in einer Spielstraße.

Stoff für weltanschauliche Betrachtungen - ebenso für die Gründung von Vereinen und Bürgerinitiativen der Graswurzelbewegung.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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